Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1847)
- Date
- 1847-05-07
- Page
- Seite 150 (sequence 11)
- Language
- German
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150 — troffen en Gelegenheiten, wachte daher, wie der Ortskunl dige Leser sehen wird, mitunter „Bocksprünge" Wie die Geschichw im Großen der Welt von dem Mittelpunkte des staatlichen Lebens, den Regierungen und Monarchen ausgehet und dahin wieder, gleich einer Kreislinie, ^zurückkehrt, mit ihren Steigen fällt, mit ihnen glänzt und verdunkelt wird: so ist es mit der Geschichte im Kleinen der einzelnen Gemeinden, weß Konfession ■— oder, wenn man will: Konfusion. sie auch sein mögen. Sie beginnt und endiget mit dem Oberhaupte, dem Geistlichen, der in der Regel, m\\\\ nicht politisch scharf ausgesprochen, doch moralisch eingc-- rftitmt, faßt noch allenthalben, in hiesiger Gegend aber größten Theils auch im ersten Falle machtliche Vollkommenheiten besitzt. „China" und „chinesisch" habe ich in Ihrem Blatte noch nicht gefunden. . +) So «löge ich denn der Erste sein, der Ihnen ans U n g a r n etwas C h i n e s i s ch e s vermacht. Mögen mancheLeser mich selbst als einen Chinesen betrachten, thut Nichts-; liegt doch in der chiucsisch.e n Geschichte eine u ng arische Wahrheit. Die Vorsteherwahl der Gemeinde zu Hueng-lo bietet uns nicht nur, ein ,,P riv a t v erg n ü g en e in er G em ein d e" , sondern ein crlustigendes Kuriosum wiß allen Lesern des „Orients", das aber auch, wie alle Erscheinungen der Neuzeit seine moralische Seiten hat. Bei derVorsteherwahl am verflossenen waren drei Kandidaten: der alte, gewissermaßen nur Ersätz- Worsteher, weil bei dem Abgänge des vorigen JahreS wirklich gewählten dieser ihm das Amt nur provisorisch übertragen, und zwei andere. Der alte siel durch, und einer von den neuen ward gewählt. Das war dem alten Ex-Ersatz-Vorsteher nicht recht. Er ging anklagen, daß die Gemeinde ihn nicht neuerdings wählen wollte! Was er beim Richter zur Antwort bekam, daß wird er wohlweislich in Petto halten. Er klagte aber auch beim Rabbiner auf den Umstand hin, daß der neu Erwählte ihm früher mit Handschlag . versichert, er werde das Amt nicht übernehmen. Der fromme Rabbiner mußte freilich den Bescheid geben: der Neuerwä hlte könne das Amt nicht bekleiden, so fern jener ihm den *p nypn nicht bmo ist; aber der kluge Mann läßt die Sache auf sich beruhen und nimmt weiter keine Notiz davon. So weit die chinesischen Vorkommnisse alsTcvt *) Ich hatte schon den Aufsatz fertig, als mir Ihr Blatt Nr. 8 v. 19 Febr., worin von. etwas „Chinesischen" Erwähnung geschieht, zu Gesichte kam. Gesagtes ist zwar nicht mehr wahr, aber die Sache bleibt immerhin chinesisch. Za, selbst dies, daß der „Orient" .eine sechswöchentliche Reise hieher benöthiget, und ich ihn früher nicht lesen konnte, während Nachrichten von Amerika nicht mehr als zehn Tage nach Deutschland bedürfen, ist auch eine ungarische Chmesie. A. d. E. ohne Noten. Nun wollen wir sie versuchen in Noten zu setzen. Ein Ausländer kam vor einigen Jahren nach dem Lande- und ward bei einem Lehrer, einem Landsmanne von ihm, ein sog. „Behelfer?" Nach einigerZeit ließ sich eine im Dorfe wohnende Frau von ihrem Manne scheiden und heirathete den bereits zmn Lehrer avancicten. Mit etwa dreihundert Gulden W. W. kam er nach Hu-ang-to, dem Zufluchtsorte aller inihrer. Heinrath unbrauchbaren Subjekte und richtete eine kleine Grenßlerei dm Gar nicht lange nachher hieß es: der Hr. R. sei ungeheuer reich. Das ist das Losungswort aller jüdischen Ehre und Größe. Er ward also zu den höchsten Stellen in der-Gemeinde befördert. Doch so schnell die Mammons-Fluth ihm in den Hafen der Geld-Aristokraten cinlanfen ließ, so schnell beförderten eben diese Letztem die Ebbe auf dem trnglichen Elemente so, daß sein Schifftcin im Sande sitzen blieb, und um kurz zu sein, ist er, nachdem man ihm vorigen Jahres das ganze Schifflein bis auf den Wasserbodea ausgepfändet, schon zum dritten Mate unter S e q u e st er. Welche Stirne dazu gehört, in solchen Umständen noch immer über die Gemeinde herrschen zu wollen, wissen wir wohl nicht. Doch möchten wir es wagen, diese Anmaßung eben mit der Charakternnbeachtung der Gemeinde selbst, die sich nicht cntblödete einen solchen Menschen an ihre Spitze zu stellen, zu entschuldigen! — Indessen sind xuitcr seiner Verwaltung zwei gute lobens- und nachahmungswürdige Anstalten ins Leben getreten. Gleich Anfang des Winters bildete sich unter ihm eine Kollekte für die Armen, die jede Woche wenigstens so viel erhalten, daß sie nicht, wie leider die Bauern der dortigen Gegend, die im buchstäblichen Sinne, wie lebendige Gerippe herumschleichen, und wie man mir versichert, schon mehre Hungers gestorben, in den äußersten Mangel verfallen können. Ja, „die Juden haben das Herz!" das ruft die Weltgeschichte, das verkündet die traurige Gegenwart. Wir werden im Verläufe unserer Revue noch einmal darauf zurnckkommen. Ferner organisirte benannter Vorsteher eine Nachlpatrouille von vier Mann, die die ganze Nacht herumzupatreuMren habe, und jeder Fremde, von einem von ihnen nicht gekannt, muß es sich gefallen lassen, den lichten Morgen im wannen Zimmer zu erwarten. So hörte man den ganzen Winter hindurch von keinem Diebstahl daselbst, während sonst die Sache nicht selten war. Also „der Wahrheit die Ehre!" .— Etwas Anderes, was wir in dieser Gemeinde zu rügen hätten ist der Umstand, daß so viele Fremde insonders Polen, hier so leicht Menschen finden , die ihnen Pässe, als von hier gebürtig verschaffen. Möchte nur die Gemeinde bedenken, was für schädliche Folgen sc ein Schwarm von einschmarozton und eingepaßLen fremder Bettler und Lumpen >— denn man kann durchschnittlich die falschen Pässe, tmc man es mir feierlich