Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1847)
- Date
- 1847-05-28
- Page
- Seite 174 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 174 — es soll He Stimmung der Mitglieder der Drei-Ständefomc, die die Gesammtheit der Inden aus dem .gesellschaftlichen Leben besser kennenals die Glieder der Herrenkurle, die nur einzelne vielleicht eben, gerade verworfene Juden kennen, eine höchst günstige für die gute Sache der Juden sein. (S. Z.) Breslau, 6. Mai. Dr. Papp>enheim, ein geborener Breslauer, gegenwärtig am physiologischen Institut in Paris angestellt, hat den Preis der Pariser Akademie der Wissenschaften erlangt. Man wird sich erinnern, daß Valentin, jetzt Professor in Bern, ebenfalls cm Breolauer ist. Berlin, 8. Mai. Das vorliegende Jndengcsetz soll in den jetzt staithabenden Vorsitzungen der betreffenden Kommission zu eifrigen Besprechungen Veranlassung geben, da die Meinungen der Kommission in nurncher Hinsicht sich ' sehr cntgegenstchen, so das; eine Vereinbarung mit vielen Schwierigkeiten verbunden ist. Während einige Mitglieder -der Kommissieu von Grundarisichteu ausgehen, welche entschieden zu Gunsten der Inden sind, erklären andere Nutglied er derselben, daß diese Ansichten'durchaus nicht von ihnen gcthcilt werden könnten , ja, daß säst die sämmtlichen Abgeordneten einer Provinz sich dagegen anssprechen' würden. Die für die Juden stimmenden Mitglieder der Kommission besorgen bereits, daß sie bei der Verathnng des Judengesetzes in der großen ständischen Versammlung in der Minderheit bleiben dürften. Indessen läßt sich mit Gewißheit noch nichts darüber bestimmen , da die Ansichten der größern Zahl der Ständemitglieder zur Zeit noch nicht bekannt sind. ' (K. Z.) ' Großbritannien. Birmingham, Ende April. (Schluß.) .Und die geoffenbarte Lehre Gottes sagt in Worten, die keinen Jrrthum zulasten, daß wir Alle Einen Vater haben, daß Ein Gott uns Alle geschaffen. — (Beifall.) Wenn nun weder physisch noch geistig, was denn ist der Unterschied-zwischen dem Juden und seinen mehr begünstigten Landsleuten? Es ist das, was über .jedem menschlichen Lribunal, ja über dem eigenen Willen des Menschen steht: der religiöse Glaube des Juden! — Weil in mehren Punkten Jude und Christ nicht dasselbe glauben, darum soll der Jude leiden für die Ausübung des Rechtes, das dem freien, jedoch verantwortlichen Menschen am meisten nöthig ist : das Rocht nach des Gewissens Mahnung Gott zu verehren! — (Hört!) Mit grundlosen schändlichen Strafen und Vermögensbußen ward dies unveräußerliche, heiligste Recht gevehmt vom dunkeln Vorurtheil. — Das Vorurrheil, im -grauen barbarischen Mittelalter gezeugt, ist auch mit ihm Vergangen. Aber noch hat die erleuchtete Gegenwart diese Lehmen,, diese Strafen nicht getilgt! — (Beifall).-— Ich könnte mit Recht eure Dankbarkeit in Anspruch nehmen, Ihr frommen Christen, dafür, daß wir durch Jahrhunderte des zügellosen Götzendienstes das Helle Licht der reinen .Religion Euch ungetrübt gewahrt! — Und von Euch, gelehrte Christen, könnte ich Erkenntlichkeit fordern. — Denn, als Europa in die tiefe Unwissenheit der Barbarei versunken war, als rauhe Krieger und rohe Pfaffen um die Wette alle Wissenschaft verhöhnt und ihre Schüler geknechtet und gefoltert: damals wurden die kümmerlichen Flämmchen' der Wahrheit- und Erkenntniß, die in der Finsterniß noch schimmerten, -sorgsam und liebreich genährt und erhalten durch die Juden Spaniens! (Großer Beifall.) Doch nicht längst vergangener Tage will ich hier gedenken. — Ich behaupte, daß der Glaube, wie die Liebe, frei, ist, daß er nie erzwungen werden kann, da er das Resultat einer Ueberzeugung ist, die wir uns nicht nach Gutdünken schaffen können. — Ferner, wie schädlich auch für uns die Unmöglichkeit gewisse Satze zu glauben ist, — wie ernstlich wir auch wünschen mögen sie glauben zu können, so stehr es doch nicht bei uns diesen Wunsch zu erfüllen, solange wir uns nicht frei überzeugt fühlen. — Es ist also ärger als ungerecht, es ist grausam uns leiden zu lassen für Unterlassung dessen, was wir unmöglich thun können. (Beifall). Dies wird kein vernünftiger Mensch bereiten. — Aber ich behaupte ferner, daß nicht Meinungen, sondern äL-haten wor den menschlichen Richterstuhl gehören und daß nur solche Meinungen unter Controle stehen müssen, die eine Verkehrte Denkungsart verrathen oder zu Thaten führen,-die dem Gemeinwohl-entgegen sind. —- Aber haben die religiösen Meinungen der Juden solche Wirkungen gezeigt? (Beifall.) Diese-Frage findet eine-zuverlässige Antwort in dem Zeugniß unserer Gegner, die unsere Aussprüche in beiden Parlnmentshäusern -beharrlich bekämpften und die dennoch eingestehen mußten : daß die Juden eine loyale, fleißige und moralische Menschenklaffe seien. — (Beifall) Und warum sollten sie's nicht sein? — Ich gebe zu, daß in dem Glauben der Juden und Christen eine sehr bedeutende Verfchiedenheit ist« — Aber man bedenke doch, daß sie sich nur auf spekulative Grundsätze, nicht aus" moralische Wahrheiten, nur auf Dogmen , nicht auf Pflichten bezieht! Was das Moralgesetz dem Christen untersagt, das ist durch die Moral auch dem Juden verboten. — Was dem Christen seine Pflicht-befiehlt, das gebietet die Nächstenliebe auch dem Juden!—Alle Menschenpflichten , alle Lugenden, die dem Christen theuer sind, waren stets dem Juden heilig! — Denn das Christenthum ist wie ein Kind zum Judenthum!. — Das Judenthum ist verglichen worden mit dem ewig grünen Oelbaum auf des gesegneten Carmels Gipfel. —' Die Stürme, die seit Viertausend Jahren um seinen Stamm gewüthet, haben ihn nicht erschüttern, ja selbst nicht schwächen können! Ewiger Schnee bedeckt seine Blätterkrone, aber sein innerster Kern ist stark und lebensfrisch, und seine Wurzeln greifen weit und fest und tief'hinein in dm Schooß der uralten Berge und lagern sicher im Schutz des ewigen Felsen! (Rauschender Beifall.) Aus feinem Stamm entsproß ein Schößling, der wachsend sich ausbreitete, bis er den väterlichen Baum überschattete. — Viel wilde Oelzweige sind darauf gepfropft worden. — Diese sind genährt und veredelt worden durch die kraftvollen Säfte