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Der Orient · 1847-05-21 · Heft 21 (21.5.1847) · p. Seite 166

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 21 (21.5.1847)
Date
1847-05-21
Page
Seite 166 (sequence 11)
Language
German
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166 meirrdegliederft alles Unkraut in der Gemeinde ausznjäten, den Samen guter Friichte auSzustrcuen, Nützliches und Heilbringendes zu schaffen und zu fördern.. So wurde ein Gotteshaus dort aufgerichtet, herrlich schön in seiner Art/ dem Gottesdienste wird seine wahre Weihe und Würde zu geben versucht durch Chora1gesaug> Predigten re., eine Lehr sch u le tritt ins Leben auf Aufforderung und unter Leitung deS Herrn Oberrabbiners, zu der von Pesach bis heute 11,000 st. gespendet wurden, von einer Kinderbewahwnstalt ist auch die Rede und soll noch anderes Scheue und Zweckmäßige dort Eingang finden, woran sich viele Gemeinden nnseres Vaterlandes ein Beispiel nehmen mögen! —a—d;. Großbritannien. Birmingham, Ende April. Es dürfte den Lesern Ihres weit verbreiteten Blattes vielleicht nicht'unwillkommen sein, einiges Nähere von dem Lehen und Treiben rmserer Provinzial-Gemeinden zu erfahren. — Au den wichtigsten Momenten desselben gehören die Jcchresfeste der öffentlichen Institute und mildthätigen Vereine, da sie meistentheils Berührungspuukte mit unfern christlichen Landsleuten sind. — Als solcher merkwürdig war die 34. Jahresfeier der Liverpool Hebrew Philanthropie Society '). Bei dieser erfreulichen Gelegenheit waren unter den vielen christlichen Gästen nicht nur einflußreiche Kapitalisten, Kaufleute, Beamte und Aerzte, sondern auch berühmte Mitglieder des Advokatenstandes zugegen, der bekanntlich seine Repräsentanten in den höchsten Kreisen zählt2). — Die israel. Geistlichkeit war würdig vertreten durch Wie Herren L)., M. I fa crks, Prediger iw Liverpool,'und den Geistlichen der hiesigen Gemeinde Dr. M. I. Raphall. ^— Es lies sich erwarten, daß in einer solchen Versammlung manche ernste Tendenzen zu Sprache kommen würden. —. Der Name des letzteren jüdischen Herren! ist m Deutschland nicht fremd, dem seine mit seltener Gelehrsamkeit verbundene klare Anschauungsweise, stylistische Fertigkeit und eindringliche Darstellung haben seinen Ruf in der literarischen Welt begründet *). Aber nicht so bekannt mag es sein, daß dieser Mann', auf den seine Gemeinde mit Recht stolz ist, obgleich von Geburt und Erziehung ein Ausländer, wit dem Genius der englischen Sprache so vertraut und mit 1) S. d. Bericht in der Liverpool Mail v. 27. Dec. 1845. 2) Der Lordkanzler Englands muß ein Jurist fein und wer kennt nicht die Namen Eldon, Erskine, Denman, Lyttle-! -ton, Lyndhurst, Cottenham, Maeaulay, Broughaw, Wetherell, Campbell, «io. 3) Diesen Namen erwarb sich Dr. N. schon durch seine Kontroverse mit dem bekannten M'Caul. — Die berühmte Broschüre ^udaism defended* bie in der ,,Times" als Antwort auf die maliciösen Oxforder Angriffe bei der Damascus- Verfolgung erschien, und die späteren gleichsalls siegreichen Antworten und Kritiken gegen die Theologen Marsh, Cooke u. A. w. bestätigten diesen Tckelft-- 4) Ich werde Ihnen späterhin einige fernere Notizen über diesen merkwürdigen Mann senden.— solcher Beredtsamkeit begabt ist, daß man seine.Borträge als die Sprache des gebildeten Englands ansehen kann. — Was Wunder also , daß seine Rede'den Glanzpunkt dieser Feier bildete, daß sie nicht allein in mehreren englischen Hauptjournalen, sondern sogar in den Kolonialzeitungen Westindiens und Australiens unverändert ,abgedruckt stand!. Ich glaube, daß^es für Ihre Leser interessant sein wird, aus der Rede dieses Mannes bei dieser Gelegenheit nicht Mein den politischen Standpunkt unserer Brüder in England, sondern auch den Geist des Redners zu erkennen, obgleich ich freilich trotz der möglichst getrettfn Uebersetzung darauf verzichten muß, die elegante Kürze wiederzugeben. — Als man näm- I Uch den üblichen Toasten Genüge gethan, die 'erfreuliche Wirk- | samkeit des Institutes dargelegt und den Namen des stetigen Stifters einige Minuten feierlicher Stille gewidmet, sprach 1 der Dr. N. unter andauerndem Beifall folgendes : ß Herr Präsident und meine Herren. ff Ihr außerordentlich gütiger.Empfang überrascht mich fast ß! zu sehr zum würdigen Proponiren des Toastes, der mir über i ' Alles theuer ist. — Doch will ich Ihnen frei und freudig K (Vorschlägen: Emancipativn der Juden! — Denn es bedarf nicht großer Rednergabe, um ihm den wärmsten Empfang J% zu sichern, nicht vieler logischen Beweisführungen, um die ft Gemüther zu überzeugen, — nicht pathetischer Deklamatio- A nen, um meiner Hörer Gefühle zu gewinnen. — Es ist ein Zweig des Baumes, der in seiner glorreichen Größe dem Britf* ten so theuer ist, — ein Hauptzweig des edlen Baumes der \j Bürger- und Glaubensfreiheit, unter dessen wohlthuendem ft Schatten der Bntte lebt und wirkt und existirt! Und so weiß ft ich, und so fühle ich, daß der Ausdruck meiner Gedanken, wie ft schwach er auch sei, doch stark wiederhallt in aller guten ft Menschhen Herzen und seine mächtigen Sachwalter findet in ft aller weisen Männer Seelen! — (Beifall.) Denn was an- [t ders fordern wir brittischen Juden von unfern Landsleuten \< als — Gerechtigkeit? — Gerechtigkeit, jedes Britten angebornes Recht! Der Grundpfeiler unserer Konstitution. — ft Der Polarstern, dcr den Staatsmännern Albions leuchtete ft beim Durchbrechen der eisigen Schranken, die der Vorurtheile 8 erstarrender Hauch, erhoben zwischen den Menschenbrüdern; | — als sie die Bande lockerten, womit bigotte Selbstsucht die ft Menschenrechte in den Staub gedrückt!?(Beifall.) Nach einsj j ander sind diese Fesseln zerbrochen, — nach einander sind diese Bande zerrissen worden durch die Kraft der öffentlichen Mei- | nung, die da Gerechtigkeit fordert und giebt, bis endlich A nur Ein Glied der tief einschlagenden Kette unzerschnitten | bleibt. — Der Widerruf §er Test- und Korperationsakte, die Emancipation der Katholiken, die Abschaffung des Skla- (K venhandels, die Bill der Diffenterkapellen, und (als Letztes, D doch, für uns Juden nicht als.Geringstes) die in letzter Sitzung j zn unfern Gunsten passirte Parlamentsmaßregtl, das sind die Trophäen, die die öffentliche Meinung im Kampfe des Rechts jj __- - , I ' . | 5) Unrer andern z» B. der Barbados Mercury v. | 12. Mai 46; der Sidney Spectator v. 4. July 46. — 0

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