Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1847)
- Date
- 1847-03-26
- Page
- Seite 103 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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103 hatten an ihrem Direktor einen freundlichen Führer, einen weisen Rathgeber, dessen auSgebreitete Gelehrsamkeit, Heller Geist und tiefe Einsichten, ihnen in jeder Beziehung nützlich wurden, die Zöglinge dieses Kollegiums, sowohl während ihrer Studien als nach Vollendung derselben, einen zärtlichen Vater, einen beständigen Gönner. — Ein Freund des Schönen war Triefte einer der Ersten, der in unserer Provinz einen englischen Garten einrichtete. Seine Gedanken wurden, ohne Kosten und Mühe zu scheuen, unter der Leitung des berühmten Jappelli, zu Vaecarino seinem Licbliugs-Landgute ausgeführt, wo sein Name gesegnet ist und von seinen Untergebenen es immer sein wird, denen er mehr als Herr, denen er Freund und Vater war. Das ruhmvnlle Leben dieses ausgezeichneten Mannes wird durch folgende fromme Vermächtnisse gekrönt, abgesehen von vielen andern, die bei ähnlichen Gelegenheiten in der berühmten Familie Sitte sind. Dem hiesigen Armenhause (casa di rieovero) vermachte er 2000 L. a. und htt armen Israeliten seines Vaterlandes hinterließ er die Zinsen von 44,000 L. a. (2200 S. a.) zu folgenden Zwecken: 1700 L. a. sollen jährlich zur Aussteuer armer Mädchen vertheilt werden; 300 an Handwerker, unr eine neue Ofsiein zu eröffnen, und 200 als Almosen an den Jahrestag seines Todes. Mögen diese kurzen Andeutungen, die ohne Schmuck, aus reiner Huldigung der tiefverehrten Wahrheit niedergeschrieken sind, dazu dienen , eine wenn auch unvollständige Idee von den ausgezeichneten und werthvollen Eigenschaften, welche den ruhmvollen Verblichenen schmückten, zu verschaffen. Das Andenken des Gerechten sei gesegnet, und möge das seltene Beispiel reich au Nachahmungen sein! S. D. Luzzatto, Professor am Collegium rabbinicum. Sendschreibe» an Dr. I. im tr. ZW. Nr. 3. (Schluß.) Aber wie stehen sich die Parteien gegenüber! und wie soUen sie stehen! - Nicht von der Hefe soll hier die Rede sein. Wer gedankenlos aus Indifferentismus alles Ceremoniell abstreiste, mag prahlend sich aufgeklärt nennen und die Orthodoxen übersehen wollen, auch wenn er moralisch tief unter ihnen steht; traurig sehr traurig, wenn auch der Gebildete auf dieser Seite solcher Intoleranz sich anschließt, er zeigt sich damit vielleicht intellektuell und geistig gebildet, aber Herz und Charakter find roh geblieben. Der orthodoxe Fanatiker aber glaubt, den anders Denkenden verachten zu dürfen, weil er, indem er eben so gedankenlos die alten Ceremonien und Gebräuche beibehält, in seinem Wahn der wahre Träger des Iudenthums zu sein vermeint — wenn gleich er im täglichen Leben und Wandel hundert andere Gesetze des Iudenthums mit Füßen tritt. Er sagt, sie machen es sich bequem und glaubt in der Unbequemlichkeit, die er mit dem Ceremoniell sich auflegt, dem Himmel Ersatz zu geben für die Erleichterungen, die er auf einem andern Gebiete sich gestattet. Aber die Bessern und wahrhaft Gebildeten, die Edlen Israels beider Parteien, sollten sich feindlich nicht gegenüberstehen, s i n d d o ch ganz Israel Brüder. Wenn ein in allen Beziehungen achtungswerther Biedermann aus echter Ueberzeugung alle Ceremonien beobachtet, die ihn zum Sklaven der Religion machen, seinem ganzen Lebenswandel den Stempel der Resignation aufdrücken, während zugleich seine ganze Handlungsweise den Gott geweihten Mann bezeichnet, so ist er doppelt ehrwürdig. Er aber wird den redlich denkenden und handelnden Bruder in Israel nicht anfeinden, dem des Denkens schwerer Kampf gelungen, dem das Ceremoniell in seiner jetzigen Form keine Beruhigung und keine Befriedigung gewährt, und der nicht wie leider so viele aus Heuchelei den Pietisten spielen kann. ' Er wird den Bruder, den er auf einem Irrwege zu erblicken glaubt mit Sanftmuth zu belehren suchen — und wenn er zu überzeugen nicht vermag, freundlich und friedlich neben ihm seine Straße wandeln. Wie aber unsere heutige Orthodoxie? Ihre Führer und Leiter schweigen, wenn sie in die Schmähungen nicht emstimmen und der große Haufe wüthet und blasphemirt — die Heuchler am ärgsten — sie fordern Toleranz von den Christen und üben sie selbst nicht gegen ihre eigenen Glaubensgenossen durch Belehrung mit Sanftmuth und einer den Gegenstand angemessenen Würde» Der Religion zu nützen — das hätte man für die Tendenz des in Altona erscheinenden Zions-Wächters halten sollen. Aber das Blatt ist zum Tummelplatz einer unbändigen Polemik geworden, und die' Gerechtigkeit muß man den Orthodoxen lassen, durch den hypcrradikalen Ton, den leider manche Blätter des modernen Iudenthums angeschlagen, war es Bedürsniß geworden, auch der Orthodoxie einmal Lust zu schaffen. Und diese Tendenz wird trotz einzelner wahre Religiosität athmenden Aufsätze und Skizzen redlich erfüllt. Wo in einem Winkel Deutschlands ein Orthodox eine Verketzerung anzubringen, eine Verletzung der Ceremonialgesetze zu denunciren hat, da findet er im Zions -Wächter willkommene Aufnahme. Und natürlich fehlt es nicht an Orthodoxen , die solche Invektiven mit Vergnügen lesen und ganz wie zu Rabbi Henochs Zeiten entzückt mit dem Zwicker rufen: > Da bekommen die Bauern wieder gut!