Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1847)
- Date
- 1847-06-04
- Page
- Seite 180 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360496--5941-3533228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Elbląg 1× ep/1047890
OCR text
180 Berlin, 17. Mai. Die „Schlesische Zeitung" } bringt Ln ihrer Nr. 112 einen Artikel ans Bertm vom i 13. Mai, nach welchem der hiesige Ra b b i n er D r. i Sachs mehreren Mitgliedern der Herrenkurie erklärt haben soll, daß die Juden allerdings an einen Person- . lichen Messias glauben, der sie dermaleinst nach Jern-! salem zurückführen werde. Dieses (Gerücht war auch' hier in Berlin verbreitet, mußte aber von allen Wohlgesinnten und' Gebildeten um so mehr für das genommen werden, was es'ist, als mit demselben zugleich noch-jemand anders genannt wurde, der in den jüdischen Angelegenheiten gern als Rivale des berühmten Rabbiners bezeichnet werden möchte. Unter solchen Umständen können wir es füglich verschmähen jene Berliner Lüge der .„Schl. Zeitung" näher zu bezeichnen; nur das halten wir zu bemerken uns verpflichtet, daß, wenn die Juden überall nach Junen und Außen solche Vertreter wie Sachs hätten, die erlauchten Mitglieder der Herrenkurie neben einem Eisenmenger von rmstnnigen jüdischen Korrespondenten nicht mehr genannt werden würden. Die Quelle, welcher der Art. der „Schl'. Zeitung" entflossen ist, liegt übrigens zu klar am Tage, als daß er noch einer besondern Entgegnung bedürfte. (B. Z.) Königsberg, 12. Mai. 'In der hiesigen jüdischen Synagoge wird jetzt regelmäßig Sonulago Gottesdienst gehalten. * Elbing, 12. Mai. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde hat dem prcuß ischeu ' Landtagsabgeord ii cten v. A uer § w a l d heute nach sichendes Schreiben zugesandt: „Der Entwurf des Judengesetzes, welches bei einem hohen vereinigten Landtage zur Berathung kommen wird, ist bereits zu unserer Kenntniß gelangt. -Der Inhalt desselben wäre wohl geeignet uns. mit Trauer und Besorgnis' zu erfüllen, wenn uns die Aufklärung und Gerechtigkcitsliebe unserer Landesvertreter nicht zu der sicheren Hoffnung berechtigte, daß diese dem Geiste des Fortschritts so offenbar widerstrebende Prvposition mit der gebührenden Entschiedenheit ihre Abweisung finden wird. Wir sind, vielmehr der Erwartung, mi hoher vereinigter Landtag werde die Bitte an des Königs Majestät richten, daß die letzten I Hindernisse, welche der vollständigen Gteichstelluug der Juden mit den übrigen Staatsbürgern noch entgegenstehen., aus dem Wege geräumt werdenr Euer Hochwohlgeboren stehen mit an der Spitze derjenigen edlen Männer, welche davon durchdrungen sind, daß die iinßere Form der Gottesverehrüng keinen Unterschied in Bezug auf die bürgerlichen und Politischen Rechte der einzelnen Bürger, welche allen ihren Pflichten gegen den Staat, genügen, begründen darf, weshalb wir Eure Hochwohlgeboren nicht mit der Wiederholung aller Ansprüche, welche Recht und Billigkeit den Juden geben, ermüden wollen. Euer Hochwohlgeboren sind zu oft als Vorkämpfer .für Recht und Freiheit genannt worden, als daß wir nicht gewiß sein sollten, an Ihnen auch , einen Vertreter Unserer theuersten Interessen zu -finden". (H. BH.) Berlin, 23. Mai. Der Mitthcilung, daß die ausländischen Freimaurerlogen den hiesigen gedroht haben, Repressalien zu nehmen, wenn sie die jüdischen Glaubensgenossen, welche in auswärtige Logen ausgenommen sind, den Zutritt zu ihren Logen verweigern würden, kannaus bester Quelle widersprochen werden. — Die hiesige Mutterlöge „Royal-Uork" hat jetzt den Beschluß gefaßt, alle Maeons ohne Unterschied des Glaubens in in ihrer Loge zrizulassen, demzufolge nun auch Juden, welche im Auslande in den Freimaurerbund ausgenommen sind, an ihren Zusammenkünften theilnehmen können. (S. Z.) Liffa (Pr. Posen) , 23. Mai.. Wir hatten am verflossenen Pfingstseste wieder Gelegenheit, die traurige Erfahrung zu machen, welch ein unumgängliches Bedürfrnß eS für uns ist, unsere alte, seit mehreren Jahren so sehr in .Verfall gerathene Synagoge zu einem würdigen Gotteshause zu restauriren. — Diese Synagoge, ein Gebäude, das, was Styl und Bauart anbclangt, eine der ersten Zierden unserer Siadt ist, mit einer schönen hohen Wölbung und von geräumigem' Umfange, dieses alte, ehrwürdige Gebäude, das bereits zweimal bis aus seine Grundmauern niedergebranril, und zweimal wieder aufgebaut wurde, gewährt jetzt denr in dasselbe Eintretenden einen Anblick, der nur einen unangenehmen Eindruck machen kann. — Die auf die Restamirung zu verwendenden Kosten sind auf c. 5000 Thlr. veranschlagt; aber wo soll in unserer, durchweg nicht sehr bemittelten und in sinancieller Beziehung nicht sehr gut stehenden Gemeinde diese Summe aufzubringen sein? — Zudem kommt noch das Wirken einer Partei,, die mit allen Kräften daran arbeitet, unser, ebenfalls im baufälligen Zustande sich befindendes Bet Ha-Midrasch aufzubaucn, da sie in ihrem Sinne dieses Haus für weit nothwendiger, als eine Synagoge hält. Zu seinem ursprünglichen Zwecke kann jedoch dieses Hans nicht mehr dienen, denn bei' uns giebt -es in Wirklichkeit keine Bachurim mehr (d. h. solche Jünglinge, die sich früher nur ' ausschließlich mit dein Studium des Talmuds beschäftigten), deren es hier viele gab; gr'ößtentheils dient dieses Gebäude nur zum Hilfs-Gotteshause, im Winter zu einer Wärmesiube und. wenig nur zum Lehr Hause. Wie fast in jeder Angelegenheit unserer Gemeinde ein Parteigeist sich kundgiebt, so ist es auch hierin dieses Gespenst, das nichts zur Ausführung kommen läßt. Zum Wiederaufbau des Bet ha - Midrasch , . der nun wirklich zu Stande kommen wird, gehört eine Summe von 1500 Thlr., die theils aus einem Legate, theilsallsGemeinde- Mitteln genommen wird, aber für den Aufbau unserer Synagoge ist uns in den ersten Jahren fast jede Hoffnung benommen.-— > .