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Der Orient · 1847-05-28 · Heft 22 (28.5.1847) · p. Seite 173

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 22 (28.5.1847)
Date
1847-05-28
Page
Seite 173 (sequence 9)
Language
German
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173 Mäßigkeit gesucht wird. In der Provinz Schlesien lebten im Jahre 1843 28,606 Inden, wovon allein in BreSlau 6339. Posen hat die meisten, 79,575 , 'Sachsen die wenig steil (4222). Auf die Nheinprovinz kommen 27,570, auf Preußen 27,540, Wcstphalen 14/405, Pommern "7716, auf Brandenburg endlich 16,116, davon allein auf Berlin 8263. In der ganzen Monarchie sind 33,666 Kinder schulpflichtig, davon besuchen 15,206 christliche Schulen, 478 erhalten Privatunterricht und die übrigen besuchen jüdische Schulen. In Schlesien besuchen 3099 christliche Schulen, 1690 jüdische Lehranstalten und 76 erhalten Privatunterricht. (S. Z.) 7 Berlin, 13. Mai. Die Abtheilung der Ständemitglieder, welche'mit der Vorlerathung über daö Judeilgesctz beschäftigt ist, besteht gegenwärtig aus 16 Mitgliedern , da die Konnnission verstärkt worden ist. Es hat sich jetzt eine Mehrheit der Mitglieder herausgestellt, welche sich für größere' Zugeständnisse aussprechen; als eitjeuthümlich Samt indessen hervorgeh oben werden, daß düse Mehrheit bei aller Uebereinstimmung hinsichtlich der theoretischen Auffassung der Frage, in Betreff der praktischen Ausführung weniger zur Einigung gelangen kann, so daß bei mehreren wichtigen Punkten Vorschläge, welche von Mitgliedern zu Guusten der Juden gemacht wurden, nicht die Stimmenmehrheit erlangen konnten, indem einige dieser Vorschläge als zu weit gehend, andere hingegen wieder als zu beschränkend und unzureichend erachtet wurden. Namentlich stellte sich Meinungsverschiedenheit bei Vorschlägen hinsichtlich der Zulassung der Juden zu Staatsämtcrn heraus. Aufdas Gutachten der Abtheilung ist man sehr gespannte Die Besprechung des Gegenstandes in der allgemeinen Versammlung wird das Interesse um so mehr in Anspruch nehmen, als die Beleuchtung der Frage in die verschiedensten Gebiete führet! wird. ' (M. Z.) WtünchLN, 14. Mai. Unter dem Ministerium Abel war.den bäurischen Rabbinern die Theilnahme m den alljährlich stattfindenden „Versammlungen deutscher Rabbiner^ versagt worden. Wie mau hört, soll jetzt denjenigen Rabbinern in Baiern, die der dieses Jnhr in Mannheim stattfindendcn RV. beiwohnen wollen und hierum höhern Orts nachsuchen, die Erlaubniß dazu ertheilt werden. — (N. C.) Berlin, 11. Mai. Die hiesigen Juden haben um sich ln der Opposition gegen die Regierungsproposition, die Judenverhältnissc betreffend , zu verstärken sich nun an den bekannten Emancipationsvorfechter Dr. G. R ießer in Altona gewendet und um seine Anwesenheit hiersetbst gebeten. Wahrscheinlich wird derselbe sich hierher begeben. (N. C.) Berlin, 13. Mai. Es hat sich hier cm Gerücht verbreitet, das einen um so schmerzlicheren Eindruck aus die Gemüthcr macht, als es gerade in einer Zeit laut geworden, wo es von/Vielen als ein willkommenes Operationsmittel mit Freuden ergriffen werden dürste. Es soll nämlich der Nabbinats-Assessor Dr. Sach s bei einem Besuche, den er mehrcrn Mitgliedern der Abtheilnng aus der Herrenknrie, denen der Gesetzentwurf über die Verhältnisse der Juden zur Begutachtung vorliegt, gemacht, geäußert haben: Die Juden glauben allerdings an einen persönlichen Messias, der sie einst nach Palästina zurückfuhren werde. Wir wüßten freilich nicht, wenn das Gerücht sich bestätigen sollte, wer den'Herrn S. autorisirte im Namen, der Judenheit ein so gewichtvolles, ihre Existenz als Deutsche in Frage stellendes Bekenntniß abzulegen, zumal der größte Theit der preuß. und deutschen Juden ihn Lügen straft, indem sie oft und unzweideutig, genug in Petitionen an die Provinzialstände es ausgesprochen, daß sie kein anderes Vaterland kennen und wollen, als das, dessen Sprache sie reden und-dessen Bildung und Gesittung sie sich angeeignet haben. Es wäre doch zu arg , wenn das Streben nach orthodoxem Heiligenschein sich so weit vergessen konnte selbst gegen das lebendige Bewußtsein einer großen- Gesammtheit keck auZukämpfen. Ob es in den vielen und verworrenen Religionsbüchern der Juden nicht Ansichten giebt, die die erhabene Messiasidee so gemeinsinnlich auffaffen, wissen wir freilich nicht, aber das wissen wir, daß die Juden, die heute unter uns leben, sich längst von der Herrschaft derlei' vermoderter Vorschriften emancipirt haben und daß' Hr. Sachs, falls wirklich ein Messias erschiene, seine Wanderung nach Jerusalem allein unternehmen müßte.. Wir glauben nicht, daß die erleuchteten. Vertreter des preußischen Volkes sich solche verrostete Waffen ans dem Eisenmenger herholep werden um sie gegen die Juden zu gebrauchen, aber eine gleiche Aenßerung eines modernen Rabbiner muß allerdings schwerer ins Gewicht fallen und die Majorität des- Landtags in Weimar hätte demnach jüngst nicht Unrecht gehabt, als sie deducirte: ,,Jakob habe Laban betrogen, und Mosts habe zum Stehlen cgyptischer Kostbarkeiten aufgefordert, folglich seien noch heute die Juden nach mehr als 3000 Jahren Diebe und Betrüger und können in Deutschland so wenig eingebürgert werden, wie Wespen im Bienenstock'! Die Inden können nun allerdings derartige Erzählungen aus der Bibel eben so wenig streichen, wie die hundert andern Aussprüche deö Talmuds, die gegen ihr gutes Recht geltend gemacht werden; aber statt der vergeblichen Mühe der Freisinnigen unter ihnen solche Stellen zu deuten und ' zu erklären, was ihnen ja doch von den Finsterlingen streitig gemacht wird, sollten sie lieber einfach erklären: wir desavouiren alles das als das Hirngespinst betrogener und verworrener Köpfe und können nicht dafür verantwortlich gemacht werden. — Von anderer Seite sollen Schritte geschehen sein um die gedachte, jedenfalls unbesonnene Aenßerung des Hrn. S. zn entkräften und

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