Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1847)
- Date
- 1847-05-28
- Page
- Seite 172 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 172 - man dagegen in der Rheinprovinz ein Menschenalter hindurch hat sorlbestehen lassen, während die Rechtsgleichheit, der sie zur Folie dienten, in den wesentlichsten Punkten in Abgang - gekommen ist. (Forts, folgt) Vom .Rhein, 10. Mai. Von vielen Freunden der Rabbinerversammluug wird der Wunsch gehegt, daß die Rabbiirerversammlnng, die im Laufe deö kommenden Monatö Juli in Mannheim abgehalten werden soll, in-Berücksichtigung' der dermaligen drückenden Zeitverhältnisse, auf das folgende Jahr verschoben werden möge. Da das Abhalten der RV. in der That einen Kostenaufwand von mehreren 1000 Gulden verursacht, so wäre es sehr angemessen und würde der Popularität dieses Instituts gewiß keinen Eintrag thun, wenn von Seiten des Ausschusses für die diesjährige RV. dähiu gewirkt würde, daß dieser zeitgemäße Wunsch seine Verwirklichung erhielte. (F. I.) , In Hlnrnove-e wird der Schutz- oder Leibzoll, den die Juden bis jetzt dort entrichten mußten, mm ebenfalls, und zwar vom 1. Juli an,' in Wegfall kommen. (Staatsbürgerzeit.) Dresden, 14. Mai. Berichtigung. Wmu in Nr. 20 des'Orients in Bezug auf den hiesigen Mendels sohn verein gesagt ist, ,,daß von Dresdner Gemeindegliedern im Ganzen nur sehr wenige zu diesem Vereine etwas beitragen", so entstand diese irrigeAngabe wahrscheinlich daher, weil in der jüngst ansgegebenen gedruckten Uebersicht blos diejenigen namentlich verzeichnet sind, welche innerhalb der letz ten Rechnungs- Periode dem Vereine beigetreten waren; es tragen aber einige und fünfzig Mitglieder der hiesigen israel. Gemeinde zu dem Mendelssohnvereine regelmäßig bei, theils in halb-,' theils in vierteljährigen Terminen, und sind deren ehrenwerthe Namen in einer früheren Uebersicht angegeben, auch gehöreil mehrere hiesige christliche Mitbürger Zu den dein gedachten Vereine Beitragenden. — Daß (wie jener Artikel bemerkt) „aus Leipzig kein einziger Name sich unter den Spendenden findet", ist allerdings gegründet und um so bedauernswerther, als der Verein seine Leistungen in einzelnen Fällen auch auf Leipziger Israeliten erstreckt hat; auch gehörten früher zwei Leipziger Häuser zu den Mitgliedern des Vereins, haben aber seit mehreren Jahren ihre Beiträge nicht gezahlt. *— Was „Nichtsachsen" betrifft, so kann mcm durchaus nicht Mangel an Mildthätigckeit als Grund angeben, daß vor: Ausländern mit Ausnahme des Herrn Rieß in Berlin bis jetzt keine regelmäßigen Beiträge eingegangen sind, indem von Seiten der Verwaltung noch keine Schritte geschehen sind um auch außer,halb Sachsen zu Beiträgen aufzufordern. — Hiernächst ist noch ergänzend hinzuznfügen, daß unter dem in der Uebersicht angegebenen Kassenbestande 250 Thlr. voll einer Stiftung des set. Professor Krug in Leipzig und 50 Thlr. von dem verstorbenen hies. isr. Gemeindevorsteher Wolf Simon Levi jherrührett. — Wenn die Verwunderung cmögedrückt ist, „daß der Verein im Verhältnis; zur Einnahme viel zu großen Ueberschuß habe", so entsteht dies theils daher/ daß der Betrag jener angegebenen StiftrmgS-Kapitalien nicht angegriffen werden kann , theils treten aber auch in der nächsten Periode Verpflichtungen für den Verein ein aus abgeschlossenen Lehrkontraktcn, worauf Lei den Ausgabcu bereits im Voraus Rücksicht genommen werden mußte um kein Deficit hcrvorzubrmgcn. — Uebrigens sind seit der Stiftung des Vereins im Jahre 1829 bis zmn 31. Decbr. 1846 folgende Summen aus dessen Mitteln verwendet worden, als 1461 Thlr. 11 Ngr. 1 Pf. für Erlernung von Handwerken , 650 - 24 - 3 - zur llnterstützimg hilfsbe- ' dürftiger Ghumasiasten und Studireuder, 1 151 - 12 - 5 - für Erlernung bildender Künste, womuter ein Architekt; 63 - 17 - 3 - für Erlernung der Mechanik und mathemat. Wissenschaften, Ulld 39 - - — - zu anderweitiger nützlicher Ausbildung an hilföbedürstrge Jünglinge. Dr. B. Beer, als Berwaltungsglied des Mendelssohnvereins. Berlin, 15. Mai. Alls guter Quelle erfahren wir, daß die Aeltestcn der hiesigen Kaufmcnmschaft entschlossen sind gegen die neuprojektirte gesetzliche Bestimmung, welche die Juden fortan in allen Borse n k o rporatio n s a n g e l e g enh e i t en au ssch ließen will, bei. Sr. Majestät eine entschiedene Verwahrung einzulegen. Es ist zu diesem Behufe eine Kurrende au alle Mitglieder ergangen. (B.Z.) Berlin, 16. Mai. Schon vor 2 Jahren beabsichtigte die hiesige Jndellschaft den einzelnm Provinzial- Landtagen wegen ihrer Bemühungen für die Gleichstellung der Juden eine Dankadresse zu übergeben, allein das Unternehmen kam aus mannigfachen. Hindernngsgründen nicht zu Stande. Jetzt nun, wo sie sämmtlich zu Einem Landtage vereillt und frühere Hindernisse beseitigt sind, wird nun endlich au Letzteren eure Adresse abgehen, die von 300 Unterschriften der angesehensten -jüdischen Bürger in der Monarchie bedeckt ist. Officiellen Berichten zufolge befanden sich tm Jahre 1843 im preußischen Staate 206,050 Juden, während die Zählurrg voir 1840 deren nur 194,558 ergab; die uuverhältnißmäßige Zunahme derselben der übrigen Bevölkerung gegenüber schrieben die Behörden der geringeren Sterblichkeit unter ihnen zu, wovon wiederum der Grund in ihrer Sorgfalt für das geregelte Familienleben und