Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1847)
- Date
- 1847-04-02
- Page
- Seite 109 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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109 verlautet noch nichts von einem Erfolge, aber die nicht günstige Stimmung derselben bezüglich des genannten Handels abseiten der Juden ruft gleich erschwerende Maßregeln hervor. Darf man sich da wundern, wenn die Auswanderungen sich in einem Maße häufen, daß für den Bestand der Gemeinden und der Erhaltung ihrer Bediensteten zu fürchten ist. So die Gemeinde Hagenbach in Oberfranken, vor noch nicht langer Zeit aus einigen und fünfzig Gemeindegtiedern bestehend, dermalen nur noch eiroL 18 derselben zählend. — Aus Fürth vernimmt man die Auswanderung einer Familie nach Jerusalem. Der Mann heißt Nathan Schnaittacher und führte von jeher ein sehr aszetisches excentrischts Leben. Gleichwohl wird er in seinem Vorhaben von dortigen Männern der entgegengesetztestenreligiösen Richtung kräftigst unterstützt. Wie verschieden in ihren faktischen Ergebnissen ist doch der religiöse Zwiespalt unsrer Zeit in großen alten gegen das Gehaben an kleinen Plätzen, besonders auf dem Lande , wo er nur auf der Fläche sich bewegt und in Gehässigkeiten und Verfolgungen und nach Umständen in kleinlichen und eigennützigen Wahlumtrieben sich gefällt. — Se. km. Hoheit der Herzog Max in Baiern hat dem km. dänischen Kommerzienrathe Marx in München für Zusendung zweier Miniaturportraits des verstorbenen Herzogs Wilhelm und der Frau Herzogin Mariane von Birkenfeld eine große Medaille mit Höchstdessen Brustbild und ein anerkennendes Schreiben zustetten lassen. Hr. Kommerzienrath Marx ist ein Mann-, der sich namentlich als langjähriger Vorsteher der Münchner jüdischen Gemeinde große Verdienste erworben» Sein Name ist auch sonst von gutem Klang bei seinen Glaubensgenossen in Baiern, da jeder dahin gekommene Hilfsbedürftige in seinem Hause stets Unterstützung in Rath und That empfangen hat. — Die Oettinger gebärden sich gar überschwenglich über die Einsetzung ihres Rabbiners Feuchtwanger. Für sie mag derlei ein Ereigniß bilden, aber in die Oeffentlichkeit sollten sie damit nicht auf eine so burleske Weise treten, und die Judenheit lächerlich machen. Die lchwarze Wäsche soll man zu Hause waschen. Leipzig, 24. März. Heinrich Heine hat in stinem neuesten satyrischen Gedichte ,,Atta Troll" auch die deutschen Zöpfe in der Judenftage persiflirt. Der Bär Atta Troll kehrt von den vorurtheilsvollen Menschen zu den Seinen in die Höhle zurück und verkündet ihnen einen neuen Zustand der Dinge, die er, der Bär, Hervorrufen werde. Bei dieser Gelegenheit sagt der Bär von den Juden: „Ja sogar die Juden sollen Volles Bürgerrecht genießen, Und gesetzlich gleichgestellt sein Allen andern Säugethieren. Nur das Tanzen auf den Märkten Sei den Juden nicht gestattet; Dies Anundernent, ich mach' es Im Jnt'reffe meiner Kunst. . Denn der Sinn für Styl, für strenge Plastik der Bewegung, fehlt Jener Rare, sie verdürbe Den Geschmack des Publikums." Welch' eine herrliche Persiflage auf die Krämerseelen in den Kammern und ün Volke! Wie Atta Troll seine Tanzkunst durch die Juden nicht beeinträchtigt sehen will, so glaubt auch Gevatter Bäcker und Vetter Handschuhmacher durch die Emancipation zu Grunde zu gehen. Posen, 18. März. Unserer Zeitung vom 15. d. M. entnehmen wir folgende zwei Mittheilungen: 1) „In Galizien ist ein Tumult der Bauern gegen die Juden ausgebrochen, in welchem viele der letztem ihren Tod fanden". Erste Lüge.— 2) „Rach einer neuern Bestimmung ist den russischen Militärs , jüdischen Glaubens, das Avancement zumOfficier gestattet". Zweite Lüge. —Wie in jedem Jahre hat unser Herr OR. auch diesmal dafür gesorgt, daß die jüd. Sträflinge in den Gefängnissen unserer Provinz während des Pesachs mit Mazzot u. s. w, versorgt werden. — Unsere Kotonisationsangelegenheit scheint ins Stocken gerathen. — Der isr. Armenbekleidungsverein zu Lissa, welcher am 7. v. M. seine 20jährige Stiftungsfeier beging, hat sich in einen „V erein für Heranbildung jüd.Handwerker" umgewandelt. Nächstens wollen wir Ihnen Auszüge ans den neuen Statuten zukommen lassen. Dergleichen Vereine sind in unserer Provinz noch so selten, wie ein guter Aufsatz im ZW., oder wie ein Aufsatz ohne Druckfehler im „Orient". —* Der ZW. hat seine Farbe geändert, d. h. im Papier. Er ist nämlich ans dem Gräulich-Gelblichen ins Grünlich-Bläuliche übergegangen. — Es wundert uns nur, daß die „Mannh. Abendzeitung" oder der „Israelit d. 19. Jahrh.", welche beide gar zu gern über den Wächter sich woquirm, auf die erwähnte Metamorphose noch keinen Witz gemacht. — Das Journalenfieber greift im Judenthume immer mehr um sich. Neben dem allwöchentlichen „Zeitungs- Ouartett", worüber der Berliner * Korrespondent neulich sehr witzig referirte, werden wir nun allmonatlich als Prämie noch ein „Zeitungs-Duett" genießen, ausgeführt von der Sopran- Sängerin „Reform-Zeitung" und dem Tenoristen „Volksvertreter des Judenthums". — Von der erstem ist uns bis jetzt nur die erste Nummer zu Gesichte gckonnnen. Die darin enthaltenen Artikel: „Wissenschaft und Leben" und „Märtyrer und Apostaten" sind schon zu bekannt und durchgegeißelt worden, als daß wir es für nöthig erachten sollten, über dieselben hier noch ein Wort zu verlieren. Wir brauchen nur auf die letzten Nummern der JZ. zu verweisen. Nichts in der That ist amüsanter, als zu sehen, wie ein. Blatt, welches Anfangs der Genossenschaft ritterlich den Hof machte, jetzt über deren Organ dm Stab