Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 14 (2.4.1847)
- Date
- 1847-04-02
- Page
- Spalte 211-212 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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211 Studien. Geschichte der jüdischen Literatur in Babylonien. 212 die große Partherherrschast, die in ihrer Dynastie und Hee- : resmacht eigentlich kein national - persisches Element war'^ wurde nach langsamer Vorbereitung von dem Emporkömmling A rd.s ch i r B a b e g a n28°, genannt Ardschir I., zertrümmert und damit die neue persisch-nationale Dynastie der Sassaniden begründetUnter den Juden aller Welt, soweit die Weltmacht Rom's reichte, hallte diese jugendliche Macht des ersten Saffcmiden wieder, zumal als der große Sieg über die Römer im Jahre 234 erfochten wurde. Der römische Kaiser Alexander Severus nämlich führte einen erbitterten vierjährigen Krieg (v. 230—234) gegen Ardschir Babegan,' und er unterlag 234 so vollständig, .daß er zwei Dritttheile seines Heeres verloren und die ganzen römischen Besitzungen Vorderasiens von dem verjüngten neuen Perserreich verschlug gen wurden. Und von dem endlichen großen Siege des ersten Saffcmiden übor die Mmtt (234) erzählt uns das kleine 226 gewesen sein mußte. Als er in der Schlacht auf der Ebene von H ö r m u z Thron und Leben verloren (226), soll Rad ausgerufrn haben: „Das Band (der Parther) ist gelöst" (ib. ib.). — " ' 285) Die Parther (Arsakiden) waren nicht persischer, sondern tatarischer Abkunft; sie verbreiteten sich über Persien, ohne, je aus dem Nomaden - Zustande herausgetreten zu sein, und ihre Thatrn wurden auch nie in den persischen Annalen erwähnt (Ritter, Erdk. X. S. 134; Schlofler, Universalhist. Hl. 3. S. 59). — 286) Ar dschir B ab e g a n (reg. v. 226—240) hieß bei den Römern- und Griechen Artaxerres 1., indem, er als Wiederherstellec des Perserrcichs des Cyrus betrachtet wurde. In einer Inschrift auf Ardschir Babegan (s. o e dt, veteris Mediae.et Persiae monumenta: ©ottingen, 1818, 4. S. 37) wird er griechisch genannt, was dasselbe ist; bei dm Juden jedoch hieß ernur Ardschir (-wtin), wie auch die von ihm, nach damaliger Sitte, gegründete Stadt in der Umgegend Sora's, wo zuweilen Rab verweilte (Joma 18 b; Jebamot 376), nur Ardschir (“WTiN) hieß. ‘ Diese ist übrigens von der Stadt Hurmiz-Ard sch tu, wo ebenfalls Juden wohnten (Baba Batra 52a) zu unterscheiden. Diese wurde von Hormüz, dev 271 —272 regierte, gegründet. Den Beinamen Babegan erhielt er von seinem Vater Wabek, welchen die Griechen nuncczog oder Uaßsuoi (Hoeck 1. c.) nannten. ■ Das -@ptel *-p&£rrtf (Ketubot 61 b),. welches in Kusari (Ende) etwas korrumpirt yu/'i&tt heißt, ist nach arabischen (Jbn ChaUikan, Es-Safadi) und türkischen (Ekteri) Erkläeern aus (Nerd) d. h. Klötzchen' (Heft Kulzum s. v.) und Ardschir, dem Namen des Königs, der es erfunden, zusammengesetzt. ’ Vgl.: Ueber das Schach und die damit verwandten Spiele in dm Talmuden: Or., L.B. 1840. Nr. 4. — ' . 287) Als Quellen zum Verständnis) dLr Sassanidenherrschaft sind zu betrachten: Mirkhond, Geschichte derSassanidm aus dem pers. übersetzt, und abgedruckt in de Sacy's inemüires sor diverses anfciquites de la Perse et sur les medailles de-rois.de la dynastie des sassanides. 