Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1847)
- Date
- 1847-04-30
- Page
- Seite 140 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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140 ucii keinem Gesetzesgläubigen zu vermuthen, daß er hierüber eine abweichende Meinung habe." jm'rÄ nniD fNi, OT'^bn pDND NWmn m\D tsni«. Nach der Ansicht des karäischen Mainumi, Ahron ben Elia, ist die Auferstehung ein der Vernunft nach mögliches, der Offenbarung zufolge wirkliche Geschehenes Kl.l rp-DKD bim NKOi» mtnn nänaa J'dnd W? b^n' pD NQ D4 (Ez Chajim 198) > eine Ansicht , der zwar von andern Karäern widersprochen wird, aber dann doch als traditionelles Dogma angenommen wurde. Da nun das Dogma von der Auferstehung, wie solche zu jeder Zeit begriffen worden ist, in der h. S« nicht nur nicht dogmatisch, wie der Monotheismus, gelehrt, sondern auch in den vorexilischen Urkunden die Auferstehung der Todten als etwas Unmögliches dargestellt wird*), und auch die Vernunft nur eine natürliche Auferstehung, d. h.. ein aus den organischen Stoffen des aufgelösten Leibes neu erstandenes Leben in der Körperwelt, zugiebt, so ist es Unsinn ode.r Heuchelei auf der einen Seite die Auferstehungslehre als Dogma anzuerkennen und auf der andern Seite ihr ihre körperliche Hülle zu, entreißen und dafür eine abstrakte Floskel zu substituiren. Aut,, aut, entweder wir behaupten ganz den rationellen Standpunkt und streichen dieses Dogma auS unserem Bekenntnisse und aus unseren Gebeten, die ohnehin beide nicht biblisch sind, oder wir nehmen ganz die Maske des Glaubens an und lehren unter Auferstehung' die Wiedervereinigung der Seele mit ihrem Körper. Der Eingangs erwähnte Redner hat daher weder dem orthodoxen Glauben noch der Wahrheit einen Dienst geleistet, als er in einem Vortrage die gewöhnliche traditionelle Vorstellung von der Auferstehung bekämpfte, dem Dogma an sich aber sein Fortbestehn ließ. Er hat nämlich die Entdeckung gemacht, daß, weil Ezechiel vom Pricsterstamm war, das 3?. Kapitel nicht dem Wortsinne nach aufgcfaßt werden könne (cf. Kimchi m 1.), und daher die dortige Erzählung nur als Visionhinweisend aus die geistig e Wie d er bete b u n g I s-, r a el s , dem Dogma von der Auferstehung Grund und Deutung gebe; in diesem Sinne sei diese Lehre in unseren GlanbcnSprinzipien anzunehmen und dies die Bedeutung von dtid rpfiD in unseren Gebeten. So wahr und alt der Vordersatz auch ist, so neu und falsch ist die Schlußfolge. Den prophetischen Visionen und ihren Darstellnngsarten hat man zu jeder Zeit, wie oben gezeigt, die rationellste Deutung gegeben; ein allgemein angenommenes und noch ferner bestehen sollendes Glaübeusprinzip ist aber als solches ein Lebensnerv der Re- , ') So im Buche Hiob: M; »"MN Nw' DK fl - in der Dänkhymne des Königs Iochiskija: btt IM; so sagte auch -re Weise von Tekoa: näl« D^)il D’DDI ND) ND D DDK'' *6 im, ligion und kann nicht wie ein Modegewand zu jeder Zeit neu zugestutzt werden. Hier ist es Lüge und Täuschung den, wenn auch vor der Kritik der hohem Vernunft nicht bestehenden, aber dennoch faßlichen Gedanken zu eskamotiren und dafür eine gedankenlose, hohle Phrase nnterzuschieben. Auf der Kanzel und bei Rabbinatsvorstellungen hören wir zwar, besonders in so schönem deklamatorischen Vortrage, wie bei erwähntem Redner, die Modephrasen ohne Gehalt und Sinn, von einer geistigen Wiederbelebung und Auferstehung und ähnlichen rcingeistigen in Nebel und Dunst sich verflüchtigenden Phrasen, mit Vergnügen an; Belehrung geben sie aber nicht, und weit der Wahrheit entgegen, gehen sic nicht ins religiöse Leben über. Wein die Lehre von der Auferstehung ein Bekenntnis; ohne Ileberzeugung ist, der gebe dieselbe, welche auf die Moralität und Glaubenstreue von gar keinem Einflüsse ist, offen und ehrlich ans, lege derselben aber keinen auf Täuschung beruhenden .Gedanken bei, der nur eine verdeckte und verstohlene Aufhebung ist; der historische Gedanke b l e i b e aber wahr für den Glaubigcn, der nicht nach Ueberzeugung fragt, wenn eine historische Vorzeit, wie hier, seinen Glauben stützt. Jede Vermittelung ist Unwahrheit und absichtliche Täuschung; denn unsere Erkenntniß läßt sich nicht immer mit der geschichtlichen Tradition in Einklang bringen und auf die Grabmähler der Vorzeit wollen wir nicht unsere bessern Erkenntnisse niederlegen. Wäre das Erkennen religiöser Begriffe nur historisch, sagt der philosophische Meister unseres Jahrhunderts, so müßten wir die Theologen wie Komptoir-Bedienten eines Handlungshanses ansehen, die nur für Andere handeln, ohne eigenes Vermögen zu bekommen, sie erhalten zwar Salär, ihr Verdienst ist aber nur zu registriren, was das Verdienst Anderer ist. — Seid nicht, o ihr Phrasenschmiede, ruft Euch das Volk zu, wie die Ammen, die den Brei verschlucken und nur mit ihrem Speichel die Kinder beschmieren; gebet uns. die Wahrheit offen, ohne Rückhalt, wie ihr sie gefunden zu haben glaubet, denn wir sind schon längst der Muttermilch des Abe.rgtaübens., die uns so reichlich ans den historischen Traditionen zuströmte, entwöhnt und wir können nunmehr nahrhaftere Kost vertragen. Giebt es eine Auferstehung oder nicht? Habt Ihr einmal unaufgefordert diese Frage aufgeworfen , so löst sie einfach mit Ja oder Nein; eine. neue Auferstehung oder hinterher anferstehen zu lassen, nachdem Ihr Nein geantwortet, kann unfern, schlichten Verstand nur verwirren. Und so möget Ihr nun die Jigdal-Hymne nach der münchener oder wiener Melodie absiugen lassen, so denket nun doch jeder Vernünftige unter n'Dn bft nVT'DTO.-'weit eher an den schönen, wenn auch unwahren Gedanken, von dem Wiederauferstehen Heimgegangener Lieben als an Eure Floskeln und Phrasen von einer geistigen Wiederbelebung Israels, ein Gedanke, der das Herz nicht