Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1847)
- Date
- 1847-05-21
- Page
- Seite 163 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360494--5922-3533191- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 163 — -Heiden zu betrugen. Sogar das Benehmen des Erzvaters Jakob, der seinen Bruder Esau um den Segen Isaaks betrogen hatte , der Bcsthl MosiS an die in das Land. der Verheißung ziehenden Israeliten, die silbernen Kleinodien'der Egypter zu stehlen und mit fortzuführen, wurde von neuem ihren Nachkommen aus dem 19. Jahrhunderte. vergehalten. Es wurde ferner die Behauptung ausgestellt, die Juden seien seit Christi Erscheinung in der Weltgeschichte und der damit begonnenen höheren Entwickelung der Menschheit auf der alten Entwickelungsstufe stehen geblieben, die sie seit Mofis Gesetzgebung erreicht hatten; Männer wie Spinoza und Mendelssohn seien zwar leuchtende Sterne au der Himmelssphäre der Civilisation, aber doch keine Christen, und könnten daher nicht Bürger eines christlichenStaates, nicht durch gleiche religiöse Anschauung, durch christliche Liebe vereinigte Brüder sein. In diesen! Sinne sprachen sich die meisten Abgeordneten aus, besonders die Herren Henßund Dr. Kiefer, Erstercr mehr den praktisch staatswirthschastlichen, Letzterer dm religiös nationalen Gesichtspunkt festhaltend. Für die sofortige oder doch die allmälige Emaneipation sprachen zwar' auch mehrere Redner, unter denen der Landmarschatt, die Abgeordneten Rebl i n g, Mü l l e r und v o n W yd e n b'r n g k zu nennen sind. Namentlich der zuletzt Genannte vertheidigte Die unbedingte Gleichstellung und widerlegte die oben angeführten Einwendungen dagegen. —- (N. Wenn. Bl.) Berlinim Mai. Die bi er im Vertage Carl Hcymanns erschienene Schrift: ,,Stiinmen der preußischen Provinzialstände des Jahres 1845 über die Emaneipation der Juden", welche C. F. Edler nach amtlichen Quellen mitgetheilt und mit Bemerkungen versehen hat, ist nun mit höherer Genehmigung durch das Bureau dc§ vereinigten Landtags den sämmtlichen Mitgliedern beider Curien vom Verleger gratis behändigt worden. Gedachte Broschüre hat zum Motto die königlichen Worte Friedrich Wilhelm IV.: ,,Meine Unterthaneu sind mir nur für ihre Handlungen , nicht aber für ihren Glauben verantwortlich". (F. OPAZ.) GroGherz. Baden.. (Berichtigung.) Die statistische Bemerkung in Nr. 51 v. I. ist dahin zu berichtigen, daß nach der letzten Volkszählung in diesem Lande 23,258 Juden wohnhaft sind. Die Gesammtbevölkerung des Landes beträgt 1,349,930 Seelen. Demnach ist der 58. Badener ein Jude. Die zahlreichste Judengemeiude ist in Mannheim, sie besteht ans 15?8 Seelen, auf dem Lande wohnen am meisten im Bez.-Amt Radolfzell, nämlich 1460. Königsberg, 6. Mai. (D er Eh e p r o z e ß d e s D r. F a l k s o n.) Gestern war der Tag, an welchem der Ehejmat des hiesigen Oberlandesgerichtes das Urtheit erster Instanz über die in , England geschlossene Ehe des Dr. Falkson>-sprach., Sobald der Staatsanwalt das Wert erhalten hatte, versuchte er die Nichtigkeit dieser Ehe in form etter und materieller Hinsicht nachznweistn: sie sei nicht giltig geschlossen , weil kein in Preußen ordinirter Geistlicher sie eingesegnet habe; auch ^sei es nicht an dem, daß die anglikanische Kirche Ehen zwischen' Inden und Christen gestatte; Dr. Falkson müsst sich daher in England für einen Christen ausgegeben haben. In Betreff des materiellen Punktes bewiesen die eingeforderten Gutachten des hiesigen Konsistoriums und des Rabbinatsaffessors O etti n ge r in Berlin, daß ein Jude sich der christlichen Trauung zu unterwerfen gehindert sei; das von Dr. Falkson beigebrachte Gntachteu des mekleuburg-fchwerinifchcn Landeorabbiners Dr. H o l dH e i m wurde vom Staatsanwalt nur kurz berührt. Der Staatsanwalt beantragte, durch Vermittelung des preußischen Gesandten in London über den Verdacht, den er gegen Dr. Falkfon hege, Erkundigungen einzuziehen. Auch machte er den Gerichtshof auf. feine neulich e Entscheidung in Betreff der von Rupp eingesegneten - frei-evangelischen Kirche aufmerksam, von der der vorliegende Fall nicht sehr ab weiche. Dr. Falkson erklärte sich, als ihm der Präsident das Wort gewährt hatte, sogleich mit Entrüstung gegen die Verdächtigung des Staatsanwalts; ob es etwa die Festigkeit sei, mit der er unter persönlichen Opfern die Annahme eines von ihm nicht für wahr gehaltenen Glaubensbekenntnisses abgelehnt habe, die zu einer so entwürdigenden Beschuldigung berechtige? Doch er wolle dieser.Verdächtigung sogleich den Todesstreich versetzen; er habe diese Art des Kampfes vorausgesehen und sich daher in Vertheidigungszustand gesetzt. Hiermit verlas er 5, sämmtlich vom preußischen Konsul in Hüll beglaubigte Zeugnisse, die des Vikars und des zweiten Geistlichen an der Dreieinigkeitskirche in Hüll und die zweier Trauzeugen, daß sie sämmtlich mit der Konfession des Dr. Falkson vor der Trauung bekannt gewesen seien; endlich das eines englischen RechtSgetehrten, daß Ehen zwischen Juden und Christen rechtmäßig seien. Dr. Falkson legte diese Dokumente ckn 'die Hände des'Präsidenten nieder, der sie sogleich den Akten beifügte. Nunmehr ging Dr. Falkson an eine Kritik der cingegangencn Gutachten. Das des Konsistoriums sei indifferent, da letzteres nicht kompetent sei über jüdische Religionssätze znurtheilen; dennoch wolle er es analysiren. Es bewege sich in dem Glauben, .daß ein untergegangenes jüdisches Prineip, das der Jsolirung, auch noch den heutigen Juden eigen sei, und von diesen! Jrrthume aus schließe es falsch. Wolle das Konsistorium etwa lutherischer sein als Luther, der doch solche Ehen gestattet wissen wollte? Es wies sich aus, daß beide Gutachten alle ihre Bedenken auf ein Hinderniß redueirten, daß nämlich Juden sich nicht der christlichen Trauung nnterwerfen könnten. Dr. Falkson fragte, wie denn, wenn eine solche Ehe in ihrem Wesen stattsmden könne, die Form allein ein unübersteigliches Hinderniß sein, solle? Ucbrigens ergebe 21