1793, 4. — F. Richter, historisch-kritischer Versuch über die Arsakiden- und Saffaniden-Dynastiec Leipzig, 1804, 8. — John Malkolm, the history of Persia from the most early perlod to the present time. London, 1815, 8. Deutsch von Be cker: Leipzig, 1830, 8. — Seder Dlam mit der größten chronologischen Genauigkeit, .indem es in seinem einfachen und schmucklosen Chronikenstyl fagt288: „Im Jahre 166 nach der Zerstörung des Tempels, d. h. 234 n. Ehr., haben die Perser über die Römer obgesiegt". Als man dem Mar Joch an an, dem Rektor in Palästina unter den Römern, welcher die>Magier (Ghebern) für die verabscheuungswürdigsten Gottesfeinde und Tyrannen gehalten, die Kunde brachte, daß die Magier den Römern Babylonien genommen (230—34) und die jüdischen Akademien nun ihrer Macht unterworfen sei, da starb er fast vor Entsetzen 289. Aber er entsetzte sich auch über die jüdischen Babylonier, die sich an den Festen der Perser freueten und das jüdische Priesterthum wenig achteten. Diese politische Wiedergeburt Persiens, die äußerlich in der Annahme eines Titels ' sich manifestirteZ90, wozu noch die Begeisterung für die unter den Parthern in Werfall gerat!)tue Aendreliglon gekommen 291, konnte natürlich auf die Juden am Eufvcrt, da die Macht Persims sich darüber hinaus erstreckte, nicht ohne Ein- . fluß^bleiben, und diesen Einfluß reprasentirte Mar Samuel in Lehre und Lebens In der Lehre, indem er das jüdische 288) ed. Altona S. 22 a. — 289) Jebamot 63 b. Bei dieser Gelegenheit'erfahren wir auch, daß der Fanatismus der Magier unter Ardschir und Schäbür den Juden das Schlachten, der Thiere, die Reinigungsbä'der und das Begraben der Toden verboten, und nur erst durch Bestechung wurden sie in Ruhe gelassen. Warum aber gerade diese Dinge, weil nach der Lichtreligion die Priester nur von vegetabilen Speisen leben, ganz andere Reinigungsmittel haben und ihre Tobten nicht.begraben. — 290) Der erste Sassanide Ardschir nahm, nach einer Inschrift (de Sacy 1. 1. p. 59; Ho eck l. e.) dm Beinamen ’AQiavog, d. h. der Arier oder der von Iran, an, was der Name, der uralten Nationalperser ist. Mit diesem Namen sollte die alte Abstammung und die Anhänglichkeit cm die alte Zendreligion bezeichnet werden, denn Ariän V crdja d. h. das reine Aria (Iran) hat im Aend-Avesta auch eine religiöse Bedeutung. Der Beiname Arian wurde mit den Sassaniden sogar schon allgemeiner Volksname der Perser (de Sacy 1.1. p. 12), und daß Arüin die ursprüngliche Form für Iran ist, haben schon Philologen nachgewiesen (Pott, etynr. Forschungen I. p. LXX1.). Bei griechischen Schriftstellern dehnt sich der Name ’Agiavr) über Perser, Meder, Baktrier, Sogdianer rc. aus, deren gemeinschaftlicher Sprachstamm der arische heißt (Heeren, Ideen Absch. 11). — ' - 291) Ardschir führte daher in einer Inschrift das Epiteth MttGdaövög, was nach dem Pehlvi'schm (de Sacy 1. 1. p. 39) Anbeter des Ormusd heißt (Masd d. h. Ormusd und jasna b. h. Anbeter). — 292) Auf diese Wiedergeburt weiset Mar Jvchanan in Palästina hin, wenn er das vierte Thier in Daniel's Visionen (Dan. 7, 23), das da verzehret die ganze Erde, sie zertritt und zermalmet, auf Persien deutet D^yn btt && n'ySW l!?D (Schebu^ot 6b), und daß er es „das verbrecherische Persien" nennt, kann von ihm, der unter Rom stand, nichtWunder nehmen. In dem aus 6 Kapiteln bestehenden- Büchlein 'Akt an de-Mar Jakob (ed. Earmoly: Brüssel, 1842, 12) heißt der letzte der 10 Könige, welcher ein großes Reich gegründet, Ardschir (ib. S. 14). —