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Der Orient · 1847-05-07 · Heft 19 (7.5.1847) · p. Seite 152

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 19 (7.5.1847)
Date
1847-05-07
Page
Seite 152 (sequence 15)
Language
German
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— 152 — Daher erfüllt das neue Eidesges. die Israeliten des KL- ' mgreichs mit Wehmuth und Besorgniß! Mit schmerzlicher Betrachtung blicken sie auf ihre Glaubensgenossen in den Nachbarländern Kurhessen und Draunschweig hin. Sie dürfen sich mit erhebendem Bewußtsein in Sittlichkeit und zeitgemäßer Bildung denselben an die Seite stellen und doch beneiden sie dieselben weniger um erweiterte materiell vortheilhafte Rechte, als um die Wahrung und Sicherstellung ihres Rufes für Mir- und Nachwelt. Sie erheben ihre Hände zum Allwissenden, zum liebevollen Vater aller Menschen, daß der Redlichste und Gottcsfürchtigste ihrer christt. Brüder mit nicht großenu Ernst, mit nicht redlicherer Selbstprüfüng, mit nicht ängstlicherer Sündenschau zu dem heiligen Akt des Eides schreiten und mit nicht großem Opfern meiden 'könne! Sie rufen diesen Herzenskundigeu feierlich zum Zeugen än , wie sie vor Jrrthümern gewarnt werden, die sie nicht kennen, wovon ihr Herz Nichts weiß und wovon ihnen nimmer Etwas gelehrt worden ist, und geben daher mit Zuversicht der Hoffnung | Raum, daß das neue Eidesges. einer nochmaligen Prüfung werde'unterzogen werden, bainxt der isr. Eid eine Form erhalte, die ihren heiligen Vorschriften, ihrer religiösen Ueberzengung und -dadurch zugleich, ihrem jetzigen Bildungsstande entspricht und so für alle Zeiten zu verbleiben geeignet ist, bis, die Erde der reinsten Erkenntniß voll, alles 'Mißtrauen zwischen Brüdern geschwunden und so der Eid, dieses letzte aller Beweismittel nicht mehr Bedürfniß sein wird l S. Maurer. Juden in Konstanz. Erster Artikel. Sie haben mich g. H. Redakteur! durch meinen Vetter, H. König s w e r t h e r in Franks, erinnern lassen. Ihnen wieder einmal zu schreiben, und ich entspreche diesem Wunsche um so lieber, da Sie angekündigt haben, noch mehr als bisher, zur Erforschung der jüdischen Geschichte beitragen zu wollen, und ich Ihnen einige interessante Notizen mittheiten kann. /Bei meiner letzrhinigen Anwesenheit in Konstanz wurden mir von dem dortigen sehr gelehrten und eben so huinainen Bürgermeister, H. Dr. Hü t li n, unter andern Merkwürdigkeiten, auch das äußerst schöne Manuskript des folgenden Werkes gezeigt: Uolrichs von RichenthaL ains bargers ze Kostenz ehronik des allgernainen Lonciliurns in disci* «tat. Hr. 5^ ütli n machte mich insbesondere auf folgende Stelle aufmerksam, Blatt 109 b 110 a’) Von sämmtlichen in diesen und den folgendenArtikeln ssnirgetheilten alten Kronik-:Auszügen, wurden mir nur unter Die Juden vor Labst und Kaiser in Co stanz. Do er (babst M a r t i n der V) kam für das hus zuodem 8 c h 1 eg e 1 bi sant Lau re n z e n und gi engen im die Juden engegen mit vil grossen brinnenden Kerzen und hetten all iren liabit an, als si an irem langen tag stand 5 und truogen ire zehen gebot under ainem guldin tuoch mit vier Stangen an ainem steken in aineni kussin das was rot samati und hett vier zipfei und an jeglichem zipfel zwö schellen 5 und wenn si den steken in ainem Kussi ruorten so luten die schellen, und sungen vax Hebräisch. Und dö si zuo dem babst kamen , da kniuwten si all nid er und baten im die zehen gebot$ und baten in, das er inen ir Fn'hait bestaete, als si denn .von andern bäpsten biss her gehept hetten. Do wol.t der bäpst der gebot nit; aber unser herr der Kinag enpfing si und sprach: Moyses g e h 0 t s i n d g 11 0 t und re c h t; aber s i w Ölten si nit verstun., noch recht halten. Do redt der bapst etwas haimlichs, das nit .fedir .man verstön kond, und kart sich herumb zuo den Juden und sprach lüt. das es miinklich hört: Omnipotens d e u s a v er tat vclamen ab o c u 1 i s v e s t r i s u t p o s s i t i s v i d e r e 1 u nve n ae t e r 11 ae v i t a e, und segnet si und sprach: I n nomi ne patris, et filii et s p i r i t u s s a n c ti, und -rait da dannen die siul abhin. Diese Ehronik wird nun durch den im Gebiete altdeutscher Sprachforschung rühmlich bekannten gelehrten Professor Josua Eiselein (Herausgeber der altdeutschen Sprichwörter) zum Druck vorbereitet, und damit auch ein Abriß aller auf das Conzilium bezüglichen Handlungen und Vorfälle erscheinen, worunter auch der hier geschilderte-Aufzug der Juden, getreu den damaligen Trachten und Originalfarben, eine Stelle einnehmen wird. Nicht zweifelnd, daß auch Sie,-g. Hr. Redakteur und manche Ihre -gelehrten Sefer, die Erscheinung |- dieses Werkes willkommen heißen, theile ich nun noch folgendes aus-dem Prospektus mit. Der Text wird aus zwei verschiedenen Handschriften treu und -vollständig gegeben. Veraltete Ausdrücke und dunkle Stellen werden jederzeit erläutert und etwaige Versehen des Autors berichtiget. Der Preis wird billigst berechnet werden und bei dem großen Umfang des Werkes und den mehr als 140 Blättern Abbildungen die Höhe von drei Karolin nicht übersteigen. Fein ausgemalte Exemplare werden nur auf Bestellung ausgefertigt. Die Auflage wird sich genau nach der Anzahl der Subskriptionen richten. ' L eopold Schott, Rabbiner. der Bedingung eine Abschrift gestattet, daß sieunverändert in dem kraftvollen altdeutschen -Dialekte abgedruckt werden. D. E. Verlag von C. L. Fri tz sche Druck von I. H. Nag et.

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