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Der Orient · 1847-04-16 · Heft 16 (16.4.1847) · p. Seite 123

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 16 (16.4.1847)
Date
1847-04-16
Page
Seite 123 (sequence 5)
Language
German
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123 über große und kleine Reformen. Da dieMazzot, trotz der neu erfundenen Maschine, aus der Mode kommen, so wäre es passend, wenn der Rabbiner am ersten Tag Pesach seiner Gemeinde eine Mazza von der Kanzel herab zeigte und die Worte ausricfe: N'jy NDni? sro. Ein Choralgesang und Orgelbegleitung dazu — 'wäre dies nicht feierlich und erhebend? Da auch „Schaf" bedeutete so könnte der Prediger, der Hirt der Gemeinde, zugleich ein feines Wortspiel machen. Da ich der Erste, bin, der diese Reform-Erfindung gemacht, so bitte ich, daß die Zeitgenossen sie nicht einem Andern znschreiben, und die Erlösung — nach dem Aussprüche des Holdheick'schen Gegners: nüiN Dtfiö 121 IDWn b —- nicht hindern. Jetzt wird es mir auch klar, warum wir nicht erlöst sind —- von diesem und jenem Uebel: DiePtagiate sind Schuld daran! Dieser Rabbiner begeht ein Plagiat an Eisenmenger, jener an Dohm und Lavater, eluDritter.cm Chiarini u. s. w. — Die zweite Erfindung, die ich gemacht habe ist, daß man während des inv-Essens Schwefeläther nehme. Der ZW. hat allerdings ein strenges Verdikt auf den Schwefeläther gelegt, da er an Scdom erinnert. Die neueste Nummer des ZW. hat mich überrascht. Ich setze seine eigenen Worte her: „Nothwendigket, das nDD sI^peinzuflrhren. Wenn wir auch durch unsere Worte die Kühe entbchrlich machen —".UW D.nD nobw —, so ist es doch mit den Lämmern nicht der Fall. Wir finden es dcher für nothwendig, die Schafe zu Ehren zu bringen. Zwar haben wir n"y2 teilt ö"fp, auch sind wir in aber wir haben jetzt zu streben, das Aelteste zu erhalten. Mehre unserer Abonnenten haben bereits Schaft gekauft. Rur darf der nb)y keine sagen, und das muß verbrannt werden, und mit Cato rufen wir aus „caeterum delendum esse“. pVn — Die dritte Erfindung ist, daß man das ym auf Aktien verkaufe. Da die meisten Aktionäre die Zahlungen nicht einhalten, so kann man dasselbe nach acht Tagen wieder zurückbekommen. Ein eigenthümlicher Fall beschäftigt hier die-Gemüther. Ein Reformgenoffe hatte sein ^Dn verkauft an eine Person, die während des Festes fallirt hat. Natürlich wurden alle Effekten des Schuldners in Beschlag genommen. Die NG. hat daher beschlossen, das pm für sich zu behalten. — Meine vierte Erfindung ist, daß man NDr6 NHD in französischer Sprache sage. Vielleicht bequemen sich unsere Sälorisdamen, em „Tolci le pain miserable“ zu recitiren. Aramäisch ist doch keine Salonsprache. — Unsere neue Synagoge in spe findet keine paffende Stelle. Biete Rabbinatskandidaten lachen sich in's Fäustchen, daß nicht einmal eine Berliner Synagoge eine Stelle finden kann. Wäre sie Mitglied der R.-B., sie würde leichter eine Stelle bekommen, wie Dr. Einhorn es beweist. Ein Me klenbnrger äußerte, seine Gemeinde hätte jetzt wenigstens ein ^p bekommen, und mache durch den Verlust Holdheim's noch nrn. Ein Reformer hat einem hochgestellten Beamten die Bemerkung gemacht, daß es die höchste Zeit wäre, die Juden zu emaneipiren, denst es könnte leicht geschehen, daß die Emaneipation die Juden nicht mehr treffen würde, da so Biele ertränken. — Der ZW., mein Liebtmgsblatt, erscheint nächstens mit Karrikaturen. — So eben erfahre ich , daß die Censur von nun an das J'EOT b streichen wird, da es offenkundig den Kommunismus predigt. * Oe st e m et ch. Prttg, 6. April. Ein Korrespondent berichtet mir in einem Schreiben vom 6. d. daß am 5. April in allen Synagogen ein religiöses Danksest wegen des allerhöchsten Gnadenaktes in Betreff der Aufhebung der Jndcnsteuer gefeiert wurde. Taideuz-Reden wurden zu diesem Zwecke gehalten üt drei Bet Häusern, nämlich tu der Altneu-Schute vvnHrn. R^rpap o rt, in der Pinkas-Synagoge von Hrn. .'Dr. Wessely und im Tempel von Dr. Kämpf, und der Korr, rühmte jede dieser Reden als ausgezeichnet und originell, über die wir aber, hier , da solche Reden das größere lesende Publikum nicht iuteressiren, weiter nicht mittheiten können.. Freilich müßte eine solche Feier nicht blos durch glänzende Reden, sondern durch entsprechende Thaten gefeiert werden; die größte Gemeinde Böhmens und fast eine der größten in Deutschland, sollte bei einer so schönen Veranlassung an der eigenen Verjüngung und Herausbildung arbeiten, sollte durch Reorganisirung ihrer Schuten, durch Einrichtung eines Rabbiner- und Lehrerseminars auf eine bessere Gestattung des religiösen Lebens hinwirken. Von dergleichen Vorsätzen weiß jedoch unser Korr, nichts, sondern mir von Reden, wobei mit großer Selbstgenügsamkeit und eng umgrenzter Anschauung der/Weihrauch des Lobes gestreut worden. Synagoge oder Tempel werden wahrlich dadurch weder besser noch schlechter, wenn einmal daselbst eine gute oder schlechte Rede gehalten wird; wo die jüdische Schule auf so niedriger Stufe steht, wo, noch aus dem Bue Zion e.raminirt wird und. Demoralisationen damit verbunden sind, wo noch die Jünger des Rabbinismus oder Rabbinatskaudidaten mit planlosem Studium des Talmuds, mit nutzlosen Hirngospinnsten ihre Zeit todtschlagen müssen, wo man noch zum Schurr geht,-um ein Kollegium über das EKravagaute zu hören oder vielmehr sich von demselben selbst durchdringen zu lassen, wo noch der Sium eines tcilmudischen Traktats mit seinen zehn Papa-Söhnen und andern Schnörkeln noch ein so großes Fest sein kann, daß Tempelprediger und Rabbiner sich dazu vereinigete, wahrlich da kann bei allen Reden und Phrasen das Werständniß dieser Steuerablösnng noch gar nicht aufgeKangcn sein. 16 *

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