Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1847-04-23 · Heft 17 (23.4.1847) · p. Seite 132

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 17 (23.4.1847)
Date
1847-04-23
Page
Seite 132 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2360092-2360472-2360490--5887-3533120
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

132 Tags die gewöhnlichen Speisen genießen, er fragte die andächtigen Zuhörer, ob hl nicht eine eben so große Sünde' seials der Chamez-Genuß! Es geschähe den Vätnm, den Stock'orthodorcn, Recht, wenn ihre Kinder, die besser belehrte Jugend, ihnen ungehorsam seien. Er apostrophirte die Frauen, daß sie am meisten darauf zu sehen hätten, daß die Religion, die in die Küche gewandert sei , wieder daraus vertrieben werde. Es war eine kühne Predigt, die man vor neun Jahren noch bona lide für aufrichtig und tief empfundeir gehalten hätte. O über die bittere Erfahrung, die uns die besten Genüsse verkümmert, die süßesten Illusionen zerstreut! Nicht wahr, Sie bewundern mit mir diesen Reformmuth, in einer Gemeinde, wie die Breslauer, wo der livO, selbst in den laxesten Familien, noch eine volle Wahrheit ist, so rücksichtslos zu sprechen! Leider blieb dieser Muth ohne den gehofften Erfolg; nur wenige halbfromme Familien haben das Beispiel des Predigers, der diesmal seinen Worten auch die That folgen ließ, nachgcahmt. Dafür schieden aber auch viele Mitglieder aus der silbersteinischen Synagoge und schlossen sich andern Synagogen an, und wenn diese nicht an Raum beschränkt wären, so würden sie sich durch Uebcrläufer noch mehr füllen. Kurios war aber seine Verlegenheit, als er am letzten Feiertag in Wochen tägigem Anzug (ob mit oder ohne schweigt die Muse der Geschichte) in die Synagoge trat und zu seinem Mißvergnügen eine zahlreiche, festtägig gekleidete Versammlung vorfand. In den Gebeten wurde jn.v anstatt niüDn .IN eingeschaltet, als wenn es noch ein abstraktes an, das nicht die drei wäre, gäbe! Oder bezog sich das ^rnn NN ans den heiligen Bogeslarls-Tag, der an diesem Tage im katholischen Kalender eingezeichnet ist? Sie kennen sich denken, wie diese knabenhafte Reformstümpereien das jüdische Publikum belustigt. Die schlagendsten Jmprömptüs wurden zu Tage gefördert, und man fühlte sich geneigt mit zu lachen, wenn es im Grunde nicht gar zu traurig wäre, daß man dem Volke mit Zangen sein Heiligthum aus dem Herzen zu ziehen , für seine Lebensaufgabe halten kann! Fürchten Sie nicht, ich werde nicht in Jermiaden verfalle!:. Ich gebe noch nicht alle Hoffnung auf, nicht einmal diese, daß nicht derselbe Mund, der so Großes gesprochen, seine eigenen Worte einst widerruft; es wäre nicht das erste Mal. Eine kleine Hinterthür zur nwn hat er sich in dem Prospektus zur Fortsetzung seiner Zeitschrift schon offen gelassen. Verstehen Sie die Worte anders? ,,Den Worthelden gegenüber, welche überall Heuchelei und Arglist, überall Schwäche und Beschränktheit erbtickeir, wenn nicht alle Ketten z erst) a u e n, alle Rü cksichten auf die vorhandenen Zustände in den Gemeinden verspottet werden — sie (die Zeitschrift) wird dieser hohlen Renommisterei entgegentreten ohne Angst und ohne Zagen davor , selbst von ihr in die Rumpelkammer des Antiquirten geworfen, selbst mit den. Beschimpfungen vom hierarchischen Gelüste und eingebildetem Geistlichenstolze belegt zu werden^. Das möge sich Hr. Rebenstein und dieMitarbeiter an der Reformzeitnng ad nolam nehmen, es scheint ein freundlicher Gruß an sie und ein schöner Dank für das ,,Märtyrer und Apostat" zu sein. — Sonstige Neuigkeiten von hier habe ich Ihnen wenig mitzutheilen. Durch bedeutende Anstrengungen von beiden Parteien sind die Hilfsbedürftigen für diesen kostspieligen Feiertag reichlich unterstützt worden. Der cmgeborne Wohlthätigkeitsßnn trägt doch immer den Sieg über alle natürlichen und künstlichen Widerwärtigkeiten davon. — Das prachtvolle Fränkelsche Hospital soll nächstens bis auf den Grund demolirt werden, weil der Mauerschwamm immer weiter um sich greift und das umfangreiche 'Gebäude baufällig und unsicher zu machen droht. Die bedeutende Neperatur, die über 20,000 Thlr. gekostet haben soll, blieb ohne Nutzen. Daraus soll eine Reibung zwischen dem Vorstand und dem Kuratorium des Frankelschen Nachlasses entstanden sein. F. Db erschlossen, im März. Wiewohl diese Zeilen wenig Erhebliches enthalten, so dürften Sie Ihnen geehrter Hr. Red. dennoch recht sein, da Ihr Blatt schon längere Zeit keine Korrespondenz ans Oberschlesien gebracht hat. Mich aber treibt eine Hobe Pflicht diesmal die Feder zu ergreifen, die Pflicht nämlich der Ehrenrettung des Breslauer Emaneipations-Zweckeffenö, welches jüngst ein Cerrespondent so schonungslos angegriffen. Man erzählt sich hier, (was ich jedoch nicht sicher verbürgen kann), daß die Petition bereits im Druck erschienen war, bevor es noch den zur Bcrathung über dieselben eingeladenen Deputaten der oberfchlcfischen Gemeinden möglich gewesen, sich in Breslau einznstnden. Wollen und dürfen wir nun das Brest. Obcr-VorsteHerkollegium, als Männer von Ton und Welt, nicht der Unhöflichkeit zeihen, als hielten sie die Oberschlester für solche Strohköpfe, mit denen es nicht der Mühe verlohnte, über einen wichtigen Gegenstand zu bcratheu, und die man daher, ihres beifälligen Kopfnickens gewiß, nur pro forma einzuladen geruhet; wollen und dürfen wir ihnen nicht den lieblosen Vorwurf machen: sie berathen nach der That; so bleibt kein anderer Ausweg als anzunehmen, das glanzvolle Licht der Erleuchtung unsers hellfehenden Jahrhunderts, das, seitdem der liebcathmende Satz, Kampf ist Leben, den Rabbmismus mit seinem altvaterischen:' ohne Friede ist nichts, in Breslau verdrängt hat, daselbst besonders in höchster Glorie strahlt, haben die Breslauer klar sehen lassen, daß die Oberschlester mit ihnen in Allem völlig nbereinstimmen werden; und daß sie recht gesehen beweist der Umstand, daß wir nicht hören, die oberschl. Deputaten hätten an irgend einem Punkte der Petition Anstoß genommen, auch den Passus o der gemischten Ehen mit eingerechnet. Nunmehr aber

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.