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Der Orient · 1847-03-26 · Heft 13 (26.3.1847) · p. Seite 101

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 13 (26.3.1847)
Date
1847-03-26
Page
Seite 101 (sequence 9)
Language
German
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— 101 — Die zu Mannheim abzuhaltende Rabbiner - Versammlung wird in wenigen M onaten statt finden.. Daß die Ausrecht haltung des Instituts manches Opfer erfordere, haben wir bereits im vorigen Jahre ausgesprochen, und müssen es unter den obwaltenden, allgemeinen und besondern Verhältnissen, jetzr um so mehr wiederholen. Wenn wir damals sowohl die Ueberwindung materiellkr Hindernisse als auch die Kundgebung der Gesinnung im