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Der Orient · 1847-05-14 · 20 (14.5.1847) · p. Spalte 315-316

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
20 (14.5.1847)
Date
1847-05-14
Page
Spalte 315-316 (sequence 6)
Language
German
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315 :' Kritiken. Reggio's Einleitung in das Buch Ester. 316 sehr geloLL wird, so geschieht dies nur, nachdem er zu einer so hohen Stufe gestiegenwar , welche plötzliche Hochstellung in Persien nichts Ungewöhnliches, war. Darum nennt ihn auch die Schrift v,^. ein Name, welcher in vor ganzen heil. Schrift, einen unbedeutenden Menschen von niedriger Herkunft bezeichnet. Zwar stände auch bei Hiob »THj das wäre aber ein Mann gewesen, dessen Schicksal weder sein Volk noch die Menschheit betroffen hätte. Aber ein so vornehmer Mann;wie M< durste yscht genannt werden/ hätte er einen hohe Ehre fordernden Charakter gehabt". Der gute R. hat vergessen, daß der größte Ehrentitel in der Schrift ist. ntfc'D uö* m. — „Auch rühmt ihn das Euch nicht als ausgezeichnet an Weisheit oder Lugend, es wird blos erzählt, rra bru. HW 'jyün, daß er groß am königl. Hof war (!), darum 1^2 >2: überfiel auch alle Völker eine Furcht vor ihm, weit er Ansehen und Einfluß am Hofe, hatte. Wie Leicht nennt ihn auch das Buch nur bnJ) groß bei den Juden, weil auch diese Angst und Furcht vor ihm gehabt haben." Abgesehen von allen Ungereimtheiten dieser Behauptungen, die keiner Widerlegung bedürfen, bemerken wir nur, daß die Schrift nicht nriD ^DJ, sondern DH PID Hatz die Völker überfiel eine Furcht vor ihnen, ’b. h. vor den Juden. Die Schrift giebt dem Mardechai die ihm gebührende Ehre mit deutlichen Worten. Halte sie «es auch nicht gethan, so geht ja aus seiner Handlung hervor, daß er, der Retter seines Stammes, ein weiser geistvoller Staatsmann war, dm Gott als Werkzeug zu seiner Rettung Israels geschaffen. Ern Held, der es verstand, die verschlmMnsten Windungen der Verhältnisse zu lösen, und die Ränke eines persischen Hofes mit leichter Hand zu vernichten. Wahrend nun R. auf solche widersinnige Auslegung verfällt, um nur etwas Neues zu sagen und den Talmud zudesavouiren, halt er sich wiederum fest an demselben, wenn er. in ihm eine Stütze sür seine Behauptung zu sehen glaubt. So will er (Seite 18) dem Talmud nicht glauben, -daß M. Mitglied des Synhedriums war, warum? „Weil in der Schrift gar keine Spur davon zu finden sei; ab.ec Seite 17 holt er sich aus dem Talmud einen Beweis, daß' M. ein ganz ordinärer Mensch gewesen sein muß, denn der Talmud sagt, daß nach M. Erhebung bei Hofe sich einige Mitglieder des Synhedrin von ihm getrennt haben, weil (wie Raschi bemerkt) er dadurch die Lehre vernachlässigt, und sich dem Staatsdienst gewidmet hatte. — Welche Logik! — Und diese Stelle im Talmud zeigt sogar, im Gegentheil, von M.'s Größe. Nur gesetz- und sprachkundige Männer durften Sitz in hohem - Rathe haben; M. war ein solcher; als er nun die Staatsgeschäfte annahm, da vernachlässigte er dos Gesetzstudium. Das nahmen ihm Einige seiner Kollegen übel; aber nur Einige. Nachdem R. nun erklärt,, daß M. gar nichts gewesen, und nur der Ester seine Größe zu verdanken gehabt, sagt er (S.-36) „wie wir sehen ist M. schon vor Hamans Erhebung *]h&n HMI am Thore des Königs gesessen, d. h. er hatte schon damals eine hohe Charge am Hofe bekleidet." , Was eigentlich Reggio bewog den armen M. so ganz und gar allen Werth abzusprrchen, dafür giebt er folgende Gründe an: - 1) „Die Schrift erwähnt gar nicht, baß M. sich die Trennung von seiner Ester, seines Oheims Tochter, so sehr zu Herzen genommen, oder ihr sittliche und religiöse Lehren mit auf den Weg gegeben habe; hauptsächlich wie sie sich rein vom Götzenthume und von verbotenen Speisen, wie Äaniel u. a. rein gtthalten habe. Letzteres wäre ihr ein Leichtes gewesen, da die Schrift sagt: Alles was Ester verlangte, wurde ihr gegeben". Also weil die Schrift das nicht erzählt, was sich bei dem gegenseitigen Betragen der beiden sich zärtlich liebenden Verwandten von selbst versteht, so sollte es nicht geschehen sein? Der fromme M.,, der di« Verwaiste zu sich genommen, und die „ihm eine Tochter wurde", sollte ihr keine guten Lehren mitgegeben haben, weil es die Schrift nicht erwähnt? Eben so konnte man schließen, M. hättekein Haus, kein Geld,. Leinen Kredit und Leinen Freund gehabt, weil-es die Schrift nicht bemerkt. Und sagt die SchrifL denn nicht: „Und Tag sür Tag wandelte M. vor dem Hofe des Serail's um Esters Wohlbefinden zu vernehmen, und was mit ihr geschehe"? — 2) „Warum hat M. der Ester so streng befohlen, ihr Volk und ihre Geburt zu verheimlichen, da doch, im Gegentheil, alle wahre Inden so gerne-ihre Abstammung eingestcrnden, so gerne Ich bin ein I ub e, gesagt haben 4 M. that noch mehr wie alle früheren, „er sagte ihnen, daß er Jude sei" wenn er auch wohl wußte, dadurch in Lebensgefahr zu kommen; daß «r's aber der Ester verboten, das lag in seinem wohlberechenden Plan. 3) „Warum sich M. nicht vor Haman Lücken, eine Höflichkeitsbezeigung, der sich Abraham, Jakob, David u. A. unterworfen hatten?" Auch der Talmud sucht ihn damit zu entschuldigen, baß Haman ein Götzenbild an seinen Kleidern hatte, dennoch machte er es ihm zum Vorwurf,. daß er noch bei seinem Trotze blieb, als dadurch schon das Leben feines ganzen Volkes in die höchste Gefahr gerketh; aber statt daß dadurch aus M.'s niedrige Seele sich schließen lasse, leuchtet daraus vielmehr das Bild seines erhabenen Charakters hervor. M. war ein hoher Mensch, dessen Geist hoch über dem täglichen Leben stand. Mit geschäftigem Kopfe, glühendem Herzen voll strebender Kraft, vom Väterglauben und Liebe zu seinem unterdrückten Volke beseelt, sah er den letzten Funken des Glaubens, der das Volk belebte gefährdet, als sich alles vor dem Amalekiter Haman, dem neuen Günstling abgöttisch bückte. Da drängte sich an sein Herz das Verlangen diesen Götzendienst zurückzuweisen. Und was that er. denn mehr als andere Helden der Geschichte? Syntias und Bulis aus Sparta wollten nicht vor Xer-

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