Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1847)
- Date
- 1847-05-14
- Page
- Seite 158 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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158 S. a. Üjhelv. . Hauptort des KomL.ta.tes, .hat eine große Judengemeinde.. Hier war einst der Ort, wo der große Amuletensabrikant lebte und den Fluch des Chasidäismus weit umher verbreitete. Es ist, merkwürdig, daß hier, gerade hier, gegenüber dem unbeugsamen Chasidäismus, das Licht der Aufklärung einige Punkte getroffen und sie so.-, erhellt,, daß sie zu einem Fokus sich vereinigt, der Strahlen cmssandte und einen ziemlich erhellten Kreis um sich bildete, dem es zu verdanken, daß heute nicht todte Nacht über die Gemeinde gezogen.— ©in reicher Mann starb und hinterließ 10,000 fl. ans eine Anstalt, worin sechs seiner Anverwandten 51t gebildeten Handwerkern erzogen werden sollen. Der Mann, Rafael. Kästenbaum., ein Pole , unwissend wie er war, meinte wahrscheinlich keine „Najerschule" (Normalschute), sondern war sicherlich seiner Idee nach ein Melanuned, der auch „schrabeu, lesen und rachenen" konnte vorgc schwebt. Aber da er dm Fond und die Schute unter komitatlicher Verwaltung stellte, so ward — wobei allerdings Herr Reiner vieles wirkte — eine förmliche Normatschule gegründet. Sie führt den Namen die „Kästenbaumische". Sie besteht zwar, und wird und muß bestehen, aber wie? Kaum weiß man in Ujhely selbst von ihrer lautlosen Existenz! Ihre Lebenszeichen, die sie von sich giebt bestehen in jenen zwei Prüfungen, die um die Aquinoktial-Zeit, das heißt, da die Nacht dem Tage gleichkommt, satten. Die vierzig Knaben zerstreuen sich und so hat die Schule ihr Lebenszeichen von sich gegeben —- auf ein oder zwei Monate. — @<it mehren Jahren heißt cs, daß eine Gemeinde-Elementarschule, als Vorbereitung zu der Kastenbaumischeu errichtet werden sott, was höchstens dem Herrn Lehrer den Vortheil brächte, seinen Weingarten durch die größere Menge der Kinder, in kürzerer Zeit als ehemals, ablescn zu können — und daß 1wUcidjt noch ein Auslärr der Brod fände. ... Homonau. Eine reiche Gemeinde mit zwei Rabbin.cn an der Spitze. Kurios. Kaschauer Gemeinde hatte noch gar keinen Rabbinen, Ujhely schubbrrte seinen Rabbinen, Szänto besitzt einen Halbrabb inen — und Homonau hat deren zwei! Hier mnß sich jedem die Frage aufdringen: da ein jeder Rabbiner gewöhnlich "ilNon genannt wird, welcher ist demnach dvo und welcher nW>n? Diese immerwährend obschwcbcnde Frage, deren Lösung auf dem Gebiete dos Ernstes, bei der nur in - dem Wüste des Schachers lebende Gemeinde, nie versucht ward , mag auch die Ursache sein, daß unter der Herrschaft dieses zwittcrartigen bonnn* Rabbinats fli r.die Bildung so gar Nichts geschieht; denn Ntt'Dn xh 'DniBH NTHp. Uu5üar, der Hauptort des ungvürer Komitats. Hier besteht cme starke Gemeinde und treffen wir einige wahrhaft gebildete Häuser. Vorzüglich herrscht da viel Sinn'für Musik und finden wir sogar einige Virtuosen — und doch muß die Gemeinde nach der alten mißtönigcn verklungener Leier ihres nur Töne aus dem mittelalterlichen Gekrächze hervorlockenden hyperorthodoxen Rabbinen tanzen! Dieser „Zaddik" ist der bekannte ts/Vt, der trotz seines unbändigen, nie zu verlöschenden Haffes gegen alles' Deutsche, sich doch den Nus eines „Geschickten" bis ins graue Alter bewahrt. Seine Jugend fallt etwa um den Allfang dieses Jahrhunderts, wo Langbein, Lasontain, Fonguv re. die Welt romani- 1 sirten. Er las, wic man erzählt, sehr fleißig „deutsche | Bücher". Zum ltnglücke Vieler, später ihm Untergeber 8 ner, stieß er zufällig auf den Trenk. Jene Stelle, wo dieser mit seiner dnben Sprache unserm David etwas | kräftig zu setzt ist es, die so viel Einfluß auf sein ferneres f Leben hatte. Vom Sessel aufspriugen, das Buch unter f den Tisch werfen , aller dentschell Literatur ewigen Haß )> und Verfolgung schwören, war das Werk eines Augen- £ blick'es. Cr hielt aber auch Wort. Aber die Art und J- Weise, wie dieser Maurr es versteht, seine Lehren ein- I dringlich zu machen, ist eine eigene. Kann man von 's allen orthodoxen Rabbinen, wie von Moses und Bileam § sagen. ON2 ]\v, so hat dieser Mann eine eigene [: Kraft in der Hand. Diese ist aber mittelbar und unmittelbar. Unmittclbar ist sie, wenn seine Lehre aus | den fünf Fingern seiner Hand ohne alle Zwischenmittel -ß ans die Waage des Meralempfangendcu geradezu U übergeht. So sah ihn Schreiber dieses einem Schneif derjnngen diese Lehre ertheilcn, weil derselbe — es war anr Versöhnnngstag — wahrscheinlich aus Mangel au i, Strümpfen — Stiefel anhatte. Mittelbar ist seine Lehrertheilnng, wenn der große Talmudfoliaut die Brücke ist, worüber die Lcchre aus seiner Hand in den Kopf des Jüngers übergefuhrt wird. So prügelte er einst :■ den Vorsteher in B. Gyärmäth ans der Synagoge. In Ungvär thut er es wohl nicht, weil diese etwas spröder Natur und nicht so elastisch oder federkcäftig, wie die;• Gyärmäter Federhcindler sind. Es könnte in einem sol- ) chen Falle ein Splitter des Geprügelten an den Kopf g des Schlägers fahren und da — stecken bleiben. — Ist die Unsterblichkeit dieses Mannes im Himmel nicht sakp tisch beschlossen, so ist es gewiß, daß mit der Endigung | seiner irdischen Laufbahn eine geistige Bildungs-Periode jfj in Ungvär beginnen wird. Wir hoffen von Ungvsr | Vieles, und das um so mehr, da die dortige Behörde K wahrhaft edel und liberal, die Inden, wenn es | heißen wird, ihre Bildung befördern, gewiß ans allen | Kräften unterstützen wird. g M u n k ä c s. Im Bereger Komitat, eine große g Gemeinde. Unweit des Orts ist das berühmte Staats- § gesängniß. Dort macht der Staat gefangene Menschen unschädlich. Welcher Jude seinen Geist in die Wer-' | banuung schicken will, der gehe nach Mnnkäcs und « | sei versichert, daß jede geistig freie Bewegung ihm eben j| so gut, wie jenen das Spazierengehen, mit tausend £