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Der Orient · 1847-05-28 · Heft 22 (28.5.1847) · p. Seite 176

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 22 (28.5.1847)
Date
1847-05-28
Page
Seite 176 (sequence 15)
Language
German
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- 176 - ain nacht zu Costanz, und mdr nit, in ainem ofnen würtshüs, aber sonst niendernt sfit mag, es werde dann vom burgermaister etwan, so sich’s die iidfeturft zuotruog, noch längere zit verwilliget. Der burgermaister aber soll das nit gestatten öne sondere ehafte ursach. Die wärt sollen t ouch kain Jud e n mdr dann ain nacht in ainer wocheit beherbergen, st habe nt dann des ain sunderbare erlotibung vom burgermaisteiy wie das alles ain älterer saz der statt Costanz Inhalt, der dann ouch hiemit soll bekräftiget sin* Es sollent ouch dise säz in gmain alle und jede J ad en belangen, und weder arzat (Arzt1?) noch kainerlai Juden noch J ii d i n e n darvon üssgesündert sin. Uf den 4 tag Decembris anno 1540 ist diser obbe^ schribner saz durch klain und gross raet beschlossen* Form der Yerschribung, die die Juden die in der statt Costanz oberkait wandien welient, geben sollent; wie die der täglich rat uss be- Yelh des grossen rats üf Yorbeschribne Ordnung gestelt hat. Ich N. Jud zuo IST. saesshaft, N* Juden sun, bekenn und tuon kunt allermenklich an disem brief: Als die fürsichtigen örsamen und wisen burgermaister und rat der statt Costanz mir df min bitt und ansuochen zuogelassen und bewilliget habend, in ir statt, ouch in ire glicht und ob erkalten ain wände 1 ze haben, doch das ich iren sazungen, die J u den belangende, geleben solle: also hab ich dagegen uss wolbedachtem sinn und muot, guots fngs willens, unbezwungen und ufi hindergangen, den selbigen burgermaister und rat zuogesagt und verhaissen, ich zuosag und verhaiss ouch inen hiemit in kraft dis briefs'b! min guoten tluwen an geswornen aides statt, das ich weder zuo Costanz in der statt, noch in iren grichten und oberkaiten, noch ouch üsserlialb an an den orten mit iren bürgern, inwonern und verwandten nichtsit weder in lihens, koufens, tuschen« noch sunst ainieherlai wis handlen soll und will, das der statt Costanz bürgere, iiuvonere oder verwandte, noch deren ain!che mir etwas schuldig plibint. Aber frig, ufrecht, redlich und ungevärlich tusch ouch köuf nnd verköuf umb bar gelt ze tuon> darbt devedere tail dem andern nichts schuldig plibt, das solL mir nit sin abgestrikt. Ob aber ich anderst , dann wie jez ei meldet, mit jemand«, dtfr der statt Costanz burger, inwoner oder sunst zuogehacrig und verwandt ist, zuo Costanz und in iren grichten und oberkaiten oder usserthalb den selbigen, das beschehe wo das welle, handlete, so sollent und rnogent die selbigen burgermaister nnd rat mich an niinem lib und guot strafen nach irer erkantniss, vor welchem mich und min guot nichts sch uzen, schirmen noch ussreden / Verlag von C. L. Fr,itzsche. soll noch mag, kain frihaifc, gnad, glait, gericht, recht, gepot, verpot der kaiser, künigen, fürsten, herren, statt und landet, ouch'sunst kainerlai schirm, behelf und lissred, wie die gebracht, oder von welherlai oberkait erlangt oder frig uss gnad oder aigner bewegniss gegeben werden mocht; dann ich mich des alles und jedes, vorab des rechten gern ainer -verzihung ön fürgelofne sünderung widersprechende verzigen und begeben hab , und tuon das hiemit in kraft dis briefs. Daran zuo urkuLid p. Die Juden betreffende. Wiewol der statt saz und Ordnung ist, das kain Jud gen Costanz kommen soll, er gebe dann zuoror die verschribung derhalben gestellt; so ist doch dem burgermaister zuogelassen, so etwan ungevär ain Jud kaeme , der durchziehen Welte, rias er dem selbigen Juden ain Knecht zuoordnen mog, der mit im durch die statt gang. Der soll aber vvol acht haben, das der Jud mit niemands ichtsit handle. , Actum 4 Septembris anno 1543. Vögeli, bl. 496—497. a. c, Ich Habe diesen Urkunden nur wenige Anmerkungen beigefügt, weil die Zustände überhaupt eine glückliche Wendung genommen haben und die Nachkommen nicht büßen können für die Schuld der Väter, dies auch im moralischen Sinne. Im Gegentheile ist es unsere Pflicht dem humanen Gerste der Gegenwart volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen and wir müssen öffentlich anerkennenwie-nicht nur seit sehr lange alle die niitgetheilten mittelalterlichen Beschränkungen faktisch und legislatorisch aufgehoben sind, sondern auch am 11. Nov. v. I. die Trauung eines isr. Brautpaares in Constanz Statt fand. Zwar ist das betreff. Paar in Mannheim' bürgerlich niedergelassen und mit der Hochzeit in Konstanz sollte nur das Zusammentreffen der beiderseitigen Familienglieder erleichtert werden z allein es muß immerhin, als großer Fortschritt anerkannt werdeu, daß dieses isr. Famillenereigniß die freundlichste Theilnahme von Seiten der intelligenten Bürgerschaft aller Stände und Klassen gefunden hat und zur Vornahme der Trauung selbst der große Saal im Rathhause von der großen menschenfreundlichen Gemeindebehörde bewilligt worden ist. Der Schreiber dieses hatte-sich auch persönlich der allseitigen wohlwollendsten Zuvorkommenheit zu erfreuen, wofür er hiemit ^gerne seinen Dank ausdrückt. Hoffen wir darum unter dem Schirm der Badischen freisinnigen Verfassung und Gesetzgebung bald noch glänzendere Fortschritte berichten za können,'die den Geist des Jahrhunders und der Menschheit vollkommen ehren und befriedigen werben. Leopold Schott, Rabbiner. Druck von I. H. Nage h

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