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Der Orient · 1847-04-23 · Heft 17 (23.4.1847) · p. Seite 134

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 17 (23.4.1847)
Date
1847-04-23
Page
Seite 134 (sequence 11)
Language
German
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nach dem Beweggründe solcher Unthat gefragt, so wird der Sold einiger Rubel, bezeichnet, welcher den Unmenschen verabreicht worden. Der Menschenfrennd schaudert bei solchen Begebenheiten, und blickt er auf Polen, wo ähnliche Abscheulichkeiten häufiger als anderswo Vorkommen, wo es sogenannte DnD)D von Profession giebt, und erinnert sich dann an den Druck, der schwer auf den dortigen Juden lastet; wahrlich,, er kann sich kaum erwehren auszurufen n:nn jmj'pN1. — Allein unbezweifelt trifft die größte Schuld eine Negierung, die nicht zufrieden sowohl durch den härtesten Druck und die nothwendig daraus entstehende große Arrnuth, als auch besonders durch viele barbarische Gesetze zmn Spionen- und Dclatorenweseu Gelegenheit und Veranlassung zu gehen, noch oben drein diese Untugenden begünstigt und auszeichnet, und mithin 'den Vorwurf verdient', die Demoralisation ihrer Unterthanett selbst LnS Leben zu rufen. Um mit etwas Erfrenlicherm zu schließen, verdient bemerkt,zu werden, daß sich der anerkannt milde jüdische Sinn auch in Oberschlesien bei der jetzigen Theuerung bewährt. Viele Gemeinden sind beflissen, ihre Armen nach Kräften zu unterstützen, und haben sie hierzu nicht erst die Aufmunterung der Behörden abgewartct. So, um nur ein Beispiel anzuführen, bringt S ohrau, eine Gemeinde, welche verhältnismäßig nicht viel kontribuireude Mitglieder zählt, durch freiwillige Beiträge, monatlich mehr als 40 Thlr. zusammen, wofür allwöchentlich den jüdischen Armen Brod und Viktualien verabreicht werden, und es ist veranschlagt, diese Unterstützung bis zur Ernte fortznsetzen. Gleichwohlhat die dastge jüdische Einwohnerschaft sich nicht ausgeschlossen, auch an der Sammlung, welche später die Stadtkommun für die städtischen Armen überhaupt veranstaltet, sich zu betheiligen. O e st e r r e i ch. Prang, 42. April. (Die Vorsteher-Wahl.) Die alle 3 Jahre vorzunehmende Vorsteherwahl, fand am 9. d. M. statt; es fand sich diesesmal eine viel größere Zahl Gern emdeglieder dazrr ein, als es seit vielen Jahren der Fall war, und diese lebendige und allgemeine Theilnahme deutete schon darauf hin,-daß man ernstlich bedacht sei, diesem zur bloßen Form herabgesttnkenen Akte, wieder jene Bedeutung zu verleihen, wie es dessen hohe Wichtigkeit erheischt. — Der bessere Gemeinsinn, der sich in unsrer Gemeinde immer schöner entfaltet, das innere Bewußtsein, das neu erwacht, wußte dem beispiellosen Leichtsinne, mit dem in früherer Zeit dieser Akt behandelt wurde, ernstlich eutgegcnzutreten, und die anmaßenden Versuche, die gleich beim Beginne der Wahl gemacht wurden, die Form als eine vom Gesetze gebilligte, za verlästern, mit erhöhter Energie zurückzuweifen.. — Die ersten Regungen der Versammlung waren stürmischer Natur und die Stimmung eine sehr aufgeregte, dmn hier galt es vor Allem, Hand zu legen an tief eingewurzelte, verjährte Uebergriffe, doch bald zeigte es sich, was ein ernster Wille vermag, es wurde für . eine neue Wahl gestimmt, die folgendes Resultat ergab: Herr M. I. Kandau^— 1. Vorsteher, einstimmig. ,, Leopold Epstein — 2. Vorsteher, "mit 62 Stimmen. „ David Zappert — 3. Vorsteher, mit 40 Stimmen. — Somit ist unsre Gemeinde in ein neues Stadium getreten. Welche Hoffnungen wir nun aber für ihre innere und äußere Entwickelung zu hegen haben? Bei einem ko lieg i all scheu Zusammenwirken der benannten Herren gewiß die schönsten. — Das Verdienst des Hrn. Landau, fux den diese Wahl ein wahrhafter Triumph war, ist zu anerkannt, um erst hier wieder an fuhren zu müssen, daß die ihn getroffene Wahl eine glückliche zu nennen, ist. — Landau hat durch eine Reihe von beinahe 20 Jahren bewiesen, daß er seinen Beruf auszufüllen vermag, und das Wohl der Gemeinde zu seiner Lebensaufgabe sich stellte, wenn er nicht immer reussirie, wer kann und wird ihm die Schuld beimessen? Trat doch sein früheres Kollegium, jedem das Wohl der Gemeinde.fördernden Schritte hemmend und hindernd in den Weg, stand er doch so vereinzelt, wie jener' GotteSmanu Moses da, und mußte ermüden, aber welche Erfolge lasten sich jetzt in seiner neuen Stellung, von seiner Thatkcaft, von seinem so ausgezeichneten Talente nicht erwarten! Wie schnell werden nun wahrhaft jüdische Zwecke gefördert, und die jüdischen Institute, die eigentliche Aegide einer jüdischen Gemeinde, wie bald werden sie aufblnhen, vor Allem das KinderlehrhauS, dieses Denkmal einer fürs Judenthum so schönen Zeit, wie verödet steht es da, weder Kinder, noch Lehrer noch Haus! Muß diese Ruine nicht ein Verrath an dem Geist des edlen Testators genannt werden? und welche schöne Hoffnungen haben wir jetzt! Bald wird es neu aus seinen Trümmern wieder erstehen im Geiste unsrer Zeit, und nun gar das längst projektirte Seminar! Hr. Landau, der Mann der Wissenschaft, wird gewiß mit glühendem Eifer durch die Creirung dieses Jnstitrlts, unsrer Gemeinde ihren längst bewährten Ruf, daß jüdische Wissenschaft in hoher Blüthe von ihr gepflegt wurde, wieder gewinnen. Herr Epstein nahm schon früher in unsrer Gemeinde eine bedeutende Stellung ein, ein Mann von Intelligenz rmd ausgezeichneter geistiger Befähigung, ganz berufen der Vertreter einer Gemeinde zu'sein, wenn er nur zu seinen ihm nicht abzusprechendm Talenten auch die Liebe, die warme Anhänglichkeit ans Judenthum gesellen wollte! Möge er doch bedenken, daß eine jüdische Gemeinde eine Religionsgcsellschast ist, die Nationalität

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