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Der Orient · 1847-05-14 · Heft 20 (14.5.1847) · p. Seite 157

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 20 (14.5.1847)
Date
1847-05-14
Page
Seite 157 (sequence 9)
Language
German
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157 1 kann ihnen nicht bange sein, weil inan nicht verlieren kann, was man nicht besitzt und das nicht wünscht, was man. nicht gebrauchen kann. Diese bedürfen also weder des Kehrers noch des Rabbinen. Den Armen fehlen | die Mittel zur Erhaltung derselben. — Vor einiger Zeit I erlitt die Gemeinde einen Verlust in dem braven Blum- I berg e r, der, nach einem .kurzen Schmerzenslager in eine f bessere Heimath überging und eine trauernde, unversorgte | Familie hinterließ.. Hr. Dr. Schiller aus Eperies hielt ihm, da im Hanse kein Raum war und der Friedhof zu entfernt, vor dem Hauses in Gegenwart einer imübnsehbaren Menschenmasse aller Konfessionen, die da § vorhanden , eine Leichenrede, was um so merkwürdiger ist, als vor zehn Jahren im Jnnerll der Stadt kein Jude wohnen durste außer dem Verblichenen, der, ein - hochgebildeter Mann, als französischer und englischer Sprachmeister bei der Bürgerschaft und dem Adel sehr beliebt war , und einiger wenigem Tags darauf hatte / Dr. S. in der Synagoge eine Kopulation , ebenfalls die erste ihrer Art. Samstag predigte er daselbst und Sonntag darauf hielt er seiner kaiserlichen Hoheit dem r weiland. Erzherzog - Reichspalatin ein Requiem. . In sechs Tagen vier Erbauungsreden hören, ist für die Kaschcruer Judengemeinde mehr als genug. Sie wird für lauge Zeit erbaut genug sein! — ' . Mehre Meilen südlich liegt Szänto, die alt berühmte Kehilla. Hier prägt noch Unwissenheit und Unsbilduirg der Masse im Allgemeinen den starren orthodoxen Typus auf. Es ist aber doch ein recht gutmüthi- Z thiges, biederes und strenggesittetes Völkchen. Wenig . Ausnahmen finden wir freilich sowohl im ersten, als im , - zweiten Falle; nur möchten wir behaupten, daß die Ausnahmen der Erstem zugleich auch Ausnahmen der zweiten sind, was leider in Ungarn überhaupt als Norm anzunehmen sein dürfte. Trotz dem orthodoxen Leben , herrscht aber auch viel Kapaeität für Bildung und Auf- . kläruug, und wurden schon .vor Jahren Versuche gemacht, . Normalschulen zu bilden, wenn sie°nicht, wie leider fast . überall, in dem Rabbinen den Hemmschuh gefunden. Dieser Rabbiner, ein germanifirter Pole, ist eine Art von Triton, halb Mensch, halb Thier, oder deutlicher, t. halb Rabbiner und halb Kaufmann. Welcher Theil c-, Nlensch, welcher Thier überlassen wir den verschiedenen r Ansichten der Leser, da unser individuelles Dafürhalten ^uc allgemeine Geltung zu beanspruchen wagt. Nur ftine edle Thierheit nicht im Wasser, seine gelucinc Menschheit nicht in dem freien Raume und seine ^gefleischte Rabbinen heit nicht in einer glänzenden Jep schwer, sondern in den Wasser, Luft und Geist ent- ^hwrden, beschränkten Räumen der Weinkeller. .Man | ichätzt seinen Handel auf 20,000 fl. .Dieses mag ihn. D auch bewogelt haben, als vor drei Jahren der Edelwein- |j Handel den Juden verboten ward, sich überreden zu las- |t l«>— oder sich selbst vorzuschlagm — auf Kosten der I . ' fl Gemeinde nach Wien zu gehen und dort während der heiligen Zeit der Neujahrsftiertage zu beten. Denn bei der höchsten Stelle hat er so viel als Nichts, ansgewirkt, da es uns aus sicherer Quelle bekannt, daß Dr. Schiller ihn brieflich anging, die Akten, als historisches! Faktum zu veröffentlichen, was aber der Nabbiner-Socher-Ambassadenr unbeachtet ließ. Daß er aber die Bildung bei seiner Gemeinde nicht befördert oder gar die Versuche Schulen zu bilden Hiniertreibt, mag wohl seinen eigenen Grund haben. Er ist dem Deutschthmn durchaus nicht abhold; denn er selbst brüstet sich ja nicht wenig auf seine Geschicklichkeit, wie er auch in seine Dcraschot gar viele deutsche Brocken einfließen läßt und auch feine Kinder bei einem polnischen Lehrer (nichtMelamin ed) Unterricht in allem (7) Neuzeitlichen sogar im Französischen genießen; aber es scheint die Furcht vor. Verdunkelung, gegenüber'einem tüchtigen Lehrer ihn zu bestimmen keinen fähigen Menschen in seiner Nähe dulden zu wetten. Nun, so mag er denn die Verwilderrurig, Ausartung und Vcrthierung so vieler Kinder, das Zngrundegchen so manchen Gmics, die da theils gar keinen, theils einen spärlichen, thoils einen schlechten verderbenden Unterricht genießen auf sein Rabbiner-Gewissen laden und es auf ein Weinfaß Jenseits mit hin-, über tragen, wo ihn der Donnerruf des Gewissensrichters empfangen wird mit den Worte,: CTOND D'j/W'in yDl; UNS! , Eitle Stunde weiter liegt Thäljü, schon im szempliner Komitat. Da sieht man Inden mit Bärten und Schnurbärterl, Juden mit Schnnrbärten ohrle Bärte und Bärte und Schnurbärte ohne Inden. Was wollen Sie mehr? Zwei.. Stnnderl weiter liegt Wüdn. Eine bedeutende Kehilla. Den Charakter dieser Gemeinde können wir füglich mit dem einzigen Worte ,,chassidäisch" geben. Daran haben Sie wohl auch genug. — Etwas seitwärts liegt' Taltsvin Hier will ein Dr. eine Schule ins Leben rufen. .Gott segne sein Beginnen. Aber wir sind zu aufgeklärt, um an Wunder zu glaubell. Snros-Patak. Hier besteht das selbst im Auslände berühmte reformirte Kollegium mit vielen Studenten, nlld die zahlreichen Juden daselbst sind Orthodoxen, Chasfidim, im höchsten Grade unwissend. Hier liegt immerwährend Militär, und die Juden haben Wirths- Häuser. . . Umstände, die dem ‘wphT, besser als uns vielen Stoff zum Referiren. gegeben hätte. . . Liszka. Eine Kehilla. Vor einigen Jahren kam. hierher ein )Krn hyj. ■ Er quartirte sich zum Vorsteher, ein. Nachts lies sich der gute Mann einfallen, den Herrn. Ehegemahl zu snpplirm. > Thats und des Morgens kam die Frau zum Rabbiner unb bat um „nwn"!.

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