Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1847)
- Date
- 1847-04-30
- Page
- Seite 144 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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demselben, nach Durchsicht des Spitalbcrichts, ihre Anerkennung und Würdigung in einem sehr schmeichelhasten Schreiben, welches von einem bedeutenden Geschenke begleitet war *), an den,Tag zu legen; weit eben aus letztem Berichte auf's Neue die Uneigennützigkeit und -Brauchbarkeit des Hm. H. sich 'herausstellte, indem trotz der so herrschenden maßlosen/Thmeruug die Regiekosten nur. um eine kaum bemerkbarem Kleinigkeit sich steigerten. Wir brauchten mehrere solche Anstalten/ und mehrere solche Individuen, und-haben wir Letzterer vielleicht noch ' einige, wie ein nächstens folgender Artikel über den hiesigen jüdischen Handwerksverein dcrrthun soll, so fehlt cs uns doch an Ersteren. . Prerg, 18. April, Diesen Sonnabend am M strömte eine ungewöhnliche Menschenmasse dem hiesigen neuen israel. GottesHause (Tempel) zu, die Ursache Hiervon war die Feier einer. Konfirmation, die heute hier, zum e r st e n .Male stattfand. (Hr.' Dr. K ä m Pf. will.', freilich voll dem Namen Konfirmation nichts Horen, wir wissen nicht, ob aus Pietismus, weil es etwa 'UN oder ob Hr. K. ein Sprach-Pnrist— denn er will durchaus von. nichts Anderem als von einer Ei nsegu u n g wissen.) Der zu konfirmirende (der Sohn des hiesigen Fabrikanten H. Edlen von Portheim) wurde, nachdem er . miDbn gelesen , aus den Grundsätzen der Religion geprüft , die sich aber nur ans ein paar Fragen beschränkte, sodann; richtete Hr. Dr. K. einige Worte an den Konfirmanden. Das Ganze schloß mit Choratgesängcu u'. Wir wollen . für's erste Mal nicht mit Kritiken anfangeu, wie es vielleicht, hätte besser sein können, und freuen uns nur, daß diescrAkt, der wirklich bei dem leider täglich mehr itnr sich greifenden In different iSmus für religiöse.Interessen unter der hiesigen israelitischen Jugend Bedürfniß geworden, endlich ins Leben getreten ist. Der hier auch als Erzieher bekannte Rabbinatskandidat Herr A. Kulka, der dm Unterricht des Konfirmaudeu leitete, soll durch sein Zuthun und durch feine Verwendung das Ganze bewerkstelligt haben — und »vir.'sagen diesem so wieHru.Dr. K. unfern Dank. ' $ t a J i e n.; :31u6' int März. Ich beeile mich, geehrter Hr. Redakteur, Ihnen folgenden Auszug ans einem Briefe meines Neffen, dat.Rom, 25. Februar, ruitzuthei- (cu'und hoffe, daß sie dies gerne aufnehmen. ,,Durch, die Vermittelung eines Bekannten,' erhielt ich Zutritt in 1) Die.geehrten Vertreter hiesiger Gemeinde haben sich, wegen'der Theuerung veranlaßt gesehen, allen Beamten. einen verhältnißmäßigen Zuschußzu bewilligen. Verlag von C. L. Fritz sche. die Kapelle des Pabsteö, der am Schluffe des Gottesdienstes, so nahe an mir vombergetragen wurde, daß ich ihm gerne die Hand-geküßt hätte; denn ich habe im Ghetto dessen .milde Gesinnung auch gegen unsere Glaubensgenossen rühmen, gehört. Die Thatsachen mögen zwar anderwärts, wo schon längst größere' Anerkennung der Menschenrechte zu finden ist, , nicht sehr hoch angeschlagen werden , für hier aber sind sie groß und-bedeutungsvoll. 1) Früher war cs nach jeder / Pabstwahl Sitte, daß der Neugewählte aus seinem ersten Zuge zur Besitzergreifung von der Metropotitänkirche, in den Straßen , die er auf einem weisen Esel' reitend, durchzieht, verschiedene Deputationen, empfing,.. und wenn diejenige der Inden vor ihm kam, stieg er ab, und bediente sich dann des Rüche es Rabbiners, um den Esel wieder zu besteigen, worauf er auch noch vor dem Rabbiner ausspukte l Der jetzige Pabst aber machte diesen Zug im Wagen, und die abscheuliche. Ceremonie unterblieb. 2) Der Tribut von 800 Scudi / welchen die hiesigen Juden alljährlich zu bezahlen haben, wurde bisher jedes Jahr durch eine Deputation an Leu Cardinal Governatore entrichtet, wobei der Rabbiner jedesmal, wenn auch nur pro forma, tun die Erlaubriiß bitten mußte, noch ein Jahr in Rom bleiben zu dürfen» Die Antwort hieß dann: si5 ma sindate aclesso (ja, aber nun geht fort!). Der jetzige, Pabst aber hat auch diesen barbarischen Gebrauch abgestellt, und angeordnet, daß hinsühro der Tribut ohne Deputation nur im Stillen eingesandt werde. Endlich hat der humane Kirchensürst bei der Vertheilung der Unterstützungen ans seiner Privatkasse, auch die armen Juden väterlich bedacht, /und so steht zu hoffen , daß unsere hiesigen , immerhin noch sehr gedrückten Glaubensgenossen, alünälig noch weitern Grund erhalten werden, ihre schon jetzt sehr große / Begeisterung für Pius IX. noch höher zu steigern. Zunächst wäre ihnen eine Vergrößerung und theilweiseVerlegung des Ghetto zu wünschen, welches jetzt Alles in sich vereinigt, um Trübsinn, Armuth und Kränklichkeit zn befördern. Der Allmächtige,welcher die Herzen der Fürsten lenkt/ mögt, wird es bessern." Randegg, 11. März. ' Personalchronik nnd Miseellen. Berlin. Den Landständeu ist bereits ein Judengeseh vorgclegt worden, welchem zufolge die. Juden za außerord. Professuren in der Medicin und in den Naturwiffenschaften zugelaffen sein würden. Die rhein. Deputirtcn werden aber auf einer vollständkgm Emaneipariön beharren. Druck von I. H. Nagel.