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Der Orient · 1847-04-02 · 14 (2.4.1847) · p. Spalte 217-218

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
14 (2.4.1847)
Date
1847-04-02
Page
Spalte 217-218 (sequence 5)
Language
German
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218 217 Kritiken. Die magyarische Synagoge. Lag legen; in Helden Beziehungen/ . namentlich in ersterer^), leistet die Predigt nichts Sonderliches und nur die fertige Handhabung der ungarischen Sprache entschuldigt die Veröffentlichung. — Der eigentliche.« Einweihungsrede folgt ch das Glaubensbekenntniß (Hitvallas letetele) das heißt die Uebersetzung der bekannten dreizehn Glaubensartikel/ deren Auffassung „die seltne und sehr wichtige Feier mit Recht" von dem Prediger forderte, welchem d) ein schönes Schlußgebet (Utdima) folgt, das nach der Sitte 'hierländischer Mischer Prediger in einem Gebete für den ungarischen Staatsorganismus, d. h. vom gekrönten Haupte dis. zum Dorfschultheiß besteht. — Dieser Predigtgruppe folgt eine kleine „ Borrede (vermutlich vom Herausgeber) zur Uebersetzung der heiligen Schrift in's Ungarische." (Feiszölitäs a szentiras magyar forclitasära), und eine Uebersetzung des Propheten Joel ins Ungarische von I. Bleuer. Wir gestehen, daß wir bei dem Anblicke des Namens des uns bekannten Uebersetzers verwundert ausriefen: p'ifcODto DJn. Aber wir dachten sogleich, daß hier die Uebersetzungeir, von Zunz und Salomon herhalten mußten, und siehe da! die Vorrede sprach deutlich' aus, (S. 39) daß der projektirteir Bibelübersetzung die von Zunz und Salomon zu Grunde gelegt werden solle, und nur in dieser Voraussetzung kann, bei den annoch spärlichen Kräften zur Ausführung dieses Unternehmens, von einer Uebersetzung „dem jetzigen Zustande der biblischen. Wissenschaften entsprechend." (Sat bibliai tudomany mostani allapotj’anak megfelelö) die Rede sein. Daß Herr B. sich genau an der angegebenen Uebersetzung gehalten hat, ist aus' mehrern Gründen sicher und gewiß. — Uebrigens wird in der Vorrede der lobenswerthe Vorschlag gemacht, eine Gesellschaft zu Unterstützung einer Bibelübersetzung ins Ungarische zu gründen; unterdessen wird die Zeitschrift Uebersetzung und Erläuterung ganzer Kapitel, einzelner Verse und einzelner schwerer Wörter gerne aufnehmen. Sodann folgt: Anspruchlose Bemerkungen eines israelitischen Vaters über die religiöse Erziehung der Kinder, von Dr. Pforhofer. (HJgy izraelita atya igenytelen eszrevetelei a gyermekek hitbeli neve leserol.) Im diesem Aufsätze wird auf den Widerspruch der jetzigen religiösen Anschauungsweise gegen die frühere aufmerksam gemacht und der Widerspruch zwischen dm die religiösen Ceremonien ' gezwungen oder mit Vorbedacht bei Seite lassenden Eltern und den diese Ceremonien als Lehrgegenstand . einprägenden Kindern hervorgchoben in sehr beredeten Worten. Obgleich dieser Aufsatz im Ganzen nichts Neues.enthalt, 2) Wir machen hier blos aufmerksam, daß inden^rei Theilen, in welche die Predigt zerfällt, also in dem eigentlichen Körper der Predigt, nicht nur keine Entwicklung und Verwicklung des Textes, sondern nicht einmal die leiseste Bezugnahme und Anlehnung auf und au denselben bemerkbar ist. Auch können wir uns nicht leicht' eine Gemeinde denken, die auf einem so niedrigen Standpunkt religiösen Wissens stehe, daß