Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 13 (26.3.1847)
- Date
- 1847-03-26
- Page
- Spalte 199-200 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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199 Kritiken. Schulliteratur. Homiletik. 200 natürlich nicht. Dazu kommt' noch, daß der Druck nicht schön, namentliche was die hebräischen Wörter anlangt, deren Duktus zu den übrigen nicht paßt. Was den Verfasser anlangt, so wird der Leser gewiß schon aus seinem großen Titel ihn in eine eigene Species einreihen, und wenn ich auch dies nicht thue, so kann ich doch den Titel „befügter Räbbiiner", frlr welchen Hr. Sk. kein Königreich nehmen würde, nicht begreifen. Lehrer, die für die Jugend schreiben, müssen gerade solche Hehler vermeiden z der Dünkel muß. nicht allenthalben prangen, und die Form muß korrekt und einfach sein; denn sonst macht sich die Jugend zuerst üher den Zopf lustig und darin rst's mit der Schulmeister-Würde «aus. Das Gutachten des Hrn. % S chwab, eine moderne Haskama, hätte auch lieber wegbleiben sollen, schon um der schlechten Orthographie, willen (— man schreibt nicht „Stuffengang" rc.) — Gehen wir nun zum Inhalt über, den wir nach seinen Abschnitten vorführen. Ueberschrieben ist der erste: „Welt, Gott,Sinne, Seele, Religion, offenbarte Lehre." Die Sucht, recht philosophisch, gründlich und gelehrtzu erscheinen hat die gemischte Gesellschaft zusammengeführt'. Der zweite ist. überschrieben: „Schöpfungsgeschichte, Uebersicht der Geschöpfe (Naturgeschichte?), Anwendung, Sündenfall, Völkerbildring". Ein zweites Chaos und kein Geist, der ihn gestaltet. ' Der dri tte ist überschrieben: „HerkunftAbraham's, dessen Würde (-— war er auch befügter Rabbiner? —) und Bedeutsamkeit, Entwickelung der - wichtigsten Lugend aus seinem Leben". Also der Anfang einer biblischen Geschichte. Der vierte ist überschrieben: Patriarchengeschichte, Geschichte der Israeliten bis zum Auszug« aus Egypten. Kurzgefaßte Uebersicht bis zur zweiten Zerstörung des Reiches". Also Fortsetzung der" biblischen Geschichte. Der fün f t e ist überschrieben: „Begebenheiten des 'israelitischen Volkes seit ihrem Einzug in das Land Kanaan bis zur Zerstörung des Reiches Juda". Zweite Auflage von Abschnitt IV, wo schon mit blD n&l geschlossen wurde. Der sechste ist überschrieben: „Bürgerliche und religiöse Gesellschaft. Materielle Lehre der rabbinisch-mosaischen Religion". Hier beginnt die eigentliche Religion slehre, d. h. beim Ende, und auch in verschrobener Weise. Der siebente ist überschrieben: „Die Zehngebote". Also der Zweite Abschnitt in der Religionslehre. Der achte Abschnitt ist überschrieben: „Grundlehren der rabbinisch-mosaischen Religion". Sonderbar, als wäre davon noch gar nicht dir Rede gewesen! Freilich meint der Verfasser die 13 Glaubensartikel, aber welche Disposition! Der .neun te Abschnitt ist überschrieben: „Ceremoniällehre". Er ist noch am Besten abgefaßt. Das der Inhalt. Der Leser sieht, daß der Verfasser eine biblische Geschichte und Religionslehre mit noch einem Dutzend Nebensachen ineinander gemischt. Es braucht aber -auch nicht Jeder zu dergleichen Dingen das Geschicke zu haben, und Hr. Sk. sollte mit seinen exegetischen Forschungen zufrieden sein. Es ist auch kein Mangel an solchen Schriften,-und es ist überhaupt ein Unglück, daß Jeder das Judenthum nach seinem Kopfe konstruiren will. Homiletik. 1) Der Lichtblick des Königs. Festpredigt von D an..Pilli tz, Oberrabb. der isr. Gemeinde in Szegedln. Pesth, 1846. 8. (S. 31.) " 2) Der Jude als Bürger und Bekenner. Festpredigt von W. Friedr. Mannheimer, Oberlehrer zu Csakathurn (SzulL), früher Rabb.-Ass. in Raab. Leipzig, 1847. gr. 8: (S. 15.) Die Aufhebung der Toleranzsteuer . in Ungarn hat den ungarischen Kanzelrednern Stoff zu patriotisch-celrgiösen Reden gegeben. Hr. Rabb. Pillitz beschäftigt sich mit dm zwei Fragen : 1) über den Inhalt des Festes und 2) über das Benehmen, zu dem es die. Israeliten Ungarns ermuntern soll. In der Behandlung seines Themas ist Hr. Rabb. P. kein kunstgeübter Rhetor, aber begeistert für seinen Stoff,.durchdrungen von der Liebe zum Judenrhum und ein warmer Apologet der jüdischen Moral und Sitte. Wir zweifeln nicht, baß die Predigt auf die durch die Befreiung -eines Leibzolls ergriffenen Zuhörer , die begieriger den Predigten lauschen als ein norddeutsches Publikum, das in seiner Vlasirtheit in die Zeitparole „ Ronge", „ Mslieenuß ", „ Rupp " u. s. w. ei «stimmen zu müssen glaubt, im mündlichen Vortrage sehr eingewirkt hat. Die Sprache ist einfach, bisweilen schwungreich und dem dogmattsch-moralischen Inhalte des zweiten Theiles angemessen. .Nur müßten vulgäre Redensarten wie „über Hals und Kopf" (S. 13), „wenn nur ich meine Schäflein im Trockenen habe" (S. 26) vermieden werden. Dem rhetorischen Nummerus dürfte auch mehr Aufmerksamkeit zugewendet werden. Denn ein Satz wie „wenn ihr thränentrüber Blick in den unabsehbaren Wüsten von Israels zukünftiger Leidensgeschichte trostlos umhergeirct hatte" ist, durch 'die Anhäufung der schnarrenden R.-Laute, unangenehm für das Ohr. Die Rede verdient in Ungarn verbreitet und der Redner zu künftigen Veröffentlichungen aufgemuntert zu werden. — Hr. Oberlehrer Mannheimer ist ein Magyarmkind: kühn, pathetisch, feurig, hinreißend. Die Begeisterung, nicht kalte Reflexion hat bei dem zweiten Redner die Feder geführt. Hr. Oberlehrer Mannheimer beantwortet die Fragen über das Verhältniß des Juden als Bürger und Jude, und'behandelt sein Thema auf eine gelungene Weise. Folgende Probe, die allerdings an eine Salomonische Rede erinnert, möge che« Lesern die schwungreiche Sprache des Verf. zeigen. . „Vaterland! Heimath! theure Namen, deren siißern Klange selbst gröbere Naturen nicht widerstehen können 2, wie lange war der Israelit, allwärts und überall eures süßen Klanges ganz entwöhnt! — Wie lange mußte er eine Heimath suchen, und wie oft fand er sie erst mit feinem letzten Athemzuge — da. er, des Wanderns, des Suchens müde, sein geachtet Haupt in den kühlen Schooß der Erde legte! Vaterland!' Heimath! theure Namen! Euerem süßen Klange können wir Israeliten -am wenigsten widerstehen! Denn trotz aller- Mühsal und Verfolgung, trotz der Verachtung, die Jahrtausende hindurch auf uns gelastet, zog es den