Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 20 (14.5.1847)
- Date
- 1847-05-14
- Page
- Spalte 309-310 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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309 Studien. Der Zlbend nach nen und zu enden, gründet das rabbinische 'Judenthum bte Annahme, den bürgerlichen Lag vom Abende an zu rechnen, welches indessen auch bei den At he nie n fern, Galliern, Germanen und mehreren anderen Völkern der Fall war, bei den Arabern noch heut zutage ist und seinen natürlichen Grund auch wohl darin haben kann, daß diese Völker die Zeit nach dem Monde eintheilen, dessen Sichel zuerst ii: der Abenddämmerung wahrgenommen wrrd^. — Blos in Bezug auf den Genuß der Opferheiligthümer rechnet das Iudenthum die Nacht mit zum vorhergehenden Lage-'). — Die Zeit, wo die Sonne sinkt und der Mensch nach vollendeter Tagesarbeit Muse zur Selbstbetrachtung gewinnt, ruft gleichsam von selbst andächtige Stimmung hervor. Das religiöse Gemiith ist um diese Stunde gern geneigt, sich im Gebete zum Schöpfer zu erheben. Die Abendzeit ward daher auch stets zu gottesdienstlicher Verrichtung bestimmt. Schon vom Erzvater Isaak wird erzähl: (1 Mos. 24, 63), daß er „gegen Abend" DlüD1?) aufs Feld ging, um, wie die älteren Paraphrasten4 5 6 7 8 9 * * * und der Talmud, behaupten, seine Abendandacht in freier Natur zu verrichten. Vorn Talmud wird darum auch Isaak als Begründer des Abendloder späteren Vesper-) Gebets (s. weiter) ausgestellt. — In den mosaischen Kultusvorschristen ward als täglicher Abendgottesdienst im Stiftszelte Darbringung eines Lammes sammt Mehl- und Trankopfer (2 Mos. 29, 28—4.1 und 4 Mos. 28, 1—8), Anzündung der Lichter am goldnen Leuchter im Heiligthume und Räucherung von Rauchwerk aus dem Räacheraltar (2 Most 30,. 8) angeordnet. War nun zwar damals dem Gebete,, wenige Ausnahmen abgerechnet (z. B. 5 Mof. 2.6), als Theil des öffentlichen Gottesdienstes, eine besondere Stellung nicht angewiesen^, so bildete sich doch nach und nach im israelitischen Volke der Brauch, neben den Gesängen, womit die Leviten die Morgen- und Abendopfer begleiteten (1 Chr. 23, 30), zu gewissen Tageszeiten, sich im Gebete vor Gott niederzuwerfen. Namentlich geschah dies Morgens, Mittags und Abends, wie in den Psalmen (55, 18) er- 4) Jdeler, Handbuch der math. und techn. Chronologie. Berlin, 1825. 1. Bd. S. 80 und 482. Joch. Meier de temp. sacr. etc. a. arO. Niebuhr, Beschreibung von Arabien S. 108. Vergl. damit die zuletzt angeführte Stelle in Nosch Ha-Schana. — 5) 3 Mos. 7, 15. — 17. 19, 6. 7. und Raschi zu Chulin a. a. O. - 6) Onkelos und Pseudojonathan. Auch die LXX übersetzen ziemlich diesem Sinne gemäß aHolE€xvGcir> s. auch Arnheim's Uebersetz. d. Pentateuchs. 7) Berachot 26, 6. — 8) a. a. O. 9) Selbst Maimunr , der (Hilchot Tefilla Kap. 1. §. 5) die Verrichtung eines täglichen Gebets als biblisches Gebot betrachtet, giebt zu, daß weder Formel noch Tageszeit hierzu bestimmt gewesen sei. — Ob das Opfern stets' mit Gebet verbunden war, erörtert Spencer, de leg. hebr. rit. t. 11. p. 764. — dem rabbinischen Iudenthum. 