Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 20 (14.5.1847)
- Date
- 1847-05-14
- Page
- Spalte 317-318 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bit 318 Kritiken. Reggio's Einleitung in das Buch Ester. xes nieder^ llen, der sie dafür zu seinen Freunden --und so glücklich wie er selbst war", machen wollte; zeugt dies, wenn auch nicht von der Welt gebilligt, von einer hohen oder niedrigen Denkweise? 3) Endlich macht R. einen Schnitzer, den ihm sein bester Freund nicht verzeihen kann. Er fragt (S. IQ): „Als M. die Gefahr seines Volkes vernahm, was that er da zu deren Abwendung? Hat er da, wie alle unsere frommen Vater zur Zeit der Noth, die göttliche Hilfe angerufen? Hat er, wie Daniel, Nehemias und Esra u. a. m. seine und feines Volkes Sünden bekannt, und zur. Buße und Bekehrung ermahnt? Seine Kleider hat er zerrissen, in Sack und Asche hat er sich gehüllt, und — vielleicht aus Angst — mit Jammergeschrei die Stadt durchrannt, keine Anstalt zur Abweisung der Gefahr getroffen,, nicht einmal Ester dazu aufgefordert. Und als diese um die Ursache seiner Trauer anfragen ließ, was hat er ihr gerathen? Etwa den Blick zum Himmel zu wenden? Nein, nur auf.menschliche Hilfe sollte sie bedacht sein, sollte nur suchen den König umzustimmen. Thut sie es nicht, so wird schon Rettung von einer andern Seite kommen; sie aber und ihres Vaters Haus umkommen. Um das Schicksal seines Volkes war er gar nicht bekümmert, ihm war nur vor dem Sturtze Esters und ihrer Familie (wozu ja auch er gehörte) bange. Aber die edle fromme ihr Volk liebende Ester, handelte ganz anders; sie verordnte Fasttage worunter ja auch Gebete zu verstehen seien. Und als endlich die Gefahr vorüber war, ordnete M. Dank- und Lob-Gesänge zum höchsten Retter an? Ach nein, er befahl ein jährliches Fest-Effen!" Es wäre für den Leser und Referenten gleich ermüdend, all das Schiefe und Falsche dieser/ Behauptung aufzurechnen. Denn nicht dem Mardechai, sondern dem Verfasser des Buches Ester fallen seine Fragen zur Last; und wer sehen will der sieht, daß dieser geflissentlich und mir Bedacht den ganzen Faden der Geschichte, die ganze Entwickelung als vom Zufälle geleitet, dargestellt habe. Die Vorsehungdie allenthalben in der h> Schrift als die alleinige Lenkerin des Schicksals aufgestellt wird, sollte hier gänzlich aus dem Spiele bleiben. Auch Ester sagt nicht „betet zu Gott", sondern blos: „fastet für mich", will R. auch darunter Gebete verstanden haben, so ist dieses auch bei M.'s Jammergeschrei zu verstehen, wie auch in den Apokryphen — worauf R. so unverdienten Werth legt — die Gebete M.'s und Esters zu lesen sind. Auch von dem Volke sagt das Buch, daß es fröhlich und .guter Dinge war. Auch Ester in ihren Briefen an alle Juden des Reichs, „Worte des Friedens und der Wahrheit, zur Bestätigung des Fastens und Schreiens" sagt nicht zu wem geschrien werden sott. Es unterliegt keinem Zweifel,, das M. und E. und alle Juden Gott angerusen, und auch nach der Gefahr, dein himmlischen Retter gedankt und gepriesen haben; warum aber der Verfasser dies nicht sagen wollte, das bleibt ein Problem, welches auch Jbn-Esra nicht genügend gelöst hat. - Nunmehr wendet sich Ni zum Charakter Achaschwerosch's. „Die Sage schildert ihn' als einen thörichten und launenhaften Herrscher. Wir wollen alle niniND »TPEtt spätere Meinungen bei Seite setzen, und ihn nur nach dem einfachen Sinne der Schrift beurtheilen. Wir übergehen alle Beweise seiner Großherzigkeit und Liebe zu seinen Völkern, die er dadurch bekundete, daß er sie sämmtlich hundert nnd zwanzig Tage königlich bewirrhete, was kein Tyrann thut. Aber wie nur noch sein sanftes und mildes Betragen gegen die stolze unfolgsame Waschti. Sie wollte nicht von den Gästen erscheinen. Ein solches Verbrechen dürfte der persische Alleinherrscher sofort mit dem Tode bestrafen; der milde Regent aber begab sich seiner Macht, und überließ es dem Urtheit des Reichsgesetzes - die ihr Vergehen nicht mit dem Tode, sondern mit Verweisung vom Hof bestraften, handelt so ein närrischer König?" Schon im Talmud sind die Meinungen getheilt, ob seine Majestät ein Narr oder ein Weiser gewesen; aber über sein sanftes Herz kam N. doch in Verlegenheit, wie ein gegen eine einzelue Person so gnädiger König, so leichtsinnig und grausam zu der Vernichtung einer ganzen Nation seine Einwilligung geben konnte? Ader er weiß sich zu helfen. S. 21 sagt er: „Als der Bösewicht Haman eine ganze Nation seinem Hasse gegen Mardechai opfern wollte, da suchte er seine wahre Absicht vor dem Könige zu verheimlichen, und gab seiner Anklage gegen die Luden einen Anstrich von Vaterlandsliebe. Er nannte die Angeklagten nicht einmal Luden, er wußte es, er sagt: -;rjN Dy UECn, ein kleines Völkchen lebt zerstreut in deinem Reiche, welches die königl. Gesetze nicht achtet, d. h. sie zahlen die gesetzmäßigen Steuern nicht. (!) — Dadurch kann das ganze Reich zum Abfall verleitet werden, darum rathe er dem König sie aus dem Lande zu jagen. Denn das Wort q-on1? sagt keinesweges vernichten, sondern vertreiben. (!) Denn zur Vernichtung hätte der gute König nie seine Zustimmung gegeben. Haman, gelang diese List, da der König zu sehr in schwere Kriege verwickelt war, um in alle Einzelnheiten dieser Sache einzugehen, und gab dem Haman plein pouvoir. Als er daher^Hamans Bosheit erfuhr, erschrak er sehr, wie dieser ihn zu unerhörtem Unrecht gegen seine lieben Juden hätte verleiten wollen, und ließ ihn dafür hinrichten." Wir sehen aus dieser Erklärung daß Reggio gelernt hat wie der “idni JND im Talmud, daß Achaschwerosch mn npD; Haman aber hielt wie der sxv der da sagt: rpn darum hatte er ihm so allerhand vorgelogen. R. schreitet nun mächtig auf seiner selbstgeschaffenen Bahn fortwir wollen ihn keineswegs darauf begleiten, und nur noch Folgendes von ihm hören: 1) „Warum sind zu M's. Zeiten noch so viel Juden in Persien und Medien geblieben , und nicht nach ihrer Heimath zurückgekehrt? — " Aber warum läßt sich R. nicht vom Talmud belehren,