Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1847)
- Date
- 1847-04-02
- Page
- Seite 110 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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bricht, und nichts als Phrasen und Wortgepränge finden will. Gerade so verhält es sich mit dem ZW. Dieser hört nicht aus, über das Schimpfen und Schmähen anderer Blätter zu schreien , — und wer auf dem ganzen Erdenrunde kann sagen., daß er ein Blatt gesehen, in welchem mehr geschimpft, und geschmäht , räsonnirt und verleumdet wird, als dies im „Wächter" der Fall ist? Hast Du, lieber 'Leser, nur die jüngsten Berichte, aus Ungarn (Papa') gelesen, so wirst Du uns schon hinlänglich verstehen. — Von dem oben erwähnten „Volksvertreter des * Judenthums" 1 2 3) haben wir bisher nur die Probenummer gesehen. Wer. diese gelesen, kann dem Blatte kein gutes Prognostiken stellen. Laut Programm wäre das passendste Motto desselben: „Ex Omnibus aliquid, ex toto niliil“. — Die Adler-Wagner'- sche Wochenschrift: „Reform des Judenthums" hat das Zeitliche gesegnet. Friede ihrer Asche. Die nächste RV. wird hoffentlich darüber berathen,. wo und . aus welchen Mitteln der Heimgegangenen ein Monument gesetzt werden soll. — Auch das „Literaturblatt des Israeliten" wandelt nicht mehr unter den Lebenden. So geht es. Journale sterben, Journale werden geboren. Kohelet sagt: Ein Geschlecht kommt, ein Geschlecht geht u. s. w .b) W. Dest e r r e ich. Prag, im März. Ich komme diesmal mit einer Mittheilung eines Vorganges, der nicht neu uüd an sich der Mittheilung nicht werth, aber durch eine unverzeihliche Dummheit uusers Rabbiner-Kollegiums in Gesammtheit eine so traurige Seite unserer Zustände darbietet, daß ich davon Ihrem Blatte Nachricht gebe, nur wünsche ich, und mit mir der gebildetere Theil der Israeliten Prag's, daß diese Mittheilung zu Erweckung eines tiefen Abscheu's gegen ein verdummtes, die Juden Prags in den Augen der christlichen Brüder schändendes und in den Augen anderer Gemeinden herabsetzendes Rabbiner-Kollegium beitragen möge. Hier das Faktum, das Sie bereits in allen Zeitungen gelesen haben werden. Ein junger Mensch von 19 Jahren, Abr. Glaser mit Namen, verübte einen Raubmord an einer Frau, und es gelingt ihm nach der blutigen That zu entfliehen. Eine solche Erscheinung ist freilich im Ghetto selten; seit einem Menschengeschlecht ist hier eine solche That von einem Juden nicht vorgckommen; indessen gab es doch schon jüdische Mörder, wenn auch selten, und diese Erscheinung würde weiter keine Beachtung verdienen. Es kam hier aber noch der Umstand dazu, daß der 1) Werden Herr L ö w und seine Partei dazu schweigen? Sie foKten’S nicht. — 2) Herausgegeben von Gustav Lippmannssohn in Berlin. 3) Die Fortsetzung unserer „Revue^ nach den Feiertagen. Mörder entflohen war, und obwohl das Gericht die Ueberzeugung hatte, daß er aus dem Thore gegangen, daß er außerhalb der. Stadt sei, so verbreitete sich doch beim Pöbel die Meinung, -die Juden hätten ihn versteckt. Nun gab es für die Juden nur dm einen Weg, dieser Pöbelmeinung die größte Verachtung, entgegenzusetzen, zumal das Gericht vom Gegentheil überzeugt war; allein unser Kollegium aus . dem Mittelalter theilte die Meinung des Pöbels gegen die Juden und gegen das Gericht und machte bekannt durch einen Anschlag irr der Synagoge, daß kein Jude, wenn er den Fluch auf sich nicht laden will, den Mörder beherbergen solle, und der Pöbel wurde natürlich dadurch in seiner Meinung nur verstärkt. Ein Glück, daß der Mörder bald eingefangen wurde. Von der Leichenrede, welche Hr. S. Freund am Grabe der Unglücklichen gehalten und worin er gegen alle Studenten, loszog,' weil der Mörder einige Monate die polytechnische Schule besucht, lassen Sie mich lieber, schweigen. Die Verkehrtheit und das Narrenthum wird nicht sobald anssterben. Aber wundern muß ich mich, daß unsere Studenten, wenn sie zu feige waren , eine Strafe nach dem Faustgesetze am Beschimpfer ihres Standes auszuführeu, den Hrn. Sam. Freund beim. Kriminalamt nicht verklagt. Indessen sie können es noch thun. — Frankr e ich. Leipzig, im März. Unsere Leser sind bereits von der Umwandlung der französischen Zeitschrift l’Uimers Israelite seit Anfang dieses Jahres unterrichtet; der gewandte Redatteur Hr. S. Bloch hat .sie zu einer Monatsschrift in großem Quart - Format und in . sehr gefälliger Ausstattung gestaltet und was Inhalt und Darstellungsweise anlangt, so hat sie eher gewonnen. Ueber das jüdische religiöse Leben in Frankreich, über seine Rabbiner und Consistorien, über Synagogen und wohlthätige Anstalten, über manche sociale Erscheinung, soweit sie Juden und Judenthum interessiren, werden wir aus dieser Monatsschrift vollkommen belehrt, und wir. würden uns recht herzlich freuen, wenn wir über das jüdische Leben in Italien, in England, in Amerika und in Rußland (Polen inbegriffen) ein ähnliches, zugängliches und erschöpfendes Journal hätten. Die ,, Voiee ok Jacob “ und „ Jeuish Chronicle“ kommen seit einiger Zeit gar. nicht mehr her, Italien hat noch kein. Journal für seine inneren jüdischen Zustände und was Dr. Lilientheil über Amerika berichtet, sind weiter nichts als subjektive aus Unkunde und rnaaßlosem Charlatanismus zusammengeschweißte Referate, eine Unkunde und eine Charlatanerie, deren Zeichen auch seine Berichte über Rußland an'sich tragen. Wir kehren zum ,,l_!niver8" zurück und ziehen für unsere deutschen Leser Einiges Frankreich betreffende hier aus. Eine herzerfreuende Erscheinung ist das Budget für den jüdischen Kultus, von Seiten des Staates. Wenn wir die