310 wähnt und von Daniel (Dan- 6, 11) mitgetheilt wird. — Dieses Abendgebet ward ursprünglich vor Sonnenuntergangs errichtet, während das Mittaggebe t um die eigentliche Mittagszeit oder wohl gar schon in den beiden letzten Vormittagsstunden'^ abgehalten wurde. Als man. aber nach Rückkehr aus dem babylonischen Exil die gottesdienstlichen Privatübungen immer mehr mit dem Tempeldienste in Übereinstimmung zu bringen suchte und als davon abgeleitet betrachtet wissen wellte'", ward das Mirtaggebet, dem kein Opfer entsprach, allmälig irr ein Nachnmtaggebct verwandelt, so daß cs nunmehr das Abendopfer darstellen sollte. Das tägliche Abendopfer ward nämlich, nach der von den Anhängern der Tradition, im Gegensatz zu den Sadducäern angenommenen Erklärung der betreffenden SBtbeCffccICc13 schon um halb 4Uhr Nachmiltags dargebracht, und in dringenden Fallen (z. B. wenn der Vorabend des Pesachsestes am Freitag siel, wo noch das Ueberschreitungslamm vor Eintritt des Sabbats zu schlachten war) sogar schon um halb 1 Uhr geschlachtet und halb 2 Uhr dargebracht. Das ursprüngliche Abendgebet, welches jetzt an die Stelle des Mittaggebets getreten war, <ward darum Mincha-Gebet, von „Geschenk (Mehlopfer)", m Bezug auf das Abendopfer benannt". Durch diese Ausrückung 10) nOSD^ ist vo r Soirnenuntergang, wie auch noch u. Al'aus 5Äos. 23, 12 erhellt. 11) Vergl. Nachmani Kom. zu 2 Mos. 12, 6. — Das Mittagsgcbet ward wahrscheinlich v or der Hauptmahlzeit verrichtet, die bei den alten Hebräern in die Mittagszeit siel. (1 Mos. 43, 16. 25 und wohl auch 1 Sam. 20, 24. Vergl. 1 Sam. 9, 13.) ■12) Vergl. Berachot a. a. O. DUpn nm. nfen. niinipis' fJDT inJODDNl. «Die ^täglichen) Gebete wurden von den Erzvätern eingerichtet, die Rabbinen aber lehnten sie an die Opfer an". 13) C^yTi zwischen den Abenden. S. Mechilta zu 2 Mos. D'3iyn : l'JD "IDiN stll /_l "i33b -or “mb 'wn fNK/ ,s 'v 'h? nbyobi niytiMVtws nnriüp nbjnv vo-p nürba '’by imp ('i 'i ''diO 'mw 3->y 10J’ '3 □)' HJ3 '3 Ub „R. Nathan sagt: Woher ist der Beweis, daß- C’Sfyri schon nach der sechsten Stunde sdes' Tages) (d. i. Mittags nach 12) beginnt? Finde ich zwar keinen Beweis, so 1)abe ich doch eine Andeutung in dem Verse, Jerem. 6, 4. „Rüstet wider sie Krieg; auf, lasset uns hinanziehen am Mittage; wehetmchdaß d er T a g si ch n e i g t, daß sich strecken die Abendschatten." — Vergl. Raschi und Ibn Esra zur 2 Mos. 12, 6. — 14) S. Kimchi zu 1 Kön. 18, 29. — Andre (Nachmani, vergl. auch Elia rabba Kap. 232) wollen dagegen Mincha von dem chaldäischen nJEÖ sOnkelos zu 1 Mos. 3, S] „da der Tag zu ruhen naht" wodurch die dtähe des Sonnenuntergangs swo die Sonne scheinbar zw ihrer Nähe sich 1)1 Ein ctg t] bezeichnet werden soll, und in diesem Sinne hat man in neuerer Zeit Minchagebet durch „Vespcrgebet" übertragen. — R. David Abudirahim sagt, daß, weil nach der Tradition. Adam um die zehnte Tagesstunde (Nachmittag 4 Uhr) die erste Sünde im- Paradiese begangen habe, das- Minchagebet für diese Tagesstunde bestimmt worden sei. — Siehe übrigens' noch '3 p’D twOT rWN DW, wo die ziemlich tmgenü- 20"