Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1847)
- Date
- 1847-04-30
- Page
- Seite 143 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- 143 - in einen, der neben der „Bekleidung israelitischer Armenschüler" 'auch ' die „H er an b i Ld u n g d er selben zu Hau d w er k ern" zürn Zwecke haben soll, ins Da- . sein getreten. — Gott-'schenke'ihm und cittcit ähnlichen Vereinen Segen und Gedeihen! — Oe st er reich. Wien, im April. Wien hat sehr wenig historische Denkmäler aus den Zeiten, wo Juden da noch ansässig, waren und mitunter^ auch in Ehren gehalten wurden. Es giebt so wenige Anhaltspunkte in der hiesigen großen Residenzstadt, die den Juden einen Blick in die Vergangenheit zu werfen anrcgeu könnten, um ihm in. Erinnerung zu bringen, was — besser ist, daß ' er's vergessen; wenn wir nicht die große blühende Vorstadt: Leopoldstadt als ein MonnmenL betrachten, welches die Geschichte dem gemeinsamen Grabe so vieler jüdischen Familien gesetzt hat. — Bekanntlich führt diese Vorstadt diesen Namen erst, seitdem Leopold I. die Juden aus Wien vertrieb, wo er diese würdige That durch seinen Namen verewigte. Aus jener Zeit der Unduldsamkeit ragt aber ein Denkmal, erbaut in Milde und Hochherzigkeit, zu uns herüber, das uns immer und immer in jene Zeit zu versetzen im Stande ist, und unsere Aufmerksamkeit dahin lenkt, wo. 'Kummer, und Angst die Brust unserer Vorfahren beklommen. — Es ist das von Samuel Oppenheimer in der Roßau Nr. 50 erbaute Spital für kranke Inden. Oppenheimer ist eine Persönlichkeit, der in so hohem Maße unsere Verehrung gebührt, als wir bisher noch sehr wenig über deren Wirken und Streben wissen. Er stand nicht nur als Jude ein Beispiel seinen Glaubensgenossen da, sondern auch als Unterthan seines Herrn ist seine uneigennützige Treue erstaunlich und bewunderuswerth. Ein hiesiger bekannter Geschichtsforscher sagte mir im Lause .eines Gesprächs, als von Oppenheimer die Rede war; „Ohne die unbegreifliche Uueigennutzigkeit, mit der Oppenheimer dem Helden Eugen sein Hab und Gut zur Verfügung stellte, wären wir, wäre Deutschland 'heute türkisch". Und von diesem Namen wissen wir nichts als den Nauicn! weiß das Publikum kaum den Nameul Freilich hat Hr. Dr. Ignaz Edler von H o fm a u n s th a l eine ausführliche. Biographie,desselben mit der Bemerkung versprochen, daß er bereits 6 Jahre Materialien dazu sammle; dadurch hat Hr. H. aber unsere-Wißbegierde nur mehr angeregt. Mög' er bestrebt sein, unsere heiße Gier bald zu löschen, wir werden ihm Dank wissen.— Merkwürdig ist der Umstand, daß Oppenheimer das Spital neben dem jüdischen Leicheuack'er banete, welches der einzige Ort ist, . der während der Vertreibung der Juden unter Leopold I. aus de m Anlässe von der Verheerung verschont blieb, weil die damals hier wohnende, aber das Schicksal ihrer Brüder theilmde hochherzige Familie Frankl eine bedeutende Summe zahlte, damit man ihren Eltern und Freunden im Grabe die Ruhe nicht stören möge. Welches Volk hat je noch der Geschichte solche Züge als Tribut gegeben? Diese Familie zählt die Ahnen unseres reich begabten Sängers Frankl, in dessen Brust jene milde Gluth seiner Vorfahren sich fortgecrbt, womit er so viele Herzen erwärmt, so viele Seelen begeistert. -— Diese Reflexionen müssen jeden Beobachtenden überkommen, wenn er jetzt das israelitische Spital besucht, und bemerkt, wie wohl eine in Liebe und Freundlichkeit dargereichte Gabe mundet. Es, sei. zum Lobe der jeweiligen Vertreter hiesiger Israeliten ausgesprochen, daß sie immer bestrebt wären und sind, dieses so wohtthuende Institut mit aller Kraft zu rinlerstützcn und zum Ruhme des Judenthums-und zur Verherrlichung Gottes befestigen, vergrößern und erweilern; was . wir um so mehr thun können und müssen, wenn wir bemerken, mit welcher hingebenden Obsorge,die jetzigen Vorsteher, die Herren Leopold Edler von W er t h ei m stein und Heinrich S i ch r o fs k y ihre ganze segensreiche Aufmerksamkeit dem Gedeihen und Erblühen dieses Institutes zuwenden. Es liegt der Bericht der löbl. Verwaltungs-Kommission^) dieses Instituts vor uns, und wir freuen rins wahrhaft im Namerr so vieler Leidenden, die darin geheilt und gepflegt wurden, unsern Dank allen denjenigen anszusprechen, die bemüht waren., . ihre Schmerzen zu lindern und zu heilen, ihre Noth zu mildern, und ihren Kummer zu trösten, und'unsere besondere Würdigung wollen wir dem menschenfreundlichen Spitalvater Hrn. A. H exrm an n zuwenden, der im engsten Sinne des Wortes der Vater kranker und nothleidender Inden ist. Hr. Herrmmm ist erst seit einigen Jahren mit der Würde dieses Amtes beehret, und er hat in kurzer Zeit km Vereine mit der lobt. Verwaltungs-Kommission eine solche Ordnung und Gestaltung in diesem Institute hervorgebracht, daß es zu 'Den interessanten Anstalten der Residenz gezählt wird, die kein Fremder uubesncht lassen kann; zudem verbindet Hr. Herrmann ein für seine leidenden Mitbrüder fühlendes Herz mit einem echt religiösen Sinne, Daß er nicht nur die Liebe und Verehrung seiner ihm sich anverlrauenden Kranken, sondern auch die hohe Achtung jedes Menschen und die seiner Vorgesetzten, der hiesigen Vertreter genießt. Letztere konnten nicht umhin, 1) Bestehend aus den Herren DD. Z. Wertheim, Jg. Edler v. Hofmanns thal, H. Herzfeld, I: Lemberge r, D. Winternitz (der bekannte Uebersetzer des diätetischen Briefes von Maimuni) M. En gel ud A. Matze l. Dieso Herrn, so wie Herr Dr. Bacher und die Herren Chirurgen Frankenstein und Wemberger sind zugleich die Spitalsärzte , und die Kranken sind erfahrenen Männern, gediegenen Charakteren anvertraut^ die ihre Aufgabe im höchsten Gra de zu lösen wissen, denn wahrlich ein kranker Jude ist um so schwerer zu heilen, als. — — —