Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1847)
- Date
- 1847-06-04
- Page
- Seite 179 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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179 Hern, für das Recht der unterdrückten Brüder fühlen gelernt und macht ihre Sache immer'mehr zu der feinigcn. Vielfache Anträge aus Gemeinden der meisten Provinzen geben von jener Stimmung Zeugniß. Die Provinzialstände haben dieser Stimmung bereits ein würdiges Organ geliehen und der Vereinigte Landtag wird — deß sind wir gewiß — neben den übrigen innigen Wünschen des Landes auch die Bitte um Anwendung des Grundsatzes voller Gewissensfreiheit auf die Rechtsverhältnisse der Juden vor die Stufen des Thrones bringen. Wohl liegt die Gewährung unserer heißesten Wünsche in der Hand Dessen, der die Herzen der Könige lenkt! Und sollte der Moment der Einigung noch nicht gekommen sein, sollten unsere Hoffnungen für den Augenblick noch ruhen müssen, so werden sie doch ruhen und wieder erwachen mit den heiligsten Hoffnungen des Vaterlandes unter der treuen Obhut seiner Vertreter. Uebec alle Trübsale der Gegenwart hebt uns die Erinnerung an eine große, hoffnungsreiche Vergangenheit, der feste Hinblick auf eine größere, erfüllungsreiche Zukunft. Und beides, Erinnerung und Hoffnung, theilen wir von ganzem Herzen und von ganzer Seele, mit unserm Volke, mit unserm Vaterlande. (Die Unterschriften finden sich auf einem Begleitschreiben). Alton«», 20. Mai. Es ist ein schönes und kräftiges Wort ,,unter aller Kritik". Es bezeichnet sowohl, daß der Gegenstand keiner Kritik werth, als auch, daß selbst der Tadel noch zu viel Ehre sei und er gänzlich ignorirt werden müsse. Wenn dem so ist, so frage ich, warum der Zionswächter fo oft von Ihnen und von den andern Blattern, wenn auch nur als Bezeich-- nung des Komischen gebraucht wird? Brüstet sich der Knabe nicht mit seinen Ohrfeigen, wird dieses absonderliche Blatt nicht gerade damit gehoben, wähnt der Stockfinstere nicht: Was muß mein Blatt gut und heilig sein, wenn so viele ,,Rcumandische" darüber in Eifer gerathen? Allerdings hat es eine Klasse Leser, hauptsächlich alte Frauen die es als Deutsch - Chumesch gebrauchen, aber glauben Sie mir auf Ehre, der größte Theil von uns Orthodoxen hier in Altona Mißbilligen es so gut wie der Aufgeklärteste, ja noch mehr, sie fragen: sott der uns bei den Neuern, vertreten? — Hier noch einen Beweis. Der edle Dr. Rießer ward Vorsteher in Hamburg; sein nicht-religiöses Leben istoffenkundig und doch freuen stch alle Parteien mit dieser Wahl, und nennen es eine glückliche, weil sie einsehcn, wie uöthig ein solcher Maunbei der' Verwaltung einer großen Gemeinde sei. Aber blos der Zions-Wächter sch in:pst darüber und kann von Glück sagen, daß,der edle Rießer gar keine Notiz von ihm nimmt, — weil er ihn unter aller Kritik findet. Und so wünschen wir Alle, daß so wohl Sie wie Ihre Herren Kollegen ferner des Blattes gar nicht erwähnen, dann wird er bald ermüden und vergessen werden. Denn die Welt schreitet fort und, wer nicht mitschrciten will, der steht zuletzt allein und kann sich heiser schreien', wie der Aussätzige, der Tome l Tome! ruft. Ein Altona er. Berlin, 11. Mai. Die Kommissionen beider Kurien haben sich in diesen Tagen mit der Proposition über die bürgerlichen und kirchlichen Verhältnisse der Juden beschäftigt und werden nächstens ihre respektiven 'Berichte abstatten. Der betreffende Gesetzentwurf hat unter den Israeliten eine allgemeine Aufregung hervorgerufen, indem sie — sofern ihre Verhältnisse durch das Gesetz vom 11. März 1812 oder durch die am Rhein noch geltende Napoleenische Gesetzgebung ftstgestettt-sind, neben welchen aber bekanntlich in Preußen'noch 16 verschiedene Judengesetzgebungcn bestehen — längst erworbene Rechte dadurch beeinträchtigt glauben und in den neuerdings proponirten Ausnahmen eine größere Zurücksetzung als in dem Bestehenlassen des bisherigen, zum Theil noch mittelalterlichen JudcnreglementS erblicken. Es sind in dieser Beziehung bereits zwei Denkschriften, die eine von dem Buchhändler Dr. Veit und die andere von dem jetzt hier anweseltden bekannten Vorsechter der Emaneipation der Juden, Dr. Rießer in Hamburg, erschienen — Denkschriften, die gewiß nicht ohne Einfluß auf die Entscheidung deS Landtags sein werden. Gestern Haber: auch die Aeltesteu der Berliner Kaufmannschaft den Beschluß gefaßt von der unterm 3. ergangenen Verordnung über die Handelsgerichte keinen Gebrauch machen zu wetten , weil ein Theil ihrer Korporationsmiiglieder, die Kauftente jüdischen Glaubens, von der Befähigung zu Handelsrichtern gewählt zu werden ausgeschlossen ist und die Regierung sich überdies das Recht Vorbehalten hat die kaufmännischen Wähler —- deren Zahl nicht weniger nnd nicht mehr als 60 betragen darf— selbst zu bestimmen. (9t. A. Z.) Altona, im Mai. Am 14. Mai fand hier im Bürgervercme eine Zusammenkunft statt, in welcher die Judenemaneipationsfrage verhandelt und dem. Beschlüsse entgegengesührt ward, der nächster: holsteinischen Ständeversannnluug eine Petition um bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden cinzureichen. Dr. Mägnusson brachte in einer langen Rede die gewöhnlich vorgebrachten Einwendungen wider die Emaneipation zur Sprache um sie dann zn widerlegen. (V. Z.) Magdeburg, im Mai. Die Vorberathnngcn über das Jndengesctz in den Abtheilungen der beiden Cnrien sind nun beendet. Wie man chörl, spricht sich das Gutachten nicht für völlige Gleichstellung der Juden mit Christen aus. (M. Z.) Baiern. (Die Münchener Juden bei den Ministern.) Aus München, 17. Mai, berichtet der Nmnb. Corresp. r In Bezug ans die dem Vernehmen nach bevorstehende Revision des Edikts von 1823 über die Verhältnisse der Inden halte vorige Woche eine Deputation der Administration der hiesigen israelitischen Gemeinde Audienzen bei den verschiedenen Herren Ministern. 23*