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Der Orient · 1847-04-23 · Heft 17 (23.4.1847) · p. Seite 130

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 17 (23.4.1847)
Date
1847-04-23
Page
Seite 130 (sequence 3)
Language
German
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— 130 — in Deutschland erinnert sich gewiß seines so umsichtigen wie humanen Referats, das er bei dem letzten Landtage auf die vielen Petitionen der Israeliten vor der Kammer, abgegeben hat. Der Herr nehme ihn auf in den Bund der Lebendigen! — Dem Lehrer und Vorsänger Iondorf in Dientenhofen (Mittelfranken) ist nunmehr' auf seine unterthänigste Vorstellung an Se. Majestät den König, ihm die Ausäßigmachung über die Matrikelzahl zu gestatten, abermals eine abschlägige Entschließung zu Theil geworden. — Wie die k. Regierung von Mittelfranken überall den Lehrern sich gewogen zeigt, ergiebt Folgendes. Die Gemeinde Mt. Erlbach hatte mit ihrem Lehrer Wornitz bei seiner Anstellung einen umfassenden Dienstvertrag abgeschlossen,. wofür beide Theile einen bedeutenden Kostenbetrag zahlen sollten. Dem Lehrer wurde auf erhobne Vorstellung sein Theil erlassen, die Forderung an die Gemeinde aber, heißt es in der desfallsigen Entschließung, besteht zu Recht. — Die Einsetzung des Rabbiners Dr. Wein mann in Welbhauhausen ist noch nicht erfolgt und dürften also die Anstände erheblich sein. Auch Weißkopf harret derselben in Wallerstein. Vielleicht bringt uns schon die nächste Zeit bezeichnende Entschließungen unseres Kultusministeriums! — . Berlin, 11. April. Während die Stände sich in den weißen Saal legeben, bin ich im Begriffe eine oratio pro domo, d. h. für das Judenthum zu schreiben. Ob man damit zufrieden sein wird, weiß ich so wenig, wie der ZW. was dem Judenthum Roth thut. Vielleicht thut der ZW. dem Judenthum Nöth. Während der Katholicismus eine monarchische, der Protestantismus eine konstitutionelle Verfassung hat, bildet das Judenthum eine Republik und besonders in unserer Zeit. Jeder herrscht oder will herrschen. Wie viel Juden haben nicht am ersten Pesach-Abend die Freiheit proktamirt, und dies mit dem Glase Wein in der Hand! Das Judenthum hat jetzt unzählige Regenten und einen automatischen Fürsten ohne Land. Wohin soll der jüdische Republikanismus führen? Zu Unordnung und Zwiespalt. Wie traurig sieht es in den Gemeinden aus, wo lot capita lot reges; und welche Miöhandlungen muß.das armeJudenthnm erleiden? Der Eine zerrt am Kleide, der Andere verrenkt ein Glied, der Dritte schneidet einen Finger ab und der Vierte schickt es zum Christenthume. Man sollte aber glauben, daß Republikeingroße Helden erzeugen; von Heldenmut!) ist aber so wenig Spur, wie vom Lichte in den finstern Spalten des ZW. Wäre nicht Hold he im bei uns, so wäre es um den Heldenmuts) der Juden geschehen. Er hatte doch wenigstens den Muth, ein Rabbinat aufzugeben und dafür eine gute Stelle einzutauschen. Doch kfy fürchte ernst und langweilig wie mancher Schriftsteller zu werden, der für Israels Ruhm sich die Finger wund schreibt. Aber meine oratio pro domo ist noch nicht zu Ende; sie beginnt eigentlich erst für mei n H aus. Ich habe nämlich zwei 9iai66inatöfanbib'atm zu Nachbarn: rechts einen alten und links einen neuen. Der Alte übt sich int Schimpfen anfAlles, was über das 18. Jahrhundert hinausgcht; der Neue perorirt laut gegen Alles, was nicht seit 1845 datirt; ich bin in der Mitte und höre täglich ein Duett von Schmähungen und Schimpfreden, so daß ich glaube in ein Wespennest der jüdifchenJournalistik gerathen zu sein. Welchen trefflichen Sukkurs könnte ich den jüdischen Journalen bieten, wenn ich die Ergüsse meiner Nachbarn aufzeichnen wollte. Täglich bete ich, nach der Vorschrift Ihres emcrirten Rab den psn '»T» gegen böse Nachbarn; er scheint aber so wenig zu fruchten wie der VT» gegen Se. Ehrwürden den Satan und Ihre Hoheiten die Schedim. Rechts und links höre ich nichts als 'oniDi Bnvi.^lbr, wofür Beide geklopft zu werden verdienen. Ich wollte meine Wohnung ändern, allein in unserem XtcX^cn 5ltf;cn ftnb überall die beiden Nachbar-Extreme zu treffen. Sieht cs aber blos in meiner Wohnung so aus? — Unsere Frauen gehen damit um — obwohl die Damen nicht immer umgänglich sind — eine jüdische Damenzeitung herauszugeben. Alle Frauen der Rabbiuen, Prediger und Lehrer sollen Beiträge liefern; blos die Frauen der jüdischen Redakteure sollten nichts zum Journal beitragen , .damit ihren Männern kein Ein t r a g geschehe. Ist das nicht loyal, um mich eines französischen Ausdruckes zu bedienen? Die Tendenz der Zeitschrift soll besonders gegen die Speisegesetze gerichtet sein, welche für die Berliner Damen sehr genant sind. Es steht uns also ein großer Kücheukampf bevor und besonders soll es auf dm Traktat Chullin abgesehen sein. Also ein neuer DW TiD. Die erste Nummer sott durch eine Polemik, wie e§ für ein jüdisches. Journal passend ist, eröffnet werden. Nach dem Talmud sind nämlich blos die Damen frei von der Erfüllung der Gebote nd*U; jetzt wokterr aber auch die Männer sich dieses weiblichen Vorrechtes bedienen, was ein Eingriff in das Frauenrecht ist. Ich frage aber die Damenzeitung in spe: Ist nicht eine Zeitung auch ein Ding jftjrw ND~0, von der die Damen ausgeschlossen sind? * Breslau, 9. April. (Reformzustände.) Haben Sie schon von den Hoffnungen der deutschen Reformer gehört? Man erzählt sich , daß die baierischen Neologen, die bisher fast unter polizeilicher Aufsicht gestanden, über deren Häuptern unter dem Ministerium Abel das Damokleö - Schwert der Suspendirung geschwebt, sind jetzt im Begriff ihr Glaubensbekenntniß unter die Protektion des neuen Ministeriums zu stellen. Eine edle Donna erklärte zwar mehrern europäischen Blättern, daß sie sich jetzt nicht mehr in politische Händel mische; doch dürfte sie vielleicht die Religion nicht mit der Politik verwechseln und den armen jung-bäurischen Rabbiuen, die gezwungen sind, ihre Gesichtsmienen mit orthodoxen Falten

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