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Der Orient · 1847-04-02 · Heft 14 (2.4.1847) · p. Seite 108

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 14 (2.4.1847)
Date
1847-04-02
Page
Seite 108 (sequence 7)
Language
German
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leistenwas sie unter andern Umständen zu leisten vermöchten, und zwar ist hier das Uebel mcht immer in der Lauheit, mit welcher diese Herren ihr Amt versehen, ' sondern oft auch in der Arroganz^), deren sie sich gegen die Lehrer bedienen, zu suchen. Ein wahres Glück für unsere Lehrer und unsere Schulen ist es, daß unsere jüd. Schulvorsteher nicht auch zugleich die S ch u l i nsp ektoren8 9 10) sind; sonst würde das Loos unserer Lehrer und unserer Schulen erst recht bejammernswerth sein. —^ Seitenstücke zu Grätz, von dem wir das vorige Mal gesprochen, bilden die in der Nähe Posens gelegenen Gemeinden S ch r i m m und S a n t o m i s l. Beide sind sie, wie ®t; , sehr alt, sehr zahlreich 'und hinsichtlich der Kultur noch sehr, sehr zurück. Sch. hat einen Rabbi aus der echten alt-jüdisch-p-otnischen Schule, S. aber gar keinen. Dagegen hat S. in dem kenntnißreichen Herrn Gross einen Lehrer. der recht gut die - Stelle eines Predigers ausfüllen könnte , wenn nur die Gemeinde seine Talente zu schätzen wüßte. — Pinne (nordwestlich von Posen) hat einen Rabbinen, der sich und seine Heerde gern modernisiren würde, wenn nicht die letztere streng dagegen wäre. Auch keine seltene Erscheinung. — Karge, wo bekanntlich vor 2 Jahren der Rabbiner während des Predigens gestorben, hat bis jetzt noch keinen andern gewählt. Es hieß immer , daß diese (nicht sehr zahlreiche) Gemeinde sich (wie Rackwitz) dem nahegetegenen Wöllstein anschließen wolle, was aber bis jetzt noch nicht geschehen ist.— In Meseritz wechseln die Lehrer allzuhäufig, was natürlich das Gedeihen der Schule sehr hindern muß. — Summier hat eine ziemlich gute Schule.-^ Birnbaum hat sich vor einigen Jahren von der Schlange, genannt Zeitgeist, bethören lassen, vom Baume der Erkenntniß zu kosten, 1. e einen sogenannten Deutschprediger anzustellen. Doch sind ihnen nicht bald, wie den Bewohnern Edens, sondern erst spät, nach Jahren erst, die. Augen aufgegangen; nach Jahren erst haben sie erfahren, daß sie in einen säuern Apfel*") gebissen. Schade um die armen Birnbaumer! — Schwerin a. d. W. hat schon seit Mehrern Jahren einen sogenannten zeitgemäßen Gottesdienst eingerichtet. Ob der neugewählte Rabbiner Dr. Schwab ach er seinen Posten schon angetreten, kann ich nicht sagen. Die Schule gehört 8) So ist uns ein jüdischer Schulvorsteher bekannt, der kinmal arrogant genug war, dem jüd. Lehrer des^Orts den Umgang mit seinen christlichen Kollegen (und noch dazu vor den Kindern) zum Vorwurfe zu machen, und ihm in erbittertem Tone die Worte von Psalm 1-06, V. 35 zuzurufen. Ist daserhört? 9) Dieses Amt wird von unserer Regierung in der Regel dem protestantischen Geistlichem des Orts anvertraut, selten dem katholischen. 10) Aepftl und Birnbaum. Ihr Berliner * Korrespondent hätte hier Stoff zu einem Witze» zu den bessern des Großherzogthums. An ihrer Spitze steht Rektor Meyer, der für einen tüchtigen Schulmann gehalten wird. — Von den Gemeinden des Netzdistrikts (Departement Bromberg) in meinem nächsten Berichte. W. . Baiern, im Marz. Das Neueste und Wichtigste, welches ich Ihnen aus unserm Vaterlande zu berichten habe, ist der Rücktritt des Herrn v. Abel von dem Ministerium des Innern. Ohne auf die Motive dieses Rücktritts eingehen zu können, sei nur bemerkt, daß wir baier'schen Israeliten keine Ursache haben ihn zu beklagm. Wem die Vorgänge in Baiern seit einem De-; cenium und die aus genanntem Departement bervorgel gaiigenen Erlasse bezüglich unsrer bürgerlichen und kirch- 1 I lichen Verhältnisse nicht unbekannt geblieben, wird dies [ natürlich finden. Verweser und wahrscheinlich auch Nach- [. feiger auf diesem hohen Posten ist der dermalige Regierungspräsident für Nicderbaiern, Hr. von Zenetti, k welcher bei der letzten Ständeversammlnng als Regierj. ungs-Commissär anwesend war. Aus seiner Wirksam- | keit während dieser Zeit und namentlich auch aus seinen;;; loyalen und menschenfreundlichen Gesinnungen, welche | derselbe bei der Debatte über die. Verhältnisse der Israeliten äußerte, will man die Hoffnung schöpfen, es % werden unter ihm diese Verhältnisse der so nöthigen Verbcsserung zugeführt werden. Nicht minder hoffen die l Freunde des Fortschritts, es werde fortan jeder Verän- E decung in unserm Kultus nicht der Stempel der Neot: logie und somit der Verwerfung aufgedrückt. werden. Die nächste Zeit wird uns Aufschluß bringen und viel- . leicht kann ich Ihnen schon in meinem'nächsten Mo- ' natsbericht Einzelnes darüber mittheilen. — - Der kön» Regierung von Schwaben wird in politischen Blättern nachgerühmt, sie habe bei der Vertheilung der Allerhöchst erwähnten Thcuerungszulage an das Lehrerpersonale, die israel. deutschen Lehrer gleich berück-?\ sichtigt. Die kön. Regierung von Mittelfranken hat r aber auch die isr. Religionstehrer hierbei bedacht, was |. um so mehr Anerkennung verdient, als denselben bisher ein Zufluß aus Staatsmitteln noch nie zuTheil geworden ist. Wie billig haben darum auch die isr. Lehrer eine aus dem Distrikte Gunzenhausen an Se. Majestät den König abgegangene Dankadresse mit unterzeichnet. — Die Gemeinde Bairmth, in Oberfranken, hat ihrem | Rabbiner, Hrn. Dr. Aub eine momentane Theuerungszutage von 100 fl. verwittigt. Es ist dies wohl das erste Beispiel , daß eine Gemeinde ihrem Rabbiner oder k Lehrer ans diese Weise die jetzige schwere Zeit erleichtert I und verdient dies, öffentliche Erwähnung. Geht hin und thut ein Gleiches, möchte ich vielen Gemeinden zurnfen» s — In Unterftanken sind neue erschwerende Verordnungen f bezüglich des Produktenhandels der Juden und der dar- | auf zu begründenden Ansäßigmachung erlassen worden» Won dem auf Milderung abzielenden Anträgen der Stände $

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