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Der Orient · 1847-04-09 · Heft 15 (9.4.1847) · p. Seite 118

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 15 (9.4.1847)
Date
1847-04-09
Page
Seite 118 (sequence 11)
Language
German
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118 sich daher schwerlich die Mühe nehmen, Citate nachzuschlagen, oder überhaupt ernstlich zu untersuchen/ Ich würde daher die Ausstellungen des Hrn. F. unberührt gelaffen haben,, wenn es sich nicht gerade um Principien handelte, die auf die wichtigsten ZeLtfragen den bedeutensten Einfluß haben. Weit entfernt, irgend Jemand meine Ansichten aufdringen zu wollen, noch hoffend dem Hrn. F. von seiner, seit Jahren liebgewonnenen Theorie abbringen zu können, will ich vielmehr nur in möglichster Kürze darthun, warum ich bei meiner Meinung verharre und die Gründe des Hrn. F. für nicht überführmd halten zu müssen glaube. .! , Ich habe in meinem erwähnten Aufsatze drei Prineipien ausgestellt in der Voraussetzung, daß die meisten Herren, welche sich-zur Theologen-Versammlung gemeldet, dieselben anerkennen, und zwar:; >1) Den Glauben an eine unmittelbare Offenbarung d. h., sie glauben, daß Gott unsere Vorfahren sich auf' übernatürliche Weise, ganz wie die h. Schrift es erzählt, auf Sinai geoffenbart, wodurch sie (die Vorfahren) .die Ueberzeugung erlangt, daß Gort es ist, der mit ihnen rede; sie haben vernommen, wie er za Mose sprach u. s. w. ' 2) Oie Tradition. .3) Die Autorität des Talmuds, d. h.: alle Traditionen wurden' gesammelt und im Talmud niedergelegt...... und selbst rabbinische Anordnungen können nur unter gewissen, vom Talmud selbst gegebenen Bedingungen modificirt oder aufgehoben werden» - Hr. F.. bekennt sich zu dem 2ten Princip vollständig, zu dem ersten jedoch nur dem Wesen, nicht aber den Worten nach. Die Israeliten hatten nur die Ueberzeugung, daß Gott die Befolgung der geoffenbarten Gebote und Verbote verlange, und daß Er Mose bestimmt habe, ihnen diese deizubringen, nicht aber haben sie gehört noch vernommen, daß Gott geredet, 'weil, wie Hr. F. in einer Note bemerkt, Gott sich. nicht verkörpern, nicht mit den Sinnen in Verbindung treten und daher auch nicht wie ein Mensch mir dem andern sprechen kann. Die Offenbarung'ist demnach dem Hrn. F. nur eine innere geistige Anschauung oder, wenn ich recht verstehe, ein innerer Glaubensdrang, von welchem man sonst keine Rechenschaft zu geben vermag, und die einzige Bürgschaft für die Wahrheit dieser Anschauung ist das Wunder, daß eine Million Menschen in einem .und demselben Augenblicke eine und dieselbe Wahrnehmung hatte. So wenig Intelligenz auch .Hr. F. mir Zutrauenmag, so hätte er dennoch annehmen sollen, zdaß ich bei dem Ausdrucke : Gott habe geredet u, s. w., an eine Verkörperung Gottes, an ein Reden mit sinnlichen Organen nicht gedacht, sondern jene Worte nur in dem Sinne verstanven habe, wie dies alle jüdischen Philisophen erklären, daß Gott auf wunderbare Weise eine Erschütterung in der Luft entstehen ließ, geeignet, diejenigen Töne und Laute hörbar zu machen, die Er nach seiner Absicht vernehmen.taffen wollte, was Hr. F. wissen sollte und auch sicherlich weiß. Ich finde in dieser Annahme durchaus nichts Vernunftwidriges, sobald man nicht überhaupt die Möglichkeit der Wunder in Abrede stellen will. Wenn also auch Hr. F. mit den Worten meines vorgedachten Princips nicht einverstanden ist, so gereicht es mir aber zur Beruhigung, daß. alle Heroen der Judenheit mit denselben vollständig übereinstimmen. Ich ersuche den Leser, gefälligst nachzuschlagen Em. we-Deot Abhandl. II. K. ,8 (Editio Berlin 549 folio 33'!).) ntO K §§♦ 87. 89. "miD 1 K. 65. ibid 11. K. 33. 44. ibid 111 K. 8. im Kommentar des Schein Job (Eclirio llessnirr. lt. 592. kolio 92. b.) Dnpy 111. K. 9. 11. rrppy Pforte 89. insonders aber Maimuni m'NN ND' K. 8. §. 1., wo sich das -mehrerwähnte Princip beinahe wörtlich findet.' Wie übrigens Hr. F. nach seiner Auffassung der Offenbarung mit den ausdrücklichen klaren Worten der h. Schrift sich zurecht finden will, muß natürlich ihm selbst überlaffen bleiben: denn daß man hier mit dem Grundsätze min . mm D7N.m. nicht ausreicht, wird auch der Kurzsichtigste auf den ersten Blick einsehen; ich verliere daher kein Wort darüber. So viel behaupte ich jedoch, daß Hr. F. mit seiner Offenbarungshypothese ganz allein dastehet, und dürste er kaum im Stande sein, auch nur eine einzige orthodoxe Autorität für diese sprechend nachzuweisen. Gleichwohl aber ist diese Hypothese wederneu noch originell. Wenn ich nicht irre, so soll' dies ein sogenanntes j ü d i sch e s B e w u ß t se in vorstellen, dem christlichen Bewußtsein Schleiermachers nachgebildet. -Es ist allerdings nichts Neues, daß man nicht jüdische Ideen an den Haaren herbeizieht, um sie dem Judenthume gewaltsam anzupaffen, was aber zu keiner Zeit heilbringend war, noch je sein wird. Die Konsequenzen, die sich an die Offenbarungstheorie' des Hrn. Fasset knüpfen, wollen wir unbeleuchtet lassen. *). Nun zum dritten Princip, die Autorität des Talmud, und daß selbst rabbinische Anordnungen nur unter gewissen, vom Talmud selbst gegebenen Bedingungen modificirt oder aufgehoben werden können, was Hr. F. gleichfalls bestreitet. Er meint, wenn hier, wie es scheint , von einer Aushebung für immer die Rede sei, so, daß irgend ein Ge- 'oder Verbot nie und nimmer wieder bindende Kraft gewinnensoll, ,so können selbst rabbimsche Gesetze unter keiner Bedingungckuf- *) Hr. F. hat die Güte, in einer Note einen Theil seiner in Gleiwitz gehaltenen Predigt mitzutheilen. Dies veranlaßt mich zu der Bemerkung: daß ich an der Stelle des Hrn. F., alles Andere eher als die spekulative Untersuchung über die Art und Weise der Offenbarung zum Thema einer Predigt gewählt hätte, zumal vor einem Auditorium, das man nicht kennt, und von welchem man nicht genug gekannt ist. Man wird -sicherlich von Vielen gar nicht und von Manchen mißverstanden. Ich halte es überhaupt.für kein Zeitbedürfniß, den Antropomorphismus zu bekämpfen. Man läuft in unfern Tagen eher Gefahr, seinen Gott durch zu weit getriebene Abstraktion und Sublimation ganz und gar zu verlieren, als daß zu befürchten stcinde, Gott durch Verkörperung zu sich herabzuziehen.

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