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Der Orient · 1847-05-21 · Heft 21 (21.5.1847) · p. Seite 165

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 21 (21.5.1847)
Date
1847-05-21
Page
Seite 165 (sequence 9)
Language
German
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- 165 - denn diese „Formgesetze" von ihnen, beachtet werden, im Hause? oder in der Synagoge? „Und die Unglücklichen!^ (Wo denn? Diesseits oder Jenseits?) „sie können mit teuflischer Grausamkeit Menschen, Brüder an den Rarrd des Verderbens bringen — können mit kaltem Blute ganze Familien unglücklich machen und — cutblöden sich nicht bei all dem „Israeliten^ sich nennen zu. lassen?" (Als wenn es ihnen nicht bei. weitem lieber wäre, sich nicht „Israeliten" nennen zu lassen? Ms wenn all ihr Streben nicht dahin gerichtet wäre, jeden Anflug von Jsraelitismus abzustreifen?) O, ihr Bessern, Gott ruft es Euch zu: Steuert demdie Ufer zu überschwemmenden drohenden Unglücköstrome, daß er nicht austrete und Israel unter seine Fluthen begrabe! Rottet aus diese unglückbringende Saat, aus der nur Gift und Drachenzähne für uns sprießen, die allein es nur ist, worüber Tausende Nichtschuldige in unserer Mitte leiden , bluten müssen! Und könnt Ihr dem Uebel nicht Einhalt-thun, und könnt dem Krebsschaden und den Grund unseres Unglücks nicht Herausreißen, so erklärt wenigstens feierlich vor Gott und der Welt inm nnn W dbnpi wdj Npn anpn. Nie komme in den Rath dieser Männer unsere Seele; nie werde ihrer Versammlung unsere Ehre einverleibt! Denn wahrlich die Zeit drängt und die Stimme Gottes darf nicht nutzlos verhallen w."*) Ja, wir möchten mit Messias-Boten-Stimme und der Posaune des jüngsten Tages aller Welt zurusen: Macht doch endlich einen Unterschied, so wie zwischen Mensch mid Menschen, auch zwischen Jud und. Juden! Warum sollen Rabbiner und Prediger, Mediciner und Chirurgen, Lehrer und Handwerker, wegen des Verbrechens Einiger, unter deren Schtachtmesser jene nur zu oft bluten müssen, leiden? Man kennt doch jene Herren! — Man scheide sie, wie ein krankes. Glied, vom israelitischen Körper und werfe sie, sie allein in den Koth! Und wollen wir unsern Vätern, die bald znsammeutretm werden, des Landes Heil zu bcrathen, jene ewig erhabenen rlnd wett-- wahren Worte unseres großen Gesetzgebers, der den Wucher gar nicht kannte und sogar ein mäßiges Prozcntverbot, zurusen: „Wollt Ihr denn, die ganze G e m e i n d e v e r d a ln m e n, w ä h r e n d d c ch n tt r E inige sündigten. Man wird unS ftei'lich vorwerfen, daß cs taktlos sei, über die eigenen Brüder so öffentlich zu Gericht zu sitzen; aber es ist besser taktlos zu sein, als den Vorwurf zu verdienen, Fehler der Glaubensgenossen verdeckt zu haben. . Aus Ungarn, 1. Mai. Lassen Ste mich von den bei meiner jüngst gemachten Reise von P. nach P. ül unseren Schwestergemeinden gemachten Erfahrungen ') Wir glauben, daß Hr. Schiller aufdem Collegio der Ch^istenbrüder für seine Judenbrüder weit mehr wird wirken können, als unter Letztem selbst , er es im Stände sein dürfte. A. d. E. so manches Ihnen mittheilen, was den Lesern Ihres geehrten Blattes nicht uninteressant erscheinen dürste. . •— In M—r war vor wenigen. Wochen durch Verschulden des Rabbiners bedeutender Aufruhr in der Gemeinde, der Art, daß der Rabbiner Gefahr lief, seines. Rabbinats verlustig zu werden und nur aus. Schonung seines Alters und vieljährigen Seins (Wirkens wäre gefehlt gesagt) auf 3 Jahre nur länger acceptirt worden. Er und vicke seiner orthodoxen Amtsbrüder unseres Landes, sich stützend auf Frömmelei und Schcinheiligkeit, glauben wie zuvor nichts m ihren Gemeinden thun zu dürfen, als sich anmaßend in vielfältigen Krümmungen zu gebärden und, bei ihrer eigenen heiligen Empfindsamkeit, Ehrenanderer z u ehren w ü r d i g e r Männer, selbst in ihren Gemeinden, auf niedrige Weise anzutasten. — Daß solch rabbinisches Unwesen sich durchaus mit der geistlichen Würde eines Oberhauptes nicht vertrage, dem gegenwärtigen bessern Sinn und Geist der Gemcmdemitglieder nicht entspreche und ihm. auch hierfür gebührender Lohn zu Theil wird, mögen besonders 9 Rabbiner*) wohl beherzigen. — In Stuhlweißenbnrg war gerade bei meiner Anwesenheit, eine Trauungsfeierlichkeit in der Synagoge; zwei Brautpaare wurden zugleich um die Mittagsstunde unter dm Trauhimmel geführt.- Herr Oberrabbiner Zipser hielt eine vortreffliche, dem Feste angemessene Rede. Es reiht, sich überhaupt dieser Rabbiner den übrigen seiner, freilich wenigen, gelehrten und frommen Amtsbrüdec würdevoll an und ist ihm darum ein größerer Wirkungskreis als dort, da die Gemeinde.kaum 50 Mitglieder zählt, zu wünschen. Schreiber dieses hatte auch dazumal das Vergnügen, den Cenjeltütyer Rabbiner, Herrn Ehrlich, kennest zu lernen, der, was sehr erfreulich, dem Fortschritte huldigt. —, Das Pällatäcr Rabbinat ist gegenwärtig . vakant und soll ein zeitgemäßer Rabbiner bald seine Anstellung finden. Zn bedauern ist nur, daß außerdem nicht alle Mitglieder für einen solchen stimmen, es noch deren gibt, die das Rabbinat lange verwaist sehen könnten und wollten; doch werden hoffentlich einige der dortigen achtbaren und einflußreichen Gcmeindemitglieder dieser höchst wichtigen Angelegenheit ihre Aufmerksaulkeit zuwenden und ihr die bestmöglichen Kräfte widmen. — In Veszprem scheinen die Israeliten sich mehr um die Früchte dieser als jener Welt zu kümmern — denn es herrscht dort außer den: Geschäfte zN viel Stille im Gemeinde-, Schul- und Kirchteben; dafür in Papa rastloses Streben und Mühen von Seiten des Rabbiners, der Vorsteher und niehresten Ge- *.) Ich meine jene, die durch . Neid und Mißgunst beim Herrn Baron v. No thschild in Wien gegen den würdigen Herrn Oberrabbiner Leop. Löw in Papa, der ihnen nie nahe getreten, vielmehr ihr Treiben mit Stillschweigen überging, Lügenhaftes und Bössmm'ges ausgesprochen, was jedoch nutzlos gewesen. .

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