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Der Orient · 1847-05-07 · Heft 19 (7.5.1847) · p. Seite 148

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 19 (7.5.1847)
Date
1847-05-07
Page
Seite 148 (sequence 7)
Language
German
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gegriffen m die Reihe der mit schaulustiger Fröhlichkeit versammeltea Menge Und ein Grabeshügel deckt jetzt die- Zahl' der gefallenen Opfer. Friede sei mit ihnen, die dahin gegangen; Friede mit den Lebenden! Ohne Unterscheidung des Standes und Alters, der Religion und des Geschlechtes ergriff die Gewalt des gleichen Loofeö die Gefallenen und und in einträchtigem, nicht um Vorrang streitenden Trauergange folgten ihren Resten die Hinterbliebenen nach der letzten Ruhestätte. Eine ernste und wenn sie recht begriffen würde, eine unendlich wohlthätige Lohre könnte für die lebenden Geschlechter aus dem Aschenhngel der Verunglückten als dauernde und erquickliche Frucht erwachsen l — Habet ihr nicht an der Spitze des Leichenzuges die Geistlichen der christlichen und Israelitischen Gemeinden einträchtig wandeln sehen? Waren nicht sie —• die Stellvertreter euerer k i r ch l i ch e n Meinungsverschiedenheiten, von einer einzigen, gewaltigen und eittklingenden Empfindung durchdrungen, vor deren rein menschlicher Wahrheit und Tiefe die Verschiedenheit der Dogmen, wie werthloser Schaum zerstiebte? Hat nicht die Rede aus dem Munde des Priesters des alten Bundes die verborgenen Fiebern eueres inneren Seelenlebens in mächtige Erschütterung angeregt und stürzte nicht bei feinen Worten der Duell eitler tiefempfundenen Rührung hervor aus euern Augensternen? Dachtet ihr damals daran, daß er der Stellvertreter eines gering geachteten Volkes sei? Dachtet ihr Anhänger der evangelischen Kirche daran, als der katholische Priester die Todesweihe über den Leichentmmmem euerer cntriffcnm Freunde und Verwandten sprach, daß er eine Ceremonie übe, die cueren kirchlichen Gebräuchen nicht genehm war? Konntet ihr Katholiken — bei der feierlichen Grabesrede des Dieners der evangelischen Kirche euch daran erinnern, daß die Rede aus dem Munde eines Abgefallenen von der alleinseligmachenden Kirche kam? Wenn alle diese Gedanken und Gefühle gehässiger Spaltung und feindseliger Trennung vor dem e i n e n, w a h re n Gefühle eitler rein mettschlichen Trauer verstummen mußten, da konnte wohl ein Jeder von der Ueberzeugung durchdrungen werden, daß das Wesentliche, das Werthvolle, das dauernde nur allein in dem natürlichen, über alle Dogmenverschiedenheit weit erhabenen Religionsgefühte gelegen ist und wie in dem Liede des Sängerchors das den Lcichenzug bei seinem Eintritt in den ■ Friedhof begrüßte, so klang es gewiß auch in der Brust aller Anwesenden wieder, daß nur ein -Geist der versöhnend en, hilfreich en Liebe über allen guten und edeln Menschen mit gleicher Treue walten dürfe. — O! könnte doch ein solches Gefühl festgehalten — könnte es doch" allgemein werden! Dann würde das Reich Gottes auf Erden nicht ferne sein. Frankfurt a. M.§ 11. April. Indem ich Ihnen ein von mir erlassenes Rundschreiben übersende, bemerke ich zugleich, daß der Israel. Frauen-Verein sich eines trefflichen Fortganges erfreut. Außer den 420 Mitgliedern , denen sich immer noch neue anschließen, sind uns recht ansehnliche Beiträge zugeflossen. Am heutigen Lage beginnt die Anstalt ihre Wirksamkeit. Für 16 Mädchen ist vorläufig gesorgt, darunter sind drei, welche ganz und gar aus Kosten des Vereins erzogen werden. Alle stehen unter der speciellen Leitung einer hier allgemein geachteten Lehrerin, welche zugleich an unserer Schule ängestellt ist. Die l5 Frauen, welche das dirigirende Konnte bilden, nehmen sich der Sache mir Eifer und Umsicht an, und es ist alle Aussicht vorhanden, daß diese junge Anstatt sehr gedeihen werde. Auch die Haustöchter liefern bereits Beitrage an Kunstarbeitcn. Wie jedes neue Unternehmen, fand auch dieses anfangs selbst bei sonst wohlwollenden Männern allerlei Bedenken. Einer fürchtete, man werde die Kinder über ihre Verhältnisse hinaus versetzen, ein anderer, man werde die Zahl der Armen hier nur vermehren, ein dritter, man werde nie Mittel haben, etwas zu leisten. Die Lhatsache spricht, und die Gutgesinnten haben freudig anerkannt, daß die Ausführung gelungener erscheine, als sie dachten. Einige starrsinnige. Gegner werden der guten Sache eher nützlich sein. Die Wohlthätigkeir des Vereins kann nicht in Abrede gestellt werden, und aus einem Walzenko'rn wächst kein Unkraut. Vor Misbrauch und Mißgriffen wird man die Anstalt zu schützen wissen. — Hier das Rundschreiben r „Den resp. Mitgliedern und Gönnern des Israelitischen Frau en-Vereins beehre ich mich hierdurch ganz ergebenst anzuzeigen, daß dem Herrn Oberlehrer Dr. Heß und dem Unterzeichneten, aus eine unterm 2b. v. M. bei Hohem Senate eingereichte gemeinsame Eingabe, worin wir von der Absicht, einen Jsr. Frauen-Verein ,zu gründen, schuldigst Anzeige machten .und Hohen Senat gehorsamst baten, die beigelegten in Manuskript gedruckten Statuten zu den Akten nehmen zu wollen; ein Auszug Protokolle des Enge rn R.a.th e s der freien Stadt Frankfurt, c!. N. 4. Februar .zugegangen ist, nach welchem uns die Errichtung eines israelitischen Frauen- , VereL n e s gestattet, und den vorgelegren Statuten bis auf Weiteres und unter der Bestimmung die Bestätigung ertheilt wird: daß dem I s r. F r a u e n - V e r e i rr der Erwerb von Grundeig'enthum Ln hiesiger Stadt und deren Gebiet sowohl . titulo uutToso als gratuito ohne Erlaubniß des Senats gestattet ist. Der Israelitische Frauen - Verein, welcher bereits über 400Mitglieder zählt, auch schon ansehnliche auß erorden tliche Beiträge empfangen hat, besteht demnach nunmehr auch gesetzlich und darf, bei dem Anktang, den er bisher gefunden, als für die Dauer fest begründet angesehen werden. Um so mehr erscheint es wünschenswerth/ daß noch recht viele würdige Frauen, welche bis zur Feststellung der Statuten ihren Beitritt beanstandeten,

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