man ihr bei einer Einweihungsrede den Inhalt der zehn Gebote, wenn auch, mit einiger Aenderung des buchstäblichen Ausdruckes (S. 24—2b) bekannt machen müsse. > so ist doch die öftere Wiederholung dieses Gegenstandes nicht abzuweifen, weil diese immer mehr zu einem klaren Bewußtsein dieses leidigen Gegensatzes verhilft, den ein jedes religiöse Familienhaupt nach den individuellen häuslichen Zu fänden zu lösen trachten wird, welche Lösung vor der Hand die einzig mögliche und thunliche sein dürste. Die vom Herausgeber beigefügten Anmerkungen sind richtig und treffend. Oer fünfte und letzte Aufsatz führt den Titel: Einige Worte über ungarisch-israelitische Erziehung von Marton Kugler (Nehany sz6 a magyar izraelita neveles kürui.) In diesem Aufsätze werden als die schädlichsten Vermehrer der Verfinsterung und des Vorurtheils unter den ungarischen Juden diejenigen gehalten, welche der Gestaltung zeitgemäßer Anstalten theils aus niederer Persönlichkeit theils aus eingewurzelter Deutschheit^i entgegenwirkon. (S. 77. 79.) Also „ eingewurzelte Deutschheit" wird mit als letzter Grund der Verfinsterung resp. religiöser Verfinsterung angegeben. Nun das ist wirklich was Neues! Wir glaubten immer und glauben noch, und gewiß viele Andere mit uns, daß „eingewurzelte Drutschheit" eher zu „ lichrfreuirdtich " als zu dunkelmännisch macht. Da aber jüdisch-ungarische eingewurzelte Deutschheit sich wahrscheinlich nicht viel mit Rupp und Ronge beschäftigt, so muß die von „eingirwurzelter Deutschheit" ausgehende Obscurita't sicherlich von der jüdisch-deutschen Literatur herrühren. Auch hierin vermögen wir nicht mit dem Herrn K. übereinzustimmen. Wir glaubten immer und glauben noch, und gewiß viele Andere mit uns, daß die israelitisch-deutsche Literatur, wenn nicht einzig mb allein, doch gewiß eine vorzüglich mitwirkende Ursache war und ist zur Verbreitung religiösen Lichtes'und religiöser Vorurtherlslosigkeit unter die Israeliten Ungarns; ja wir behaupten, daß der in jenem Aussatze vorkommende Ausdruck von „Wiederkauen des dunklen und abgeschmackten Talmud." (sötet es London talmud kerödzes) tim$ stark, nach „eingewurzelter Deutschheit" riecht; ja wir gehen in unsrer Behauptung noch weiter und sagen, daß g erade in d i e ser Bezieh un g die Entwurzlung der eingewurzelten Deutschheit nicht wüuschenschwerth sei, weil, der Entwicklungsgang der deutschen Juden in unserm Jahrhundert denen in andern Ländern zum Muster und hie und da auch vielleicht zur Warnung dienen kann. Der Israelit als Israelit, d. h. in seinem konfessionellen Verhaltniß und Entwicklungsgänge, verdient eben so Berücksichtigung als der Israelit als Bürger und Staatsangehöriger eines Landes, und wenn in letzterer Beziehung der schon begonnene Umschwung zu fördern ist, so muß auch der erstem wichtigern Rücksicht gebührende Rechnung abgetragen werden. — Wns übrigens Hr. K. von der Emaneipatlon der Schulen aus den Händen tyrannischer Ignoranten sagt ist richtig und wahr. — Den 3) Ich übersetze absichtlich den Ausdruck a»emetseg (und bas davon abgeleitete Adjekrivum) mit dem, etwas ungebräuchlichen Ausdruck „Deutschheit" und nicht mit Deuschthum^ weil ich Herrn K. keine salche Ungerechtigkeit zulraue, seine ungarischen Glaubensgenossen als Deutschthümln auszuschreien.

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