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Der Orient · 1847-06-11 · Heft 24 (11.6.1847) · p. Seite 191

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 24 (11.6.1847)
Date
1847-06-11
Page
Seite 191 (sequence 13)
Language
German
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191 nm Das junge Nabbincrthum ihut vielleicht gar nicht Übel daran , das nip^JD MpB» fik DV£Hp nsnip zu erklären, das schwache Geschlecht erwies steh von jeher als cur sehr starker und zuverlässiger Bundesgenosse bei der Stiftung einer neuen Sekte. Es scheint jedoch nicht in der Absicht des reformatorischen Rabbinatsassessorö zu liegen, sich auf-eine reformistische Sekte zu beschränken, sonst hatte die Berliner Genossenschaft längst eine Genossin in der hiesigen Gemeinde haben können, die ihre Beiträge zu dem eisernen Fond geliefert hätten; es ist ihm darum zu thun das Gros der Gemeinde für eine lichtfrcundliche, hübsch bequeme Religionsansicht zu gewinnen, was aber sehr schwer gelingt, trotzdem daß diese Bestrebungen bei einem zunickenden Vorstände und bei eingenommenen Lokal-Behörden die bereitwilligste Unterstützung sin den. Wie aber, wenn der administrativeThelt des Judengesctz-Entwurfes, der den Ständen zur Berathung vorliegt, Gesetzeskraft erhält und die autonomische Gewalt, welche gegenwärtig von einem, die Wünsche der Majorität verhöhnenden Vorstand usurpirt wird', zu dieser tiefgekränkten Majorität übergehen wird? Wird das Volk die Unbill, die ihm täglich auf das schonungsloseste zugefügt wird, auch dann ertragen, wenn cs in seiner Macht stehen wird, sich Gemcindcleiter zu wählen , die sein religiöses Interesse besser wahren und sein Gewissen weniger verletzen würden! Geiger scheint von der Furcht vor einer solchen Wendung der Dinge befallen zu sein und er reiste zu diesem Behufe nach Berlin, um durch persönliche Verwendung bei den Ständen diesen Fall zu verhüten und lieber den bisherigen anarchischen Zustand fortbcstehen zu lassen, der übrigens gar nicht so unbehaglich ist. Indessen scheint sein Besuch bei den Ständen nicht mit dem besten Erfolg gekrönt worden zu sein; denn, nachdem die Mitglieder der Herrenkurie längere Unterredungen mit den Anwälten der Berliner Gemeinde gepflogen hatten, , mochten sie sich nicht (wie ich ans sicherer Duelle weiß) durch einseitige von Partciinteresse geleitete Wünschen bestimmen lassen. Man ist darum hier auf das Resultat der Debatten über die Iudenfrage doppelt gespannt. —- Von der' konservativen Partei habe ich Ihnen zu berichten, daß sie eine Religionsschule ins Leben gerufen haben, deren Leitung Dr. Grätz übergeben ist. Die Schülerzähl ist seit den vier Wochen ihres Bestandes bereits zu ci.rcci'240 herangewachsen, ein Beweis für das dringende Bedürfniß eines solchen Instituts. DiefcZahl ist aus 7 Klassen vertbeilt, 4 Knaben- und 3 Mädchenftafjcu. In der ersten Knabenklasse, die zum großen Theil aus Gymnasialschülern der Tertia und Sekunda besteht, sind die Lehrgegenstände nach dem Lehrplan für ft^s Sommersemester: Pentateuch, Propheten, hebräische Grammatik, jüdische Geschichte und Religion. Zwei Hilfslehrer'sind dabei thätig. Mau kann den besten Erfolg von dem Gedeihen, dieses Instituts erwarten, besonders da der mit innerer, wahrer Religiosität und Sachkerintniß ausgerüstete Dr.. Grätz an dessen Spitze als Direktor gestellt ist. L—s. e fi e r r e i ch. EP-erres, im März. (An den Korrespendenteu ans Rüjecz {in Waagthale. Rr. 2 d. Bl.) Wenn man in össentlichen Blättern eine Frage aufstellt, so richtet mau sie nicht nur an den Redakteur, der wie, im vorliegenden Falle wohl von anderweitigen Beschäftigungen so in Anspruch genommen werden mag, als daß er Zeit hätte, einer Gemeinde in Ungarn zu einer Schule Geld zu cr-rathen; mau stellt sie vielmehr hinaus an dasganze Lesepublikum und ein Jeder ist berechtiget in die Beantwortung derselben sich einzulassen, welche Absicht wir auch Ihnen zu unterschieben wagen. Wir glaubtn daher die Grenzer: der Bescheidenheit nicht zu übertreten, wenn wir uns vermessen, jenes bleibende Denkmal uns zu erringen, durch Ertheilung eines Rathes, der, wenn von der Gesammtheit aufrichtig beherziget, mit dem u n c r sch u t t e r l ich st e n Willen befolgt und. beharrlich ausgeführt sicherlich den festesten, praktischen Boden gewinnen muß. Vorerst, bester Herr, erlauben Sie uns eine Frage: Genießt die jüdische Jugend in Räjecz einen Unterricht oder entbehrt sie denselben? Zweifelsohne werden Sie den ersten Theil dieser Frage mit „Ja" beantworten. Nun, da wir in dem Roicsseanisch-idealischen Zeitalter, wo er meint, daß n n r der Vater se l b st oder ein treuer Freund desselben u n e n t g c l d t i ch die Erziehung übernehmen'kann, noch nicht sind, und wohl schw'erlich sobald dahin gelangen werden, unsere Lehrer und Erzieher — denn beide lassen sich von einander schlechterdings nicht trennen — also immer bezahlt werden müssen, so ist es schwer zu begreifen, warum man die Summen, die jährlich au unberufene, unwissende, vagirende Privattehrcr, nur Verderben verbreitende Melamdim unnütz verschwendet, nicht lieber zusammenschtägt und dafür einige gebildete Lehre besoldet? Rehmen wir an -—weil Schreiber dieses, aus jener Gegend gebürtig, den Ort Mr mehren Jahren kannte — Rrrjecz hätte sechzig Familien, was ganz gewiß nicht zu hoch angeschlagen; mindestens kann man durchschnittlich 112 Kinder aunehmm. Das Allerwenigste kostet ein Kind jährlich 8 fl. CM. im Durchschnitte, also 112x8—896 ft. CM. Davon bekäme der erste Lehrer (der, gelegenheitlich bemerkt, durchaus keine Oberlehrergewalt beanspruchen darf bei dem jetzigen Stand der Dinge, wo noch ganze Schwadronen ausländischer, größtentheils unwissender von ihrem Batcrlaude als unbrauchbar ausgeschiedener Subjekte uns übrrströmcn, weil sie in geradem Verhältnisse mit ihrer Unwissenheit stolz auf ihr gebildetes Vaterland, durch

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