Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1847)
- Date
- 1847-04-09
- Page
- Seite 115 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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115 Wie man vernimmt haben, auch die übrigen Bezirke m gleichen Behältnissen dergtMen Karten erhalten. — Aus Or a n in Algerien schreibt man, daß die dortigen Israeliten so eben eine Subskription eröffnet, um ein Hospizfür Arme und ein anderes für ftemde Israeliten zu gründen. Auch bei dieser Gelegenheit wie bei den f übrigen hat die Mildthätigkeit der Glaubensgenossen l einen Beweis gegeben, was sie für die Liebe zur Relij gion und zu den' Pflichten der Menschlichkeit zu thun vermöge. Der, berühmte Tonkünstter^ H a l ev h tat { Paris wurde zum Mitglied der Akademie der schönen Künste zu Brüssel ernannt. — Nach .einer der jüngsten ' Bestimmungen der Kriegsministers sind die protestanti- ' scheu und israelitischen Kuttusbeamten ermächtigt,-in die militärischen und bürgerlichen Hospitäler zu gehen , um > die Krankett ihres Kultus zu besuchen, ihnen die nöthi- : gen religiösen Tröstungen zu geben, und ihre Sache nach den Gebräuchen ihres Kultus einzurichten. Es sind bereits alle nothigen Maßregeln getroffen worden, daß ’i in allen Spitälern, wo Kranke anderer Konfession sind, % dergleichen Kultusdiencr ihren Pflichten Nachkommen kön- :} um. Ueberdies hat der Minister des Innern noch ein Rundschreiben an die Präfckte gerichtet, worin er sie zur Wachsamkeit auffordert/ daß keine Versuche zu Bekehruust gen bei Kranken in den Spitälern vorkomme. —.An 'ii der Kousistorial-Synagoge zu Paris war eine Bekännt- J machuug über eine fromme Stiftung, welche Madame O v. No th sch i l d zu Gunsten armer, niederkommender J; jüdischer Frauen gemacht. Diese erhalten nämlich nach dieser Stiftung die nöthlgcn Kleidungsstücke und Ge-- genstände und dann Jede 20 Fr., welche in den 1 Monaten Oktober^ bis März und 15 Fr. Jede, die m '"1 übrigen Monaten niederkommt. — Der Preis derMazzot wurde in Paris auf 1 Fr. 20 C. der Kilogramme 's bestimmt; die Armen natürlich erhalten sie umsonst, aber üf auch die minder Armen erhalten auf der Kilogramme ,V 30 C. zurück, wenn sie sich beim Großrabbiner melden. ::i — Die Frage über den Eid more jadaico iffc nun hier in ihre letzte Phase angclangt. Den 3. März 1846 sthat der KassatiouShof den merkwürdigen Beschluß gefaßt, ber, das Urtel des Cour royale zu Cot mar aushebead, Ä die ganze Angelegenheit des Lazar Cers dem Cv^ir?st royale zu Besau eon Übermacht. .Dieser Gerichtshof hat st nun durch seinen Beschluß vorn 15.. Jan. l. I., das st rechtliche Prineip des höchsten Gerichts bestätigt, und den .st ausuahmsweisen Eid verworfen. Der königliche Gerichtsst Hof zu Ober-Rhein ist übrigens von feinen frühem Jrrh thnmern zurück'gekommen und es steht nun zu hoffen, stst daß dieser Sonder-Eid bald aus der Geschichte schwingst den. —> Hx. L. Ra ti sb on n e in Straßburg, der seit 1 lange /schon für die daselbst errichtete -Arbeitsschule sich lebhaft und beLhätigend interessirt, hat nun jetzt ein lchönes und großes' Haus zu dem Preise von 6 50,000 Fr. dafür erworben. Dieses edle Geschenk kam gemde zur rechten Zeit, und wird das Emporblühen der Schule schnell bewirken. — Polen und Rußland. Petersburg, 18. März. Die seit kurzem begonnene und noch in der Ausführung begriffene geistige Reform der Juden in Rußland ist ein zu wichtiges Ereigniß in der Völkerbildungsgeschichte dieses Staats, als daß sie der Beachtung ganz entgehen darf; darum hier ein kurzer geschichtlicher Rückblick auf Die frühem geistigen Verhältnisse der Juden in Rußland und den mit ihm inkorporirten polnischen Provinzen, verglichen mit Dem , was in den letzten fünf Jahren, zu ihrer geistigen Reform von der Regierung geschehen ist. Die zahlreichste jüdische Bevölkerung zählt der russische Westen, hier befand sie sich bis jetzt noch in grosser Unwissenheit; ihr intelligentester Theil in Rußland findet sich unstreitig in den neurussischen Provinzen, vornämlich in der Stadt Odessa vor. In den russischen Westprovinzen bestanden bis zum Jahre 1840 israelitische Schulen Ln großer Zahl, waren aber in ihrer alten Form wenig geeignet, geistige und sittliche Bildung der Juden auf kräftige Weise zu fördern. Schon im Jahr 1835 gab die Regierung den Juden, die Ertaubniß, ihre Kinder in die öffentlichen Schulen zu schicken, gestattete dabei den Ln den hohem Lehranstalten die Prüfungen mit Erfolg.bestehenden Jünglingen die gleichen Vorrechte und gelehrten Grade wie den der christlichen Konfessionen. Weil aber in diesen Schulen weder die niofaisthe Religion 'noch die hebräische Sprache gelehrt wird, benutzten die Juden'diese Erlaitbniß nicht, sondern hielten sich hartnäckig wie zuvor an ihre eignen Schulen. Aus diesen konnte die jüdische 'Jugend wegen ihrer zu schlechten Vorbildung in die hohem Lehranstalten des Staats nicht übergesi'chrt werden; es blieb also wenig Hoffnung, in Rußlatrd diesen Volksstamm in seinen kommenden Generationen sich geistig und sittlich heben zu sehen. Im Jahr 1842 erschien ein höchster Ukas an . den Minister des Volksunterrichts, der ihm die unmittelbare Oberleitung, aller im Reiche bestehenden israelitischen Schulen übertrug. Der Minister organisirte sogleich unter seiner eignen Inspektion hier in Petersburg eine Kommission, formirt aus vier der gelehrtesten und bedeutendsten Rabbiner (1), trug ihnen ans, ihm ungesäumt ihr lunständliches Gutachten zu übergeben, wie die Schulen' ihres Volks eine den heutigen geistigen Zeitbedürfniffen entsprechende, jedoch die alten mosaischen Volksgebräuche und ihre religiöse Verfassung nicht verletzende Reform erhaltenkönnten. Ihr Gutachten hatte die Kommission bald entworfen und übergab es dem Minister. Dieser autorisirte darauf einen der gelehrtesten Juden in Rußlands!!?)', den Dr. Lili ent h a'l,, alle Städte und Ortschaften mit jüdischer Bevölkerung zu bereisen, ( ' 15* '■