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Der Orient · 1847-04-09 · 15 (9.4.1847) · p. Spalte 229-230

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
15 (9.4.1847)
Date
1847-04-09
Page
Spalte 229-230 (sequence 3)
Language
German
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239 23« Studien. Geschichte der jüdischen Literatur in Babylonien. die talmudrsche Decisi'on(Halacha) ihm zuerkannte3", erlangte er nicht blos durch das Studium unter Samuel allein, sondern auch durch seine Stellung zu dem damaligen Exilarchen..und die dadurch erlangte Gelegenheit zu einer großen Praxis; und er war sich nicht nur dieser Ueberlegenheit vollkommen bewußt, er rühmte sich nicht nur sehr oft dieses Vorzuges und machte ihn zuweilen scharf genug geltend^", sondern Hü na wies auch auf diese Beziehung zum Exilarchen hin315. Beim Antritte seines Rektorats nämlich war R'Abba b. Abuh Exilarch und zugleich berühmter Lehrer der Traditionen31G, und Na chm an b. Jakob hatte seine Tochter Jalta, die den Lehrern der Hochschule als Frau Nachman's, wegen ihres Stolzes und Uebermuthes, vielen Verdruß machteU1, zur Frau3'3. Dieser auch als Lehrer bekannte Exilarch, ein Schüler Rab'63" und als Ahn Scherira's angeblich wie alle Exilarchen von Davidischem Stamm 320, war als Lehrer der Traditionen auch gleichsam der Lehrer Nachman's3^, der wirklich oft in seinem Namen Lehrsätze anführt322. Er hatte auch wie der Rektor Nachman damals seinen Sitz in Neharde"a, und mit ihnen war nach Nab Sch escht als Lehrer an 313) Hüna oder Schescht gegenüber war die talmudische Enrscheidung in Rechtssachen immer wie Rab Nachman. Sed. ha-Dor. 1. e., wo auch die Belege. — 314) Ketubot 94b; BB. 65 a; ib, 151 a; Sanh. 5a; Bechorot 37 a. Er allein erlaubte sich in civilrechtlichen Sachen ohne Kollegium zu entscheiden, hielt sich auch für den befugtesten von der Hochschule autorisirtesten Richter, und sah auf die übrigen Richter tief herab. Seder ha-Dorot 134a. — 315) Baba Batra 65 a. — 316) R'Abba ist, wie oft im Talmud, in Rabba zusammengezogen worden und Scherira (1. c.) hat auch die zusammengezogene Form. Daß er aber eigentlich R'Abba geheißen, sieht man theils daraus, daß sein Sohn als Nachfolger im Exilarchat *Ukba b.- Abba genannt wird, theils daß sein Schwiegersohn Nachman, da wo es galt, seine hohe Verschwägerung geltend zu machen, sich Nachman b. Abba nannte (Kidd. 33 a). Er ehrte übrigens seinen Schwiegervater auch dadurch, daß er seinen Sohn R'Abba.nach ihm benannte, wo aber an einigen Stellen fälschlich Raba (n:ti) steht. — 317) Ueber diese vergl. die gegebenen Nachweise in der folgenden Anmerkung. ~~ 318) Aus Jebamot 80 b sieht man, daß R'Abba b. Abuh ihm die Tochter gegeben, und da diese alsTochter des Exilarchen oft bezeichnet wird , wie Nachman als Schwiegersohn desselben (Gittin 67a; Beza 25b Tos.; Sukka 10b Raschi; ib. 31a; Baba Batra 65a Raschbam; Ketubot 64 b; Kidd. 70 a), so ersieht man daraus, daß R'Abba damals Exilarch war. Ungenau wird aber R'Abba zuweilen und sein Haus 'I, eine übrigens häufige Entlehnung von der Patriarchenwürde in Palästina, hie und da genannt. Scherira bedient sich dieses-Namens, weil er in Bezug auf seine Familie den Namen Exilarch nicht brauchen wollte. —- 319) 'Erubin 95 6; 'Aboda Sara 51a. —- 329) Scherira 30 und 35. — 321) "Erubin 59 6 Tos.; Gittin 32 a Tos. — 322) Berachot 21; 'Erubin 75 b; 77 b; 78a; 85 a; Sabbat 64 a; e. 18 