Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1847)
- Date
- 1847-04-16
- Page
- Seite 124 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360489--5878-3533102- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 124 Frankreich. Paris, März, ©er „Corsaire Laian" schreibt: ,,ES bestehen in Paris mehre' deutsche Korrcspcndenz- Bürcaus's, die, kein Wort französisch kennend, und mit gebildeten Männern keine Verbindung habend, den Journalen jenseits des Rheins, eine Menge-stereochpirtcr Albernheiten und Litographirter Lügen schicken. Wir werden in diesen Tagen einige Muster davon aufstellen, doch heute müssen wir . nur einen pariser Artikel beurteilen, der durch Hrn. Karl G.... der ,,Kölner Zei-' tung" eingesaudt worden ist. .Es ist ein Artikel, den auch die „Augsburger Zeitung" gebracht, hat. — Hr. G.... ist ein mittelmäßiger Schriftsteller, der, da er in Deutschland nicht florirte, nach Paris ging, wo er von einigen Freunden und deutschen Arbeitern unterstützt wird. — Hr. ©.... macht aus seinen kommunistischen INeinungen kein Gehemmiß, da er sie in mehreren Werken veröffentlicht hat. Dieser G.... greift in einem. Artikel, den er der genannten deutschen Zeitung geschickt, die französische Regierung an, da diese gegen die deutschen kommunistischen Arbeiter ist. Wir hätten dies aber gar nicht erwähnt, wenn Hr. ©.♦.♦ nicht in demselben Artikel deutlich Ausdrücken würde , daß - ,,a lle deut sehe Juden in Paris Polizeispione seien". Hier hat man Gelegenheit zu sagen, .daß alle deutsche mittelmäßige Schriftsteller die Juden angreifen, weil in der deutschen Literatur die Juden, Dank ihres Talentes und oft ihres Genies, eine hervorstehendeUeberlegeuheit haben. Also scheint uns, >aß Hr. G.... schlecht angckotnmen ist, sich über die französische Gastfreundschaft zu beklagen. Es sind in Paris 15,000 deutsche Arbeiter, ob schon sich in Deutschland wenig französische Arbeiter niederlassen können. - Es sind vielleicht im ganzen deutschen Bunde keine 100. Was die deutschen Inden hetrifft, so ist Hr. G.... noch undankbarer, da wir einige derselben kennen, die ihn mehr als einmal unterstützt haben. Ist dies Schuld daran, daß er sie angrcjft? Endlich kann ja nicht die ganze Welt aus Communisten bestehen, und wenn auch der Dichter He rw eg h, durch eine j ü d i s ch e H e i r a t h bereichert, sein Vermögen nicht theilen wollte^, so folgt dennoch hieraus noch nicht, daß die deutschen Juden Polizeispione seien. — . ' Paris, März. Auch in unserer Mitte hat der Kampf für und wider Reformen begonnen; und wie es in der Regel zu geschehen pflegt, wollen diejenigen der Reform das größte Terrain zuweisen, die am wenigsten vom Judenthnm wissen. Viele die Nichtwissen, wann Fasttage smd,^ möchten das Fasten abschaffen und die nicht hebräisch lesen können, erheben ihre Stimme gegen das Gebet in hebräischer Sprache. Im Elsaß klammert man sich an tvdte Formen mit der Starrheit des "blinden Fanatismus; in Paris herrscht der Jndifferentismus und die Reformsüchtigen sind besser auf der Börse als im Judenthum zu Hause. Bei dieser Sachlage hat-die jüdisch-französische Journalistik ein weites Feld für ihre Thätigkeit. Die ,,A r ch i v e ö" predigen eine Reform im deutschen Styl; das ,,Univers" will den gemäßigten Fortschritt, So weit meine Kenntniß von den französischen Juden ausreicht, ist das Prineip des ,,Un'ivers" für die Juden Frankreichs heilsamer, wenn ich auch gestehe, daß das konservative Blatt weiter gehen könnte. In Frankreich, wo die Religion entweder Modesache oder Rococo ist, würde eine sich überstürzende Reform nur schädlich sein. Alle wissenschaftlichen Theorien können die feste Anhänglichkeit der alten Juden nicht ersetzen. Der Form des Kultus aber könnten bei uns noch manche Verbesserungen zu Theil werden. Synagogenmnflk und Synagogengesang würden manches entfremdete Gemüth in das Gotteshaus znrück'führen. — Durch die Finanzoperation unserer Bank mit dem Kaiser aller Neuffen und das uneigennützige Nothschild'scheDarlehn von 5,000,000 Sfr. sah man in den hiesigen Zeitungen oft den Namen Rothschild neben dem des russischen. Kaisers figuriren. Die Prkncipier» der Theologe;?- BersammluAg. . Letzte Erwiderung. -(Schluß.) Was übrigens die Kollisionsfälle bei Moralgesetzen betrifft, die Hr, F. weitläufig bespricht, so würde ich diesen Theil übergangen haben, wäre mir nicht der Vorwurf gemacht worden, durch meine Behauptung den Talmud giftig angegriffen zu haben. Ich räume allerdings ein, daß die Religion.nie erlauben kann, unmoralisch zu handeln, wo es aber gestattet ist, ein moralisches Verbot zu übertreten, da weicht dieses Verbot entweder einer höhern, wichtiger» Moralpflicht, oder die Handlung hat unter gewissen Umständen nichts Unmoralisches. Aber dieselbe Bewandtniß hat es auch in Kollisionsfällen bei Ceremonialgesetzen, nur muß man die Selbsterhaltung nicht vom Gesichtspunkte der Selbstsucht betrachten: Die Erhaltung des eigenen Lebens ist eine heilige, religiöse Pflicht, welche das Gesetz höher stellt, als den Sabbat, und darum nur muß ihr der Sabbat weichen. Die Erhaltung des eigenen Lebens ist eine eben, so hochwichtige Moralpflicht, als die Lebensrettung eines Anderen, und kann ihm auch darum manche mmderwichtige Moralpflicht in Kollisionsfällen weichen. Ich behaupte nach wie vor, daß eine Notblüge zur Erhaltung des Friedens, zur Abwendung von Haß und Zwiespalt erlaubt fei, weil die Erhaltung des Friedens eine höhere moralische Pflicht istweil Haß und Zwiespalt der hier durch