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Der Orient · 1847-04-30 · Heft 18 (30.4.1847) · p. Seite 141

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 18 (30.4.1847)
Date
1847-04-30
Page
Seite 141 (sequence 9)
Language
German
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141 erhebt, das gebeugte Gemach nicht ausrichtet und den Geist nur mit Abstraktionen verfinstert. "V'.'.. : M-a.*) Konstanz (Gr. Baden.) (Verspätet.) Die beiden hiesigen Zeitungen, welche wie früher gemeldet, eine Zeit lang über die Wiederaufnahme von Inden in diese Stadt, das pro et contra besprechen hatten, haben darin eineUebereinkunst getroffen, über eine dahier stattgehabte israelitische Hochzeit (eine Begebenheit, die hier in 300 Jahren nicht mehr vorkam) in. folgend er wohlwollender Weise zu berichten: 1 „Konstanz, 18. Novbr. 1847. Gestern ward! hier eine Jsraelitenhochzeit gefeiert. Der rühmlich bei kannte, für den Fortschritt wirkende Rabbiner Schott I hielt die Predigt, welche großen Anklang, fand. Die I Theitnahme, resp. Neugier hiesiger Einwohner war be- | trächtlich und mancher bisherige Judengegner hat bei j dieseur Anlaß die Beobachtung gemacht, daß vernünff iige Juden vernünftigen Christen außerordentlich ähnlich! sind". - j „Konstanz, 18. Rovbr. 1846. Gestern wurde f dahier ein israelitisches Brautpaar getraut. — Der Akt [ fand im Rathhaussaale Statt, und zwar inmitten einer zahlreichen Versammlung von Männern und Frauen | christlicher Konfession, wodurch wohl anerkannt, die E Klasse der Gebildeten jeden Standes vertreten war. — | Leopold Schott, Rabbiner von Randegg, vollzog die | heilige Handlung in der ihrer-Bedeutung entsprechenden | würdigen Weise.!? In den Inhalt seiner vortrefflichen Rede näher eini zugehen, dazu bieten diese Spalten nicht den Raum, und möchte dies einer gediegenem Stimme zustehcn. i Es mag zu erwähnen genügen, daß dieser Mann — aus der reichen Quelle seines innmr Gehaltes schöpfend — dahin strebt, durch klar geistige Anschauung und Ueberzeugung den sichern Weg zum Herzen zu finden llnd dasselbe in seinen edelsten Empfindungen anf zuregen. — Daß und wie er dieses versteht, dafür bürgt | die Stimmung, die sich während der ganzen Handlung J unverkennbar bei allen Anwesenden kund gab, und als i nachhaltige Wirkung die Verehrung für den Mann, der , als Priester seiner Gemeinde ein solches Bernfsstreben f bethcitigt." . Posen, 28. März. Die hiesige Laudtagsdepu-? tirtenwahl, von welcher in diesen Blattern schon mehrmals die Rede gewesen*), ist endlich (nach einem neui ^chm Berichte unserer Zeitung) von Seiten des Ober-! ')'Ein hies. Korrespondent hat sich im Orient Nr. 10 f unseres Namens als Korrespondenzzeichen bedient, gegen wel-! chen Misbrauch wir hiermit öffentlich protestiren. 1) Bergt. besonders unsere Artikel in Nr. 2 und 14 die- M ser Blätter. Präsidiums für giltig anerkannt worden, -r- Freu' sich, wer Lust hat. — , Neulich ging hier das Gerede, daß ein hiesiger.angesehener ji'rd. Kaufmann, bereits seit einigen Jahren Mitglied des Stadtverordnetenkollegium, zum Stadtrath (d. i. Mitgt. des Magistrats) ernannt werden würde. Aber die Stadtrathe-Wahl hat bereits stattgefunden, und es ist kein Jude gewählt worden. Nein, lieber Leser, so weit sind wir hier noch nicht. — Unser Herr OR. fährt fort, in seinen Deraschot, die überhaupt jetzt häufiger sind als je, den praktischen Theil des jüd. Gesetzes zu beharldeln. Er hatte sich im Herbste v. I. vorgenommen, in jeder Derascha eine oder einige praktische M iz w o t zu besprechen, i. e. zu erklären, und, wir müffcn's.sagen, bis jetzt ist er diesem Vorsätze nur zu treu nachgekommen. In seiner Derascha von gestern (Sabbat ha-Gadol), die wohl an 2 Stunden dauerte, sprach Herr E. größtentheits über H i l tho t T e fi ll i n, vergaß aber nicht, auf sein Liebtiugöthema, welches ist: Nidda und Mikwa, immer wieder zürn ck'zukom men. Was diese letztem Punkte betrifft, so brachte unser Hr. OR. mitunter Dinge vor, die einem Korrespondenten des ZW. den schönsten Stoff zu langen und breiten Artikeln bieten könnten. Schade nur, daß der ZW. (so viel uns bekannt ist) hier noch keinen Korrespondenten hat. Doch halt! Eins haben wir noch vergessen, und das ist gerade sehr wichtig. Das hier ausgesprengte Gerücht, , als hätte unser Herr OR., wegen der diesjährigen Theucrung, den Genuß von Reis für das bevorstehende Pesach-Fest erlaubt, ist in der rnehrerwähntcn gestrigen Derascha als ein lügnerisches und verleumderisches erklärt worden8). — 'Im diesjährigen Osierprüsungs-Programm des hiesigen Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums macht der Direktor dieser Anstalt, Konsistorial- und Schulrath Dr. Kiesling, unter der Rubrik „Chronik" folgende Anzeige: „Auf dm durch den Vorstand der hiesigen israelitischen Korporation ausgedrückten Wunsch hat das königl. Provinzial-Schul-Kollegium genehmigt, daß vom nächsten Schuljahr ab den isracl. Zöglingen des Friedrich- Withelms-Gyinnasiums in abgesonderten Klassen ein besonderer mosaischer Religionsunterricht in der Anstalt crtheilt werde. Die Leitung dieses Unterrichts wird der jüdische Religionslehrer Dr. Sachs^) übernehmen. Den 2) Erbsen und Bohnen jedoch bat unser OR. erlaubt; aber nur für diesen Pesach und nur den sehr Dürftigen. Siehe weiter unten. 3) Derselbe, welcher seit einigen Monden in der KLm'gl. Louisenschule den dieselbe besuchenden jüd. Schülerinnen Unterricht in der. Religion ertheilt. Hier ist's. jedoch den "Eltern freigestellt, ihre Kinder an dem Religionsunterricht Lheil nehmen zu lassen, oder nicht.. Ob dies im Fr.-W.-Gymnasium auch so sein wird, ist uns noch nicht bekannt.

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