Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1847-05-07 · Heft 19 (7.5.1847) · p. Seite 151

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 19 (7.5.1847)
Date
1847-05-07
Page
Seite 151 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360472-2360492--5908-3533159
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

151 versicherte, auf wenigstens fünfzig jährlich. beanfchlagen — für den Heimischen, wirklich braven in der Fremde mit einem echten Passe Reisenden, haben kann! M'öchten sie die Gemeinde-Jnkorporativns-Statuten besser regeln und endlich dem unaufhaltsamen Zuflüsse von Ausländern Dämme setzen! Hoffen wir von dem neuen Vorsteher alles Gute. Wenn jede Handlung, so unwesentlich und unbedeutend sie auch sein mag, von irgend einem Goldherrn ausgeübt, von eiferigen ZeLtungsskriblen mit vollen Backen sogleich in die Welt hinein posaunt wird, wie wir leider in der nenern Zeit manche Persönlichkeit in dm Zeitungen so herausstafsirt finden, daß sie dem Nahestehenden dadurch nur noch verächtlicher erscheinen müssen; so verdienen die Brüder Schwarz in S amas, aus einem in ihrem Pachte stehendem Dorfe, den, wärmsten Dank von der Menschheit rücksichtlich der Erfüllung der Menschenpflicht tutb Bruderliebe und die lobenswertheste Anerkennung von der Oeffmtlichkeit bezüglich der Erziehung ihrer Kinder. Während bei weitem reichere Mammonisten, in der wahren Wortbedeutung, den Armen, an ihre Thüre sich kaum hiimufschteichenden, hartherzig davon stoßen, ist in ihrem Hanse Speise, Trank und Geld für Alle, die da nehmen wollen, ohne Unterschied des Glaubens, vom frühen Morgen bis am späten Abend, bereitet! — Seit drei Jahren besteht daselbst eine Schule. Sie ist zwar nicht zahlreich besucht, was theils dem blosenDorfe, theils dem schädlichen Lehrerwechsel, dem der Jude sich so schwer entschlägt, zuzuschreiben sein mag; doch besteht sie und wird wahrscheinlich, wie die erste-im Süroser Komitate, auch die letzte sein. Auch unterhält diese Familie gleich der Kaschauer Gemeinde einen p'lX rrm , Weniger glücklich, als in seiner Familie, ist Herr D. Schwarz, trotz seines besten Willens nach Außen. Es ist allerdings wahr, jede neuzeitliche Einrichtung, insonders wenn sie von einem Nenern konnnt, stößt hier auf himmelhohe Hemmnisse; doch wagen wir cs zu behaupten, daß, wenn Hc. S. seinen Aufruf, den er' vor einiger Zeit zu Gründung von Schulen hat ergehen lassen, nicht so unpraktisch hätte abgefaßt, derselbe nicht w ganz und gar spurlos vorüber gegangen wäre. Wenn man das Volk anspricht, um es zu überzeugen und zum Bepern zu bewegen, muß man nicht in einer Sprache sprechen, die cs nur noch mehr erbittert und zurückstößt; auch muß man Orthodoxen gegenüber keine lateinische Avantgarde vorrücken und keine lateinische Aniergarde folgen lassen. Weit besser und angemessener wären gewesen Stellen aus der heit. Schr., dem Talmud und Midraschim. Wir haben ja in dieser Beziehung und zu diesem ZweckeFonds genug, warum den rmDj p-n psnib ^ctn? Ferner hätte der Sprache mehr Sorgfalt zugewendet werden sotten. — (Fortsetzung folgt.) " Der Judeneiim Königreich Hannover sonst und jetzt. Von S. Maurer, Lehrer und Prediger der isr. Gemeinde in Münden. (Schluß. .) Hätte nicht diese Frage, wenn sie gleichwohl als erheblich betrachtet werden sollte, für die Religionsdiener wenigstens, durch leichte, nahe liegende Mittel, umgangen werden können? Konnte nicht von einer, von dem Landrabbiner vorzuschlagenden Ausgabe ein Exemplar beschafft und dem Religionsdiener ein für allemal die Erklärung abgenommen werden, daß es ein rechtes und giltiges sei? Oder hätte, der Religionsdiener nicht gern es durch ein amtliches Siegel, als eigens dazu bestimmt, kenntlich machen lassen? Rach §♦ 4 des alten Ges. soll der Israelite, wenn er mit I a auf jene Fragen antwortet, erst weiter befragt werden; nach §. 8. des neuen Ges. hingegen soll diese und jede der übrigen .Fragen mit I a beantwortet werden: erscheint dies nicht als' eine sich selbst widersprechende Bestimmung? Setzt man als unbezweifelt voraus, daß der Schwörende sie besahen könne, wozu dann die Fra gen? im entgegengesetzten Falle aber, warum hat man die Fassung des alten Ges. kn dieser Beziehung nicht beibehalten? . Es sollen sogar nach §. 8 des neuen Ges. alle Fragen mit Ja und „Amen" beantwortet werden, während nach dem alten Ges. eins von Beiden genügend war. Worin könnte aber diese identisch doppelte Beantwortung begründet sein, da bei den auf dem Berge Ebal über alle groben Vergehungen ausgesprochen Flüchen? das Amen allein ausreichend war? Ergiebt sich nun aus dieser Parallele, das die wenigen Verbesserungen, die das neue Eidesgesctz erhalten hat, durch anderweitige Schärfungen gleichsam wieder aufgehoben werden, und daß übrigens Gesetz und Form im Wesentlichen unverändert verblieben sind, so muß es auch natürlich erscheinen, daß die Israeliten, statt es freudig begrüßen zu können, sich nur noch schmerzlicher, als in dem frühern, darin verletztfühlen müssen. Es wurde nämlich nicht außer Acht gelassen, daß die frühern Gesetze und Formen aus einer vorurtheilsvollen, unduldsamen und leichtgläubigen Zeit stammten und es that dem Israeliten wohl, daß sie seine humane Obrigkeit nur mit -Bedauern und Mitleid in Vollzug brachte. Nun sind aber dieselben in ein neues Ges. von 1845 übergegangen, ja einige sogar noch erweitert und geschärft worden; wie viel bedauerlicher muß daß dem Israeliten erscheinen, als wenn das frühere Gesetz in seiner Kraft, aber auch in seinem Alter verblieben wäre.' Wird die Nachwelt dieses neue Gesetz als ein erneuertes altes beurtheilen und richten?^ rWird sie nicht vielmehr den Sittlichkeitszustand der jetzigen Israeliten danach zu ermessen sich berechtigt glauben?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.