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Der Orient · 1847-06-04 · Heft 23 (4.6.1847) · p. Seite 183

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 23 (4.6.1847)
Date
1847-06-04
Page
Seite 183 (sequence 13)
Language
German
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183 wollten heute nur referircn.— Das Räsonriireii überlassen wir Andern. W. * Nachträgliches zu unserm nenlichen Berichte über Bona Ventura Mayer in Nr. 20 d. Bl. Von hier ging B. M. nach dem lamdanimreichew L i fsa, um daselbst wir hier, sein Charifo'S und Bk io's zuprodueiren und ncbeicher (!) seine j—scheu Zwecke zu versölgen. Der größte Lamdan in L. ist jetzt der Ober- Rabbinatsverwalter Herr H. A b ar bau el. Bei diesem ließ B. M. mittelst eines Bitlets sich anmeldcn, wurde aber nicht vorgelassen. Er mußte also wieder aus L., f ohne sein Herz erleichtert zu haben. Von L. ging die f Reise/ nach Schlesien, aus welchem Ihnen Ihr Brest. { Korr, über B. Br. berichten mag. W. I Oesterrei ch. r Miskoltz, 15 Mai. Wenn es nach Ansicht des. geistreichen Borne gut ist, daß das Böse zergliedet werde, möge Schreiber dieses umsoweniger etwas Unangruehmcs thun, wenn er es versucht, auch etwas'Gutes zu zerglie- $ •; dmr, besonders da doch gleichzeitig dem Verdienste seine ihm gebührende Krone zu Theil, und auf den Altar des * allgemeinen Schatzes ein Schärftein niedergelegt \r, wird. — 1 Es ist noch nicht gar lauge her , daß wir Rügen über das method- und zweckwidrige Verfahren der israel. Hauptschllle in unseres Landes Mntterstadt aussprechen . , mußten urld Parteien mit Waffen kämpfen sahen/ die es ' : dem bedächtigen Leser laicht verkennen ließen, daß ihnen in der Esse der Rechthaberei Stachel angespitzt wurden, und sonach gleichbewehrt, beide auch unbesiegt zwar den £- Kampfplatz räumten, nichtsdestoweniger aber die gute 1. Sache weit in den Hintergrund drängten. —- j/' Nach hatten Ueberkommnissen endlich hat man die x? Ueberzeugnng gewonnen, daß, so eine Lehranstalt gedeihen und anstatt der zu erzielenden Trauben,nicht sofort Herf‘ linge reifen sollen, es vor allem nothwendig sei, einem 'l tüchtigen Pädagogen die Leitung derselben zu übertragen, und es schenete die streb- und ehrsame hiesige iSr. Gerneinde t, kein Opfer, Hernl A. Hochmuth, einen Mann, der . st in pädagogisch eS LLissen auf deutschem Boden, narnentlich in Berlin gesamlneit, an ihre Lehranstalt zu. bekom- / men, der nun in seinem Wirken unermüdet sich es zur? heiligen Aufgabe gemacht zu haben scheint, seine Schüler zu Menschen, gesund an Leib und Seele, für's praktische / Leben, zu bilden. Seine Lehrmethode ist die der Anschauung, wo das Kind zwischen den 4 Wänden die Welt beschaut.. Neubauer. || Galkrzien, im Mai. Unzertrennlich von dem; Erhaltungsist der Glückseligkeitstrieb von der.Natur in den f Menschen gelegt und, kann er nicht, glücklich sein, -ohne sich, j L erhalten zu müssen, so erhält er sich nur um glücklich zu sein, j 1 'i und geht in Unglück und Widerwärtigkeit zumeist unter, eine von der Erfahrung wohlbefugte Jnduction. Erhält ferner ein lebendiges Ganze durch seine Zusammensetzung keine seinen Theilen verändernde Natur, sondern übernimmt dadurch Nichts weiter, als die Repräsentation aller Theile, ihrer Bedürfnisse und Gesetze; so folgt unwidersprechlich eine Nation gleichfalls den Gesetzen ihrer Individuen : und es würde die seit dem Beginn des Christenthums in entehrendstem Drucke gehaltene, im verzweifeltstem Unglücke schmachtende Judenschaft kaum so . viele Jahrhunderte durchgelebt haben, hätte -nicht ihre für die Ewigkeit hinausgebaute Religion sie vom Untergänge retten helfen. — Erst als mit Anbruch einer schönen: Zeit die Philosophie mit ihren edlen Prinzipien allenthalben siegreich vordrang und der Lehre. vo.n der Heiligkeit und Unantastbarkeit;ber Menschenrechte weithin Terrain und Achtung zu verschaffen wusste, erhoben sich auch die so unmenschlich gedrückten Juden mit 'neuem Muthe für ihre ihnen schon so lange entzogenen Menschen- —- bald auch Bürgerrechte..— Wenn aber unsere deutschen Brüder auf der Grundlage religiöser Reform die Früchte gegebener Annäherung und vermehrter Verständniß zwischen Christen und Juden erwarten; wenn sie, von äußern Verhältnissen mehr begünstigt, durch ein musterhaftes innerhalb der bürgerlichen Tugenden liegendes Betragen, überhaupt durch Aneignung bürgcrlicher Qualitäten mehr als durch Suppliken die Emancipation erstreben, eigentlich verdienen wollen; so ist es uns leider in dem sonst auch mittelmäßig bedachten, unlängst aber durch ein unglückliches Zusammenwirken von Natur- und Menschenkräften so rief herabgebrachten Gallicien nicht gegönnt diesem erhabenen Beispiele nachzueifern, muffen wir, eine furchtbare Hungersnoth in unserer Milte, verzweifeln, den Früchten wohlthätiger Reform, dem Lohn erlangter bürgerlicher Mündigkeit entgegenharren zu können; daß es vielmehr höchster Verrat!) am geistigen wie am leiblichen Judenthum wäre, jetzt stille zu sehen zu wollen, zu versäumen für unser Unglück nicht auch das Fürwort der .hochgestellten Israels — und ein wen denn sollen wir uns wenden? — zu bitten. Sagen wir aber vor Allem, wo unser. Unglück liegt, sagen wir frei heraus, Fleisch- und Lichtsteuer sind unser Unglück nicht. — Bemittelte trifft sie doch nicht gar so hart, Unbemittelte sind von Ersterer befreit, weil sie wirklich, gar kein Fleisch essen, von Letzterer befreit oder begünstigt laut Gesetz — Aberdarin liegts vielmehr, daß^wir in Allem auf uns selbst gewiesen sind, Rabbiner, Kantor allein besolden, Spitäler zu mehrern Hundert Armen in jeder Gemeinde allein unterhaltcu, unsere Kinder zu Nichts erziehen dürfen noch konneu, dazu noch eine nach jüdischer Vorschrift bereitete theurer zu sieben kommende Kost: nun fragen wir, wie dies Alles mit einem loyalen'Handel zu decken sei, dessen diesjährige Launen, Ach, wie viele Bettelstäbe haben sie nicht an unsere Wobnungen hingelehnt, wie lange werden wir sie nicht noch nachzuempfmden haben.' —

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