Ende; Baba Mezfa 99 a; Sebachim 44 d; Keritot 18 a. — dieser Hochschule thätig. Nachman als Rektor und Präsident des'Gerichtshofes, geachtet und geschätzt als einer der tüchtigsten Nechtskenner 323, und als Schwiegersohn des Exilarchen mit großem Glanze auftretendm, lehrte ungestört zu Netz a r d e" a, bis eine Katastrophe für die Hochschule wie für Neharde^a selüst hereinbrach, welche die-Lage änderte. Im Jahre 258 n. Ehr., im achten Jahre des Rektorats Nachman's, kam ein syrischer Empörer gegen Sch-lbür 1., Papa b ar Nezer mit Bamen, nach Neharde^a, plünderte und zerstörte theilweise die Stadt, und führte auch viele jüd. Gefangene fort 325. Dieser Bar Nezer stand an der Spitze einer Räuberhorde, deren König er genannt wurde , und er galt im Talmud als Typus eines Räuberkönige u-nd dessen Regiment wird daselbst „Malchüt Bar-Nezer" genannt323. jgfa-. solches Ereigniß mußte natürlich das Leben der Hochschule zerstören. Die neharde*a'sche Hochschule löste sich auf, obgleich die Gemeinde blieb32''; der Exilarch R'Abba b. Abuh ging nach Machusa"3, m g^de schon eine Schule sich zu bilden 323) Seinen Genossen Hüna und Schescht gegenüber wurde bekanntlich in Rechtfällen nur nach ihm entschieden. Er hals zur Ausbildung des jüdischen Rechts nach der ihm einmal eigentümlichen Grundlagen; aber er verstand das persische Recht, nfO"lETi (Schebrflot 34b), und er nennt es ausdrücklich, wenn es galt, das jüdische Recht mit demselben nicht zusammenfließen zu lassen. Daß er njJW flD’n eingeführt, ist aus Tr. Schebu'ot bekannt. — 324) Kidduschin 33 a; Gittin 31b. — .325) Scherira 35 und dazu vgl. Kccubot 51 b. Nach diesen Quellen berichten dieses Ereigniß die Chronisten. — 226) Ketubot 1. e. — 227) Scherira 1. c. Daß die Gemeinde noch immer dort blieb, sieht man schon daraus, daß sehr oft bis spat herab Neharde*a als Gemeinde erwähnt wird und viele Lehrer kamen von daher. Auch war später wieder da eine kleine Schule. — 228) Außer dem Berichte Scherira's (l. o.), daß R'Abba um 258 nach Machusa ging, ersehen wir dies auch noch aus Baba Mezsa 114. Dort war bereits früher ein Lehrer, nämlich Joses b. Chama, der Vater Naba's (Scherira I. c.) und Abba, welcher av ihn sehr viele Fragen richtete (Baba Batra 157b), scheint unser Exilarch R'Abba zu fein. Jndeß behielt Nachman auch über Machusa eine gewisse Suprematie, und die Lehrer, welche nach Pum-Badita aus Machusa kamen, reftrirten Lehrsätze vvn Nachman (Gittin 39b). — Was nun die Lokalität M ach usa's anlangt, so lag sie in der Nähe von Madein, wie zugleich in der Nähe von K t e s i f o n. Auch die neue Stadt, welche N u sch irwan (reg.. 532—579) nach dem Muster des eroberten Antiochia angelegt und R u m i a (Römerstadt) oder K h o j r u- A n t i o ch i a genannt, war ganz in der Nahe von M a ch u sa aufgebaut, daher zu Abulfarag^'s Zeiten, wo das alte Machusa gar nicht mehr existirte, Rumia el-Machusa (Hist. Dynast, ed. Pokocke p, 49) genannt wurde. Beim persischen Feldzug. Kaiser Julian's um 363 wurde die Burg desselben, nachdem die Einwohner sich geflüchtet, von den Römern zerstört (Ammian Marcellin 24. 4. 2. sie heißt da Maogamalcha d. h. Machusa-Malka), und wahrscheinlich litt dabei auch die ganze Stadt; aber die geflüchteten Einwohner sind : wohl bald zurückgekehrt,, und die Stadt mag sich bald erhole haben, da wir später dort wieder eine jüdische Gemeinde an- 15 *

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