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Der Orient · 1847-05-28 · Heft 22 (28.5.1847) · p. Seite 175

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 22 (28.5.1847)
Date
1847-05-28
Page
Seite 175 (sequence 13)
Language
German
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des allen Stamms, denn immer sind es sei n e Wurzeln, die den Schößling tragen mit allen-seinen Aweiigen, und immer bleibt das Christenthum rin Abkömmling des Judenthums. (Beifall.) Demnach beten Christ und Jude zu demselben Schöpfer, des Christen Geist glaubt an des Juden heil'ge Bibel und die Zehn Worte von Sinai, die man in -den Synagogen liest, werden wiederholt in Kirchen und Kapellen.- — Eine Religion der Liebe nennt sich die christliche und ich will das Recht zu der Benennung nicht bestreiten. — Aber sicherlich, d i e Religion, die den Menschen zuerst lehrte: „Du sollst den Ewigen, Deinen Gott lieben!" — „Du sollst den Fremdling lieben. „Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst! —" sicherlich, d i e Religion hat wenigstens dasselbe Recht zu der Benennung. — (Beifall.) Ich wiederhole es: der Unterschied zwischen Judenthum und Christenthum, ^wie groß er.auch in den spekulativen Dogmen sei, findet sich durchaus nicht in den moralischen Prinzipien, denn diese sind in beiden -gleich. — Aber ich höre unsere Gegner ausrufen: „Eure Bibel und deren Lehren sind von-Gott und daher gut, doch Eure Auslegungen sind von den Rabbinern und sind antisocial.!" — Ist dieser wiederkäute Vorwurf aber gerecht oder irgendwie begründet?-- Ein Lehrer des alten Testaments hat gesagt: „Nimm die Wahrheit an, .von wem sie dir auch komme! —" Im neuen Testamente steht: „An der Frucht sollt ihr den Baum erkennen!u Ich nehme diesen Text an und behaupte: So lange man allgemein gesteht, daß die Juden in der Regel gute Väter, treue Gatten und loyale Unterthan'en sind, — daß sie mäßig, fleißig und wohlthätig sind: so lange der Juden Ehrgefühl und Ehrlichkeit klar bewiesen sind durch das große und allgemein bekannte Faktum"), „daß" „Sechs kurze Worte ihnen Alles verschaffen würden, was sie wünschen, (Beifall), daß sie aber diese sechs Worte nicht sagen wollen, weil sie sie nicht mit gutem Gewissen sagen können," (Laute Bravo's), so lange all Dieses wahr ist, und wer kann-es. leugnen? — so wiederhole ich: „An diesen Früchten mögt Ihr den Baum erkennen! —'' (Donnernder Beifall.) Sicherlich also sind die Lehren, die Erziehung des Juden nicht anti-social und können durchaus nicht seinen Anspruch vernichten auf die gleichen Rechte, deren Erlangung er am innigsten wünschet, deren Besitz er am höchsten-schätzet! — Bis jetzt sind seine Kräfte gelähmt von außen und gewaltsam beschränkt auf die enge Sphäre der Familien- und Kommunalpflichcen, auf persönliche und Lokalinteressen. — Aber gebt seiner Thäligkeit Räum, öffnet ihr das größere, edlere und nützlichere Feld des Staatsdienstes und der Nationalinteressen und Ihr werdet sehen, ob seine Neligionsgebote seinen Bürgerpflichten widerstreiten und ob seine Liebe , zu Zion seine Liebe zum Baterlande schmälert, ob er gegen seinen Fürsten minder loyal ist, weil er treu bleibt seinem Gott! 6) ßy the faith of a Christian. Diese Schlußformel des Staatseides ist z. B. das einseitige Hinderniß gegen die Zulassung der Juden zum Parlament und zu Staatsämcern. — — ^Wiederholter Beifall).. — Meine Herren! Vielleicht nehme ich ihre Aufmerksamkeit zu lange in Anspruch, aber auch auf die . Gefahr hin , Sie zu ermüden,, wiederhole ich: Die Emancipation der Juden ist eigentlich nur Gerechtigkeit. — Alles, was der brittische Jude von seinen christlichen Landsleuten fordert, ist nur, daß sie ihren eigenen Grundsätzen folgen und gegen ihn gerecht seien. — Und als Dank dafür bietet er ihnen brüderliche Liebe, Treue dem Vaterlande, feine Kraft zu besten Dienst, sein bestes Blut zu dessen Kampf! (Großer Beifall.) Dann wird Gerechtigkeit fein, wie die Liebe.: „zwiefach gesegnet, bei dem, der giebt und denen, die empfangen! —n Ich frage Euch, meine christlichen Brüder, die ich hier beisammen sehe, soll diese Gabe uns verneinet, dies unser Anerbieten denn verworfen werden? t- Soll trotz allem Lichte,- das Wahrheit und Wissenschaft im. Lande verbraten, die letzte .Zwingburg der Unwissenheit, der Lüge, des Vorurtheils noch in drohender Finsterniß stehen? Soll der Fanatismus frei sein .trotzig böses Haupt erheben dürfen? — Nein, Ihr Männer und Brüder, Ihr werdet das nicht.zulasten. — Eure Stimme, die unwiderstehliche Stimme der öffentlichen Meinung, wird her guten Sache diesen krönenden Triumph erringen und der letzte, der größte Schandfleck wird von der Fläche: der Erde verschwinden und die hehre Sonne der Gedankenfreiheit, der Gewiffensrechte wird erleuchtend^ erwärmend glänzen-Mer dem Firmament der Menschheit auf ewig!^— (Großer anhaltender Beifall.) Also, meine Herren, auf baldige und vollkommene Emancipation der Juden! — . Juden in Konstanz. Zweiter Artikel. (Schluß.) So aber'der'Jüd das ubersaehe, das dann der rat ine an sinepvlib und guot strafen möge nach des rats erkantniss > - Aber frig, ufrecht, redlich und ungevarlich tiisch oucb kbuf und verköuf uinb bar gelt ze tuon, darbi devedere parti der anderen nichts schuldig piibt, das soll dem J u <i e n , der ermelte verschribung geben hat, zuogelassen sin. Sonst soll der obbemeUe saz in nichts, dann nur wie jez ermeklet allain, so -vil das betritt, das der gesworen knecht mit den Juden gön soll, gemindert und üfgehept sin, sunder Sn allen andern mainungen der burger und J u den halb bi kräften pliben und gehalten werden. Doch mich ussgenoinmen, als den Juden über nacht hie ze pliben in der selbigen Ordnung verboten ist, inen jeze zuogelassen welher J u d die obbemelten verschribung geben hat, das der selbig in jeder wochen

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