Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1847)
- Date
- 1847-03-26
- Page
- Seite 102 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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stützen, an deren Fortbestehen „sich viele Hoffnungen der Freunde des Fortschritts knüpfen". Zwar hat es mit diesen Hoffnungen nicht so. ganz seine Richtigkeit, da sich über das Wirken der R.-V. gar „verschiedenartige Urtheile" haben vernehmen lasten z aber auch dies möge dich, o goldenes Israel, nicht abhalten, Geld herzugeben, denn, merke Dir das, das Komite will ja „den Werth jener Urtheile auf sich beruhen lassen!!! Westen bedarf es noch sonst? Alles ist in Ordnung, nichts fehlt mehr, durchaus nichts als — Geld! Drum gib Geld her, Israel, für die vierte Rabbinerverfammlung] Amen! H. —!). — 6. —- N. Leipzig, 19. März. Hr.Dr. Frankel, Oberrabbiner in Dresden , hat durch einen Anschlag in der Synagoge den Genuß der Hülsenftüchte (Bohnen, Erbsen , Linsen) für Pesach als erlaubt erklärt, wenn sie vor dem Feste von der Beimischung gereinigt werden. Hr.^ Oberrabbiner Fasse l in Proßnitz hat bereits vor einem Jahre ein Gleiches für Mährcu bekannt gemacht. Hc. Oberrabbiner S. Eger in Posen hat bereits im vorigen Jahre den Genuß der gewöhnlichen Butter gestattet und vor . ihm bereits hat. ein Gelehrter, dem sogenannten Konservatismus anhängender Theologe in Frankfurt a. M. 'den Genuß von gewöhlüicher Butter und von gewöhnlichem Zucker als erlaubt uachgewiesen. Ein frommer Rabbiner in Baiern hat so eben gebäckues Obst und. Butter gestattet, und, wie ich so eben vernehme, so wurde dasselbe auch in Breslau bekannt gemacht. Der Genuß von Sago, sowohl des echten als unechten, ist natürlich, sobald man dessen Bestandtheile einmal kennt, auch erlaubt. Und so möge denn das sndisch-religiöse Leben ohne Rabbiner-Versammlung-Kornödie durch Abstreifung beschwerlicher Ansätze sich, um so mehr vergeistigen und veredeln! Hamburg, 15. März. (Brief.) Es spukt hier gewaltig vor, aber die Geister verschwinden auch gewöhnlich bald wieder, und so glaube ich, daß wirtrotz aller guten Geister doch keinen Tropfen Emaneipation haben werden. Eine Bittschrift an den Senat, die vomJuristen- Verein ansgegangen ist, und für die 4 jüdischen Advokaten gleiche Rechte wünscht, sott hohen Orts keine günstige. Aufnahme gefunden haben, und fehlt es auch nicht an Philantropen und Humanisten bei uns, so sind sie doch nicht' gerade da, wo sie sein sollten, um zu nützen. Die Stelle eines Direktors der Jakobson'sche Anstalt zu Seesen wird vielleicht von Hamburg aus besetzt Werdens von hier haben sich gemeldet Dr. R., ein Lehrer der Freischule, ein Herr K., ebenfalls Lehrer daselbst, Dr'. J., der schon längst kein Lehrer mehr ist, und, Dr. -Fr., der eigentlich kein Pädagog ist. Ich bezweifle indeß, daß auch Dr. Fr. sich gemeldet hat, da er von seiner Gemeinde erst kürzlich Zulage erhalten hat. Man sagt, Hr. Dr. Jacobson würde hierher kommen, um die Aspiranten in ihrem Wirken kennen zu lernen. — Einen Ersatzmann für dm Dr. Wohlwill wird er schwerlich finden, und es steht' doch sehr zu wünschen, daß eine gute Wahl getroffen werde. Auffallend ist cs, daß die Herren Gelehrten (?) sich von Hamburg immer wegwünschen, da doch die Austern hier frisch zu jy haben sind. Dr. S tern in Berlin sott sich ebenfalls y gemeldet haben, um dadurch von der Reform-Gemeinde eine lebenslängliche Anstellung zu erhalten. Reben- | st e i n aus Berlin, sein Adjunktus, wirbt jetzt hier Anl- Hänger für seine Doktrinen! ft Z t a l re n. ■ Pcrdtter, 21. Febr. (Nekrolog.) Am 18. d. M. verschied Gabriel Triefte. Geboren in Padua im November 1770 hatte-er zum Lehrer und Erzieher Do- %/ uato Pincherle aus Verona , einen Rabbiner von aus- \ richtiger und aufgeklärter Frömmigkeit und so wohl in den heiligen wie profanen Wissenschaften erfahren. — Diesen ungewöhnlichen Eigenschaften des Lehrers ent- 8ssprach das nicht kurze Leben des Zöglings ununterbroß? chen, sein Herz war für Neligioi, und Menschenliebe l“ gebildet; sein Geist für Wissenschaft, Ordnung und £ Fortschritt. — Er setzte für. sich seine Ausbildung fort, f betrieb mit Eifer die Wissenschaften unb zeichnete sich in der Naturgeschichte und besonders in der Botanik aus.; Der berühmte Professor Renier hat ihn in seinen Wer- - ken sehr ehrenvoll'erwähnt. Die Betrachtung der Natmschönheiten war in G. Triefte, wie es immer sein sollte, mit der Bewunderung > der Weisheit des Schöpfers verbunden. Er bemerkte und zeigte seinen Freunden, in jedem Theile irgend eines organischen Wesens, wie wundervoll die Mittel den Zwecken und den Bedürfnissen entsprechen und dieWis- - senschaft hat in ihm, wie es immer sein sollte, den Glauben bestärkt» -- Er führte, ein zwar bescheidenes und znrückgezogenes, aber doch nicht isolirtes Leben zwischen seinen Bü- | chern er war. ein vertrauter Freund verschiedener Pro-? 'fcffcrcn an der hiesigen Universität und besonders deö Professors Giuliani, mit welchem er in der Stadt und ff ans dem Lande viele Stunden in wissenschaftlichen Ge- Hsprachen verlebte. Er war unter der italienischen Herrbs' schaft Mitglied des Handelökotlegnrms (eines von dm | drei Staatskörpern) und war auch in Padua der erste H Viclpräsident der Handelskammer, welche Stelle er zehn t Jahre ununterbrochen bekleidete. t Ein Freund der Aufklärung nrld des Fortschrittes Z' hatte er besonders an der Gründung jener AnstaltTheil, A welche seinen Glaubensgenossen erleuchtete, den Bedürft nissen der veränderten Zeiten angemessene ' Volkslehrer | bilden sollte. Triefte wurde zum Ehrendirektor des ral>- binischen Kollegiums in Padua ernannt, was für daö junge Institut ein .großes Glück war. — H Die jungen Prcfessorer, eines ganz neuen Instituts