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Der Orient · 1847-06-04 · Heft 23 (4.6.1847) · p. Seite 182

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 23 (4.6.1847)
Date
1847-06-04
Page
Seite 182 (sequence 11)
Language
German
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182 sere heutige Korrespondenz Ihrerseits mit; einigen Anl merkungen begleiten zu wollen. Denn wir geben dieömal (was unsere Gewohnheit nicht ist)^ Text ohne Noten. - ' Haben wir im Eingänge das Verhältniß des jüd. Proletariats zum christlichen und später das Verhalten dieses der bemittelten Judenheit gegenüber zu skizziren versucht, so wollen wir nun nicht ermangeln, auch von dem Verhalten der bemittelten Jndenheit dem. christlichen Proletariat, überhaupt der allgemeinen Roth gegenüber ein Bild, wenn auch nur ein ganz kleines, zu entwerfen, indem wir unsere Kollegen, die anderen .Korrespondenten des Orients, bitten, zur Vervollständigung unseres Bil- ' des Alles, was sie aus ihren Kreisen Aehnliches rnitzntheilen wissen, den" Lesern dieses Blattes gefälligst nicht vorenthalten zu wollen. , A(s vor einigen Jahren in London über die Emancipation der Juden verhandelt wurde, äußerte sich ein wohlbekanntes Parlamentsmitglied u. A. wie folgt: „Und das muß noch zu ihrem (nämlich der Juden) Ruhme gesagt werden, wo es gilt der allgemeinen Roth, d. i. der Roth des Volks oder im Volke, kräftig entgegenzuwirken, da sind sie, die Nachkommen Abrahams, niemals die Letzten in der Reihe der Wohlthätigen; oft, ja fast immer gehören sie,zu den Ersten, welche spenden, und nicht selten stellen sie sich sogar an die Spitze und geben durch ihre Hochherzigkeit Beispiele von Humanität und Bruderliebe, die Jeden, der ein Herz im Busen trägt, zur Nachahmung anseuem rnüssen. Dies weiß Jeder von uns, die wir hier versammelt sind, Jeder hat es ^erlebt und so erachte ich es nicht erst für nöthig, was ich eben gesagt, durch Belege zu bekräftigen, obwohl ich deren mehr denn einige geben konnte." Diese Worte hat eilt edler Dritte über die Inden seines Landes geäußert; doch würde man sehr unrecht thun, wenn man das darin cmsgedrück'te Lob nicht auch den Juden Deutschlands, nicht auch den Juden unseres Großherzogthums gönnen wollte.'. Diese verdienen es ebenfalls, verdienen es vielleicht in demselben Grade, wie ihre Brüder jenseits des Kanals. Denn auch hier zu Lande lassen die Inden nicht auf sich warten, wenn es gilt, Rettung zu bringen den Unglücklichen, Hülfe den Leidenden, Trost den Gebeugten. —'Verzeihen Sie, wenn wir immer wieder auf den mehrerwähntcn 29. April d. I. zurückkommen. Wo glauben Sie, sah man an jenem Tage zuerst die Fenster öffnen und Geld unter die Menge werfen, um den Nethlcidcnden so schleunig' als möglich (wenn auch nur momentan) Hilfe zu gewähren? Vor den Häusern und Wohnungen"derJuden. —- Wen sah man zuerst unter die nach Brod Schreienden treten und Geld ünd Lebensmittel unter sie vertheilen, um die Aufgeregten wenigstens für den Augenblick zu beruhigen? Die Juden. Und wer nahm die Hungerleider auch noch einige Tage nach dem Tumult in sein Hans, um sie mit Speise und Trank und Geld reichlich zu traktiren? Es war ein Jude. — Und, als neulich eine hochgestellte Person in der Stadt umherfnhr, um für die Nothleidenden zu kollektiren, wer war es, der den höchsten Beitrag (160 Thlr.) steuerte? Ein Jude. — Und, als durch eine am 4. d. M. in dem nahegetegenen Marowana-Gosleu auSgebrochene Feueröbrunst fast das ganze Städtchen ein Raub der Flammen wurde, .wer'war es, der den Abgebrannten zuerst Hilfe sandte? Es ivaren 'unsere.Juden. Die mit Kleidungsstücken, Brod und andern Lebensmitteln beladenen Wagen, die man gleich am andern Morgen von hier aus der Brandstätte zueilen sah , von wem waren sie gesendet? Von unfern Juden. — Und wie hier, so im' ganzen Großherzogthnme. Uebemtll, wo nur Juden wohnen, sind diese die Ersten oder wenigstens mit von den Ersten, welche die Hand öffnen, um die Hungernden zu speisen, die Nackten zu kleiden, die Gebeugten zu unterstützen. Wer zu leben hat, giebt, giebt reichlich , giebt Allen, macht keinen Unterschied in der Konfession, wenn nicht den, daß er (was hier schon öfters vorgekemmcn und durchaus nicht klug genannt werden kann) seiner leidenden Glaubensbrüder sich dann erst erinnert, nachdem die Armen anderer. Konfessionen, schon zu .wiederholten Malen mit reichlichen Gaben von ihm bedacht worden sind. — Es giebt in unserer Provinz nicht eine einzige jüdische Gemeinde, wo jetzt nicht die Nothleidenden des ganzen Ortes büret; Drodvertheitnngen, durch Geldvertheilnngen oder sonst ans irgend eine Weise unterstützt werden. Was von den Gemeinde-Vorstehern - nicht geschieht, das geschieht von den fast überall vorhandenen wohlthätigen Vereinen und, was diese nicht thun, das thun einzelne bemittelte Männer. Was wollen Sie mehr? Ra kwitz ist eine der kleinsten Gemeinden unserer Provinz und von dort hören wir, daß der seit mehreren Jahren bestehende jüd. Franenverein seinen ganzen Fond nebst noch einer direkt veranstalteten Kollekte darauf verwendet habe, allerlei Lebensmittel eiuzukauftn, um diese einzeln für den dritten Theit des Kaufpreises den Armen des ganzen Städtchens (unter denen kaum 5 Inden sein werden) abzulassen. — Und solcher und ähnlicher E.rempel von der Humanität unserer Inden gegen Alles, was denkt, könnten wir Ihnen hier noch eine ganze Menge anführen, E.rempel^ die ein Zeugniß wie das des edlen Lords, dessen Worte wir eben angeführt haben, auch bei uns nicht Lügen strafen würden —- nein, gewiß nicht. Allein wir fürchten heute die Geduld des Lesers schon zu lange in Anspruch genommen haben, als daß es uns beikommen sollte, nnsern Bericht noch länger ausdehnen zu wollen. Darum Gott befohlen! -— Möge sich jeder denkende Leser die in diesem Artikel mitgcthcitten Fakta znsammcnsetzen, innvelcher Ordnung es ihm immer nur beliebe, und darüber Reflexionen, Betrachtungen re. anstellen, so viel als es ihm gut dünkt. . Wir

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