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Der Orient · 1847-04-09 · Heft 15 (9.4.1847) · p. Seite 116

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 15 (9.4.1847)
Date
1847-04-09
Page
Seite 116 (sequence 7)
Language
German
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— ,116 - den Zustand ihrer Schulen genau zu.prüfen, ihm daEl der Berichte mit seinen erläuternden Bemerkungen zuzustellen. Dr. Lilienthat unterzog sich dieser Aufgabe mit dem gewissenhaftesten Eifer. Im Besitz aller ihm für eine so wichtige Operation nothwendig werdenden Aufklärungen schritt der Minister unverzüglich mit der ihm ' gewordenen höchsten Sanktion zur Ausführung dahin' bezüglicher Maßregeln. In allen Gouvernements, in welchen den Juden der Aufenthalt gestattet ist, werden, nach Form der christlichen Kirchspiels- und Distriktsfchulen errichtet, in welchen die Israeliten zu .dem Grade auszubilden sind, daß ihnen aus diesen der Uebertritt in jedes öfferüliche Staatsverhältniß rnöglich wird. Die Inspektoren und Direktoren dieser neuen Lehranstalten sind für ihr Verhalten mit einer besondern Speeialmsiruktion versehen worden. Ein höchster Ilkas bewilligt den an ihnen angestellten Lehrern und Schülern bei erwiesenen Auszeichnungen besondere Vorrechte. Temporäre Kommissionen, deren Glieder wesentlich.Juden sein muffen, überwachen diese Schulen, damit alle ministeriellen Anordnungen getreu erfüllt werden; gewahren sie in ihrer Vollziehung örtliche Hindernisse oder das Bedücfniß nothwendiger Ergänzungen , so unterrichten sie davon das Ministerium. Am . Schlüsse des Jahres 1845 zählte man in den verschiedenen Lehrbezirk'en bereits 97 dieser Kommissionen in Wirksamkeit. Zehntausend schon früher beschäftigte israelitische Lehrer waren von ihnen als befähigt erkannt worden, ihren Beruf bei der Jugend einstweilen fortzusetzen, bis zur vollständigen Organistrung der Schulen. , Aus dem nächstens zu erwartenden, das Jahr 1846 umfassenden 6vmpterenäu des Ministers werden wir die weitern Fortschritte ersehen, welche die geistige Reform der jüdischen Bevölkerung in Rußland gemacht hat. (D. A. Z.) Moldau und Walachei. Galatz, im Jan. (Die Juden in der Moldau. Von Wilhelmi B i k e nb ach,, früherer königl. preußischer Konsulats-Verweser in Galatz). Mehre Zeitungen brachten unlängst die Nachricht, daß zu den vergangenen griechischen Christseiertagen in dem Donauhafen Galatz in der Moldau arge Exzesse gegen die dort wohnenden Juden, die sagar iw die bedauernswerthesten Thätlichkeiten ausarteten, stattgefunden haben. Da nun die beiden Donaufürstenthümer Moldau und Walachei und die Häfen an den Niederungen des Jsthers in neuester Zeit sowohl in merkantilischer, als in politischer Beziehung die Aufmersamkeit Europa's und besonders des benachbarten Oesterreichs auf sich gezogen haben, so dürste es vielleicht nicht am Unrechten Platze sein, hier cm Wörtchen über die Lage und den Stand der Israeliten m der Moldau zu sprechen, wobei ich es dahingestellt sein lasse,' ob sich jene oberwähnte Zeitungsnachricht auch wirklich bestätigt oder nicht. Kein Land Europa's verdient in Hinsicht der Proporzion der israelitischen zur christlichen Bevölkerung so sehr dm Namen des europäischen Palästinas, als wie die Moldau; obwohl eH aber gerade nicht für alte Abkömmlinge des auserwählten Volkes Gottes ein gelobtes Land, wo Milch und Honig zu ihren Gunsten fließt, genannt werden kann. In manchen Ländern gibt es eine stolze,uud reiche Aristokratie, neben einem im Sklavenjoche schmachtenden, geistig und körperlich verkümmerten Proletarier-Stande. Dasselbe Verhältniß findet auch unter der israelitischen Bevölkerung in der Moldau statt. Jassy, die Hauptstadt des Fürstenthums, ist im wahren Sinne des Wortes ein europäisches. Jerusalem. Mehr als ein Drittheit der Bevölkerung gehört dem Stamme Juda an. Mit weniger Ausnahme ist -der dortige Groß- und Kleinhandel blos in dm Händen der Juden, das Wechselfach gehört ihnen aber fast ausschließlich allein an. Das Banquierhaus Michel Daniel iu Jassy spielt die Rolle des Roth sch ild der Moldau. Fast alle moldauischen Bojaren, Güterbesitzer, Pächter und Kaufleute befinden - sich in einer mehr oder weniger abhängigen. Stellung der israelitischen Geld- Aristokratie gegenüber. Jüdische Geldmänner haben in | Gemeinschaft mit Bojaren ersten Ranges die Staats- Revenuen in Pacht. Obwohl im äußern Umgänge f ihnen Seitens der Staats-Personen und des moldauischen Adels zwar nicht eine Geringschätzung , doch m Gegen- £ wart des Fremden eine gewisse, dem Ansehen nach gna- J denvolle Herablassung gezeigt wird, so ist doch ihr Einfluß im Geheimen desto größer. Dieser Einfluß ist nicht fetten selbst in das Getriebe t>cc Staatsmaschine, [•; auf die Verleihung von Aemtern und Titeln merkbar einwükend. Alle Aemter in der Moldau sind eine sogenannte | Kiwerniscala (die Mittel und Anlaß aus direktem oder indirektem , gesetzlichem oder ungesetzlichem Wege sich ( Geld zu machen). Ein Bojar ist z. B. stark an einen J jüdischen Geldmann verschuldet. - Seine Revenuen rei- 8 chm nicht mehr hin, die Auslagen für seinen luxuriösen i Haushalt zu decken, viel weniger noch, die Interessen des schuldenden Kapitals oder dieses selbst zu berichtigen. Seine Stellung, sein persönlicher Einfluß sind vielleicht nicht von der Art, um selbst erfolgreich um den Erhalt | einer Kiwerniscal'schen Bedienstung wirken zu können. g / Da sollieitirt sein nicht christlicher Gläubiger bei | einem ihm (dem Vermittler) verpflichteten Mmister, oder V einer andern angesehenen Person, ja bei Hofe selbst, und :| der Schuldner erhält eine fette Kiwerniseale. . j Die Revenuen der Kiwerniscala müssm aber eine Quelle haben; eine Quelle, die reichlich fließt? —- Die hat sie auch. Die Quelle ist der Fellah der Moldau, t

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