Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1847)
- Date
- 1847-04-09
- Page
- Seite 117 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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117 — der proletarische Jude. Es bewährt sich hier der Satz,. daß selbst aus der Haut des Menscheu sich Riemen schneiden lassen, die Goldes werth sind. Der Jude niederer Klasse ist emsig und fleißig in seinem Gewerbe, sei er Mäkler, Krämer, Hausirer, Handwerker, Fuhrmann oder was immer. Diegrößte Mäßigkeit beobachtet er in seiner Lebensweise, die durstigste Wohnung bezieht er, die armseligsten Kleider bedecken seinen Leib, und dennoch ist er bei dem Gewinnste, der ihm in jedem Geschäfte zufließt und der ihn bei jener eingezogenen Lebensweise bald ein ansehnliches Kapital zur Seite legen lassen sollte, im wahrsten Sinne des Wortes ein Proletarier und gleichzeitig ein Sklave, wobei blos der Unterschied obwaltet, daß^der letztere in andern Ländern nur Einen Herrn hat, für den erarbeitet, der Jude in der Moldau aber für viele arbeiten, sparen, zusammenscharren muß, um deren Habgier und Gewinnsucht nach ihrer Willkür befriedigen und sättigen zu können. Dieser ist im Allgemeinen der Stand der Juden, die moldauische Unterthanen sind. Jeder, der Sklaven hat, sorgt m seinem eigenen Interesse, diese Nutzen und. Gewinn bringenden Geschöpfe zu erhalten. Ein egoistisches Interesse gebietet dieses. Dieses egoistische Interesse muß auch die Interessen im Innern der Moldau beleben und beherrschen, und diese Interessenten sind die einflußreichen jüdischen Geld-, und die mächtigen christlichen Adels-Aristokraten. Wo diese beiden Kräfte zusammenwirken, ist für ihre Goldgruben, die Fellah's, gewiß keine Gefahr zu wittern. Galatz, wo die neuerlichen Unruhen vorgefallen, ist ein bedeutender Hafen- und Handelsplatz, und kommt eigentlich ganz apart vom Innern der Moldau zu rechnen. Dessen jährliche überseeische Ein-.und Ausfuhr beträgt durchschnittlich 10,000,000'fl. K. M. — Sieben bis achthundert Seeschiffe di lungo Corso besuchen jährlich den Hafen. Die Dampsboote des österreichischen Lloyd, der. Wiener Donau-Dampfschifffahrt, und die der kcnscrl., russischen Regierung haben dortHaupt-Ueberlandö- Staiionen. Die nahe Grenze von Rußland, und das Tis-ä-Yis liegende Bulgarien geben auch zu einer vermehrten Handelsthäligkeit Anlaß. Gatatz selbst ist ein Freihafen, und zählt circa 3O,OOO Einwohner. Wie in allen Hafenvrten, und besonders in den Levantinischen, ist auch hier ein Zusammenfluß der verschiedenartigsten Bevölkerung, und darunter ein Pöbel, dessen Anteceden- Mr vor Einführung Der gegenwärtigen Ordnung in der Moldau und im türkischen Reichewohl bei vielen Raub¬ und Diebsgeschicbten eine mächtige Rolle gespielt haben mögen. Dieser Pöbel vermehrt sich von Jahr zu Jahr immer mehr. Ist es daher nicht wohl möglich, daß er im Winter, wo Beschäftigung und Arbeit ruhen, manchesmal Gelüste nach Anderer Hab und Gut bekomme? Attentate gleicher Art, die in den Jahren 1841, 42 und 43 in dem nahen Braila (Walachei, gleichfalls Freihafen) , von dem dortigen Pöbel gegen das Eigenthnm der christlichen Notabel): und Kaufleute gerichtet,? aber immer wieder, obwohl zwei Mal nicht .ohne bedeutendes Blutvergießen, unterdrückt wurden , fanden dieses Mal in Galatz gegen die Juden statt. Die Juden in Galatz sind meistens fremde Untertanen, die einzig und allein unter dem Schutze der respektiveu Konsulate stehen und durch solche gegen die obbesagten Bedrückungen der Lokalbehörden beschützt sind, daher sie sich auch je nach ihrer Beschäftigung eines mehr oder minder bedeutenden Wohlstandes erfreuen. Unter den Hcmdlungsfirmm von Galatz nehmen besonders die der öfter. Israeliten, als: I. Mendt, Ossias M. Kinkel st ein, Markus Thal, Salomon Gentili, Landauer Segala u. Comp., die großartige Wechsel-, Handlungs- und Speditions-Geschäfte nach Oesterreich, Deutschland, Italien, Frankreich, England und Belgien betreiben, den ersten Rang ein. Durch sie erhalten jährlich Hunderte von Personen, Christeil und Nichtchristen, während der Dauer der Schifffahrt Beschäftigung und nähmhasten Verdienst. Es ist nicht'vorauszusetzen, daß der Handel durch jene momentane Unterbrechung der Ruhe in dem kommenden Frühjahre einen Stoß erhalten sollte. .Der regierende Hospodar der Moldau, FürstMich» Siurdza, ist selbst erfahren in Finanz- und Handelsgeschäften. Er weiß gewiß zu schätzen, was die Zuversicht auf die Zustandehaltung der persönlichen Sicherheit für ein mächtiger Hebel für dm Handel sei. Sollten also nicht etwa in einem Hintergründe verborgene, von auswärts angefachte politische Jntriguen bei jener Ruhestörung die Hand im Spiele gehabt haben, so wird es der moldauischen Regierung wohl gelingen, erneuerten Versuchen der Ruhestörung energisch und erfolgreich entgegenwirken zu können. (Die Gegenwart.) Die Principien der Theologen- Versammlung. Letzte Erwidernng. ' Bor wenigen Lagen erst sind nur Nr. 7—8 des Orients a. c. zugekemmen, in welchen der würdige Rabbiner Hr. Fasset Manches in meinem .Aussätze (Orient Nr. 1. r». c) zu widerlegen sucht. - Wenn ich auch zugeben kann, daß die Besprechung theologischer Gegenstände, selbst in solchen Lagesblattern, deren Tendenz nicht ausschließlich, theologisch, dennoch nützlich sei, so halte ich doch ein tieferes Eingehen, namentlich eine ausführliche Kontroverse für ganz zwecklos. Die meisten Leser derartiger Seitblätter sind nicht Sachkundige , und selbst der Kundige liest mehr zur Erholung als zur Belehrung - er wird