Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 14 (2.4.1847)
- Date
- 1847-04-02
- Page
- Spalte 213-214 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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213 Studien. Geschichte der jüdischen Literatur in Babylonien Recht in seinen mosaisch-traditionalen Principien durch Vergleichung mit dem persischen Rechte, das zu seinen Grundlagen nicht minder ~ als das jüdische einen religiösen Faden hatte, bedeutend ausbildete und entwickelte, was.schon aus den vielen über den Mosaismus und seine traditionale Entwickelung hinausschreitende Rechtslehrsätzen und Entscheidungen,. aus der Achtung vor dem Persischen Nationalgesetze und aus den theils persischen theils dem persischen nachgebildeten Rechts-Termen ersichtlich ist. Die Rechtslehre war überhaupt sem vorzüglichstes Studium, in dieser Wissenschaft brachte er es selbst einem Rab gegenüber zur höchsten Autorität, und wie in rituellen Fragen (Jssura) die Praxis (Halacha), mit wenigen Ausnahmen, nur nach Rab entschieden"'3, ebenso wurde-in der Rechtslehre (Dina) nur nach Samuel der Entscheid gefaßtst. Im Leben, indem er.dem Schahkn Schah der Sassaniden, vermöge seiner Stellung als Rektor der Hochschule und als Chacham des Exilarchen, nahe stand, und . indem er selbst auf eine milde Gesinnung gegen seine Glaubensgenossen von Seiten der persischen .Herrscher (inwirkte, blieb er von dem persischen Aufstreben natürlich nicht unberührt. Als nach ArdschirBabegan sein-Sohn Schühür- 1. (reg. von 240—27!) den Perserthron bestieg und. seine Macht immer. mehr ausdehnte, war der greise Samuel oft bei ihm, theils ihn durch Scherze erfreuend^, theils ihn belehrend und vom Aberglauben heilend"^. Er lehrte seine Schüler, treu den persischen Königen zu sein, wie überhaupt dem Reiche anzuhangen, und er selbst war mit solcher Treue den Königen ergeben, daß ihm die Hinmetzelung von 12,000 Juden zu Magizat de Kisri durch Schabur 1. (zwischen 240—50), die sich empört und es mit einer feindlichen Macht gehalten haben, nicht zur Trauer bewegen konnte, .weil er sie als Empörer ansah und daher die Strafe für angemessen hielt2t)7. Er war überzeugt, daß Schabur gegen 'seine Glaubensgenossen sonst wohlwollend gesinnt war; „es 293) Bechorot 49 a; Pesachim 76 a Ra sch k; Beza 29“b Tosafot; ^Erubin 43 a Tosafot; ib. 77 b; ib. c. 9 Ende; Mo* *ed Katan 8d; Nidda 84b; Sabbar 52a. — 294) Sabbat 53 a Raschi; Menachot 38b Raschi; Nidda 76.b rc. — 295) Sukka 53a. — 296) Berachot 56 a.. Die Sassaniden hielten viel auf Träume, ja das Emporkommen Ardschir's soll, nach den Historikern, Folge eines. Traumes gewesen sein, und Samuel bewies ihm die Natürlichkeit derselben. Als er ihn um den Traum', den er haben werde, fragte,' sagte er ihm, daß er träumen werde, er sei vom römischen Kaiser (Valerian) gefangen und werde in grausamer Gefangenschaft gehalten, anspielend auf die Lage des Kaisers Valerians unter ihm, den er in grausamer Gefangenschaft gehalten. Da ec diesen Gedanken nicht los werden-konnte, so träumte er dies auch wirklich, was ihn aber auch von der- Nichtigkeit des Traumglaubens überzeugte. - ' 297)'Mo*ed Katan 26 a. Was das für eine Stadt war und wie cs sich mit der Empörun'g verhalten, weiß ich'nicht anzugcben. — " 214 ist mir angenehm, daßich nie einen Juden umsonst umgebracht", sagte er zu Samuel^«, und das war Samuel eine Wahrheit. ' Aus diesem Einflüsse ist es auch zu erklären, warum Samuel über Magier (Mag'üs) eine mildere Ansicht als Rab hatte, indem er sie nicht für Götzendiener hielt, und es ihm erlaubt schien, von ihnen das Theoretische zu lernen, wenn man es nur' nicht für die Praxis anwendet 299 , unb daraus ist auch sein Umgang mit dem persischen Astrologen Ablat, wie überhaupt mit den chaldäischen Weisen zu begreifen300. Wegen dieses Sichanschließens dem aufstrebenden persischen Leben wurde er von seinen Freunden und Genossen mit dem Zunamen Ar j Och, d. h. Arier, nämlich Genosse der wiedergebornen Perser, belegt301, und wegen seines Zutrittes bei Schabur 1. und wegen seiner Gunst bei ihm wurde er fcherzweis König Schabur (Schabur Märka) genannt302. Dieser Befreundung mit dem Perserthum ungeachtet lehrte und entwickelte er das Studium der Tradition in seinem weitesten Umfange; eine große Masse von Lehrsätzen in. allen Fächern der jüdischen Ueberlieferung, theils von ihm selbst, theils von seinen Schülern in seinem Namen vorgetragen, finden sich in dem Talmud. Sekretär des Gerichts-Kollegium's (Kanzler) oder der Hochschule überhaupt war damals J a ko b, Vater des Na chm an, des nachmaligen Rektors zu Neharde'a 303 , und sein vollständiger Name war Jakob b. Nachmanizo\ Als Rab, sein Freund, ün Jahre 243 gestorben, führte er für die letzten 7 Jahre, seines Lebens (243—50) auch über Sora das Rektorat, und als er im hohen Alter 250 n. Ehr. gestorben, ließ er 76 Schüler und Schülergenossen zurück, welche sein Werk fortsetzten30'. Unter seinem 298) ib. ib. — 299) Sabbat 75 a. Die verschiedenen Ansichten, über Magier zwischen Rab und Samuel finden wir später wieder aufrauchen (Mo'ed Katan 18 a). — 300) Sabbat 156 b. — 301) Menachot 38 d,; Sabbat 53 a; Nidda 76 b. Raschi und die Tolafot haben die sonderbarsten Erklärungen ausgesucht, die aber gar nicht in Betracht kommen können'. Die Endung Ok ist bte persische Endung , die sich auch im, Pehlvi sinder, und das' ArjOch der Bibel ist auch nur so zu erklären (siehe meine Conoord. p. 1270)- Vergl. Anm. 290. — 302) Baba Kamma96b; Baba Mezssa, Ende; Pesachim- 54a. Der Zuname Ja rchinai (BM. 85) ist wahrscheinlich wie'Areka (^D>r) zu erklären; für Arcka ist noch ein Kriterium, daß auch noch andere diesen Namen führten (Sabbat 10 a; Ketubot -105'b). — 303) Baba Mezi'a 16 b. - 304) .Chullin 20 b; 22 b. - 305) Diese sind nach der alfabetischen Ordnung: l)Abba b. Jirmijja; 2) Abba b. Sütru; 3) Adln b. Samutt; 4) Achalai; 5) Adda b. Ahaba; 6) Ame b. Mattana; 7) 'Anan b. Tachlifa; 8) Anan b. Chijja; 9) Bannat (R. Bannai. Nabbanai); 10) Bar-Fioli; 11) Bar-Hamdüri; 12) Chama b. Gürj'a; 13) Ghana aus Dag d at (MD) >-44) Chanan k Ame;. 15) Chanan b. Asche; 16) Chanan aus Güft-a (NnDM). Es gab Ciud) einen Jirmijja aus Gufta; 17) Cha- 14"