Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 24 (11.6.1847)
- Date
- 1847-06-11
- Page
- Spalte 375-376 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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376 375 Studien^ Biographische Skizzen. — ■ Ein Wort über Judenchunr. ^p^pQ, aus welcher Unterschrift in Ermangelung anderer Nachrichten zu entnehmen ist, daß er in Krakau das Licht der Welt erblickte und zwar wahrscheinlich im Jahre 1620. Mit vorzüglichen Anlagen ausgerüstet und einem eisernen Fleiße 'begabt erwarb er sich frühzeitig einen ausgebreiteten Ruf und errang sich in jugendlichem Alter/die Rabbinerstelle in Slonim und , wie Eben Eser 17, 21 hinzugefügt wird, im Großherzogthume Lithauen^ Hier scheint er eben so wenig als später in Brzesc in Lithauen das Rabbinat lange verwaltet zu haben; denn schon im Jahre 1650 wird er als Rabbiner irr Wilna von Hilel ben Naftali Herz in dessen Werk Bet Hilel zum JoreDea 173, 1 mit diesen Wor-- ten erwähnt r ptorj "DYV "DWK ,rp«T pB1? '"n-nJtfiä HIHI . pp":i ’-pphb npi>n hyi nra m* Dieser Hilel, der nebst Samu el Kolben ow er, dem Verf. des DTO, Gemeindevorsteher*) zur selben Zeit in Wilna gewesennennt unsern um 5 Jahre jüngern Mose im Bet Hilel I. D. 242, 5 Mori we-Rabbü Auch der später lebende Hirsch A sch kenasi rühmt unsern Mose sehr, erkennt dessen Entscheidung fast wider Willen und Ueberzeugung an und fällt über ihn in *atj DDfl Dft G. 124 beiläufig folgendes Urtheil: to VVppinD np^ri 3mnoml? p’im iin'D'Pn ^nsom ann ^nrD-.jrrii "oa? na'-ia piDD^> wri jon “mrai reo i'i Dwnpn ’nm “lEwa Nin^nJ'o; j/a ain n^ni caipD \rn\a nso1? mm Vram no *•” mmD rn^> )'N p bp “IIW. ®* starb im Aller von 53 Jahren, erwa 1673. Sein einziges und^ berühmtes Werk pp^NO Dp^n, ein Kommentar zu Eben Eser bis Kapitel 127, wurde nach feinem Lode von seinem Sohne Rafael herausgegeben und mit einer wortreichen und phrafenspielenden, aber inhaltärmen Vorrede versehen. Wissen wir auch sonst wenig von seinem. .Charakter, so können uns einige von ihm an Hilel gerichtete und ln dessen Werk Bet Hilel I. D. 1i0 wiedergegebene Worte Zeugnis ablegen von seiner Nachgiebigkeit und seinem Sanftmuthe. - Er nämlich und Rabbiner Heschel in Krakau hatten ein Viertel Fleisch für erlaubt, erklärt, bet welchem ein Zweifel entstanden war; hingegen Hilel und Samuel Koidenower behaupteten, es dürfte nicht genossen werden; da sprach er zu Hilel folgende von diesem treu angeführte Worte: bciDD p 'nyti; r nnb mit pw .... .•pD’nBD DnN££> hrnm , Dbrijn^. Ueberhaupt scheint er mir, so weit ich feinen Kommentar gelesen, nicht zu den Ueberstrengen zu gehören. - In diesem Kommentar zum Eben Eser steht Kap. 17, sign. 21 ein gelehrter Briefvon ihm an Meie Kohen, Rabbiner in (?) w Lithauen und Bat er des Sabbatai Kohen (^), in welchem Briefe er Möir's ihm gegebene Antwort widerlegt. Idiä.sign. 55 wird über einen gewissen Pinchas aus Orla*^) verhandelt, der Donnerstag den27. Adar- ') Asulai p. I. lit. D sign.’-Sj/4 Orla, eine kleine Stadt in Klein-Polen, unfern Bialystok. Rifchon ihn behufs eines Rechtsstreites besucht und am andern Tage in Mose's Parochie ertrunken gefunden wurde. Ibid, sign. 78 findet sich ein Brief an Jakob Schor, Rabb. in Brzesc in Lithauen, und von He sch el, Rabbiner in Krakau, über einen und denselben Gegenstand, ibid. sign. 108 wird ferne Schwestertochter Breindel erwähnt, deren Mann auf der Reise in ihrer Gegenwart von verschiedenen Ankommenden mißhandelt und dann erschlagen worben. Kap. 129, sign. 2 wird der Vater seiner Mutter, Sanwil, und ibid. sign. 3 B in jamin Ah aro n ben Abrah am, Verf. des pJÜD TlNM), -:alS der Großvater iseiner Frau angeführt. — Seine Gutachten, deren er sicherlich viele abgefaßt, sind'nicht gesammelt, und nur diese hier erwähnten und etwa noch einige wenige von seinem Sohne Rafael in dem Kommentar Chelkat.Mechokek hie und da, bei paffender Gelegenheit, übgedruckt worden. , > M.-Friebland. Dr. Frankel. Ern Wort über Judenthrrm oder die Vergangenheit und Gegenwart, eine Parallele ♦; Y0N Fabius Mieses? (Fortsetzung.) Es geht aus diesen allgemeinen Betrachtungen hervor, daß der ursprüngliche Mosaismus an die Stelle der Theokratie die Nomokratie gesetzt und angenommen hat, welches System aber nur in den ersten Zeiten von Moses bis zum Untergang des ersten Tempels nach seiner primitiven Uribee strikte befolgt und angewandt sein mochte, in spaterer Zeit hingegen seine früherere Bedeutung und Gestalt'allmälig änderte und wechselte, so daß es ln unsern Tagen zu einer ganz neuen befremdenden Erscheinung geworden, und Manchem als eine Mißgeburt vorkommt/ welche den Todeskeim in sich trägt urid der gänzlichen Vernichtung entgegengeht. Durch die verschiedenen Phasen, die das Judenthum in der Geschichte durchgegangen und gleich schon mit dem Verluste seiner politischen Stellung zur Zeit des babylonischen Exils sicht man das social-politische Moment zur Neige gehen- und das Religiöse sich emporschwingen, das auf Kosten jenes, mit überwiegender Macht Geltung erlangte und in den Vordergrugh geschoben wird. Der religiöse^Funke durchbrach.seine gesetzliche Schranken und prägtesich mit Riesenschritten so ^herrschend aus, das; wir schon eine eigenthümliche religiöse Anschauung wahrnchmen, welche sich vor der Makkabäerzeit mehr und mehr ausbildete und hernach zur völligen Religion gestaltete. Die damals in Israels Mitte eingedrungene griechische Literatur und Philosophie verfehlten auch ihre Wirkung auf die Ge-