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Der Orient · 1847-05-07 · Heft 19 (7.5.1847) · p. Seite 147

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 19 (7.5.1847)
Date
1847-05-07
Page
Seite 147 (sequence 5)
Language
German
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147 (Nr. 43 v. I.) über einen modernen Gottesdienst berichteten, welcher am verflossenen Neujahrs- Versöhnnngs- und Lanbhüttenftste von einer geschlossenen Gesellschaft in den Räumen des hiesigen Handluttgodiencr - Instituts mit: Choralgesang und bcittscher Predigt abgchalien wurde. Mit dem Scheiden des letztgenannten Festes schied auch die Reform von uns und ach, sie kam nicht wieder. Der Schnee schmolz von der Erde, der Winter floh, der Frühling kam, er brachte uns ein neues Fest — aber ach die Reform , die gute liebe Reform, sie hat er nicht mitgebracht. Das Fest ist verstrichen, und siehe da, kein moderner Gottesdienst, kein Choralgesang, keine Pijutstreichung, keine deutsche Predigt — nichts, gar nichts von alle dem, was das Aug' erfreut, das Ohr ergötzt und das Herz erquickt — nichts, gar nichts. Aber was Wunder? Haben wir auch hier viele Steine, so haben wir doch keine Rebensteine; haben wir auch hier viele Lichter und Lampen, so haben wir doch keine Sterne, — und das eben ist unser Unglück; sonst, theure Leser, ja sonst solltet ihr von euren Brüdern an der Warthe ganz andere Dinge vernehmen. Kaum war es hier bekannt geworden, daß das Prov.-Schul-Kollegium Hrn. Dr. S. zur Leitung des den israel. Zöglingen des Fr.W.Gymnasiums zu ertheilenden Religionsunterrichtes bestimmt habe, als sich unter den hiesigen Juden, namentlich unter denen, deren Kinder die genannte Anstatt besuchen, eine starke Opposition gegen die erwähnte Bestimmung geltend machte. Die Anhänger dieser Opposition sollen, wie man sagt, es mit ihrem Gewissen nicht vereinbar finden, ihre Kinder von Dr. S. in der Religion instruiren zu lassen, und deshalb beim Prov.-Schul-Kollcgio eine Eingabe eingereicht haben, darin sie gegen die Anordnung dieser Behörde in Betreff des Lehrers allen Ernstes prötestir en. Nun komme mir Einer und sage, an der Warthe gebe es keine Oppositionen, keine Demonstrationen, keine Protestationen und wie diese großartigen modernen Wundcrthiere alle heißen mögen, O wir haben hier Alles, nur en miniature. Wenn tu allen Provinzen der preußischen Monarchie, so sind besonders in unserm Großherzogthume die Inden auf den ,bereinigten Landtag" höchst gespannt. Zwei Fragen sind es, so Jedem sich aufdringen: Wird die Judenfrage auf den VL. zur Sprache kommen? und was wird in diesem Falte der VL. über uns wohl beschließen? — Laßt uns das Beste hoffen, meine Brüder! Hoffen war ja von je Israels Loos. Seit 18 Jahrhunderten hofft (wenn auch nicht ganz, doch der größte Thcil von) Israel auf eine bessere Zukunft — imfc wehe dem, wer Israel auch dieses Gut, dieH,yss,fnung rauben wollte! — Laßt uns hoffen,'theure Brüder, hoffen, daß eine Zeit kommen werde, wo wir eben so wenig nothig haben werden, unsere Brüder im Westen zu beneiden, alsdieimOsten zu bedauern, eine Zeit, wo die Juden §ller Länder und aller Zonen gleichgestellt und gleichberechtigt sein werden mit denen, mit welchen sie wenn auch nicht Einen Glauben, aber doch Eineil Fürsten, Ein Vaterland und Einen Gott haben — eine Zeit, wo man nicht mehr fragen wird: ,,waS glaubst Du?" sondern, wo cs himeichen wird, M err sch zu sein, um sich all des Schutzes und all des Rechtes, so die weisen Regierungen und die weiftll Könige ihren Unterthaneu angedeihen lassen, überall und ungestört erfreuen zu können. Und eine solche Zeit — sie kann bald herbeigefnhrt werden. Denn: „das Herz der Fürsten und der Könige ist in der Hand des Herrn" hat Satomon gesagt. — Laßt uns hoffen, meine Brüder! W. Nandegg, im März. Das Unglück war schon oft die Schule der Weisheit und hierin liegt einigermaßen ein Trost für dasselbe. Wenn so oft Stande voii Ständen sich scheiden, Volksthümlichkeit, Nationalcharakter, Religiensstotz , KenfessionSeiser, und manchmal noch weit geringere Motive, wie Selbstsucht und Eigennutz, Scheidewände errichteten zwischen Brüdern und Brüdern, Menschen und Menschen, so war ein einziger Zornblick des Schicksals, ja eine nur erst drohende Gefahr hinreichend, den Verblendeten die Augen zu öffnen, und ihnen zu zeigen, wie nur Einer groß und mächtig ist, und tüte nur in dessen Erkenntniß und Anbetung der Ruhm und das wahre Glück des Menschen besteht. Am 28. Februar Abends sank das kaum erleuchtete prachtvolle Tbeatergebände in Karlsruhe in Asche, und gräßlicher Gedanke! viele, viele Menschenleben erloschen in dem schauerlichen Flammenmeere! Protestanten, Katholiken und Israeliten schmolzen in einen Aschenhaufen zusammen und nachher, am 4. d. M., Abends, wurden die aus dem Schutte hervorgesuchten Gebeine, lauter unkenntliche Ueberreste, in acht gemeinschaftlichen Särgen verwahrt, von den Geistlichen der drei Religionen, von den Verwandten der Verunglückten und einem großer: Thcite der Karlsruher Einwohnerschaft feierlich und ernst, ohne Vorzugs- und Rangsucht, brüderlich und versöhnt, in einen Willen ergeben, auf den Friedhof geleitet, wo ein gemeinsames Grab alle die Beweinter; aufnahm. Die drei Geistlichen hielten nach einander Reden und Gebete, welche zu allen Herzen, ohne Unterschied des Glaubens, gedrungen waren. Viele Zeitungen haben über dieses Ereigniß berichtet, uns scheint der folgende ans Nr. 69 des zu Konstanz crscheinendeu „Tagcsherold" der Mittheilung auch im Orient besonders würdig, und wir lasser; ihn hier folgen : „Karlsruhe, 7. März. Ein großes SchicksalStranerspiel ist vor unserm Augen vorübergegangen; Schutt und Asche und rauchende Trümmer häuften, sich an der Stätte, wo festliche Freude in tausend Strahlen zu erglänzen pflegte, — eine entsetzliche Todes.hand hat herein- 19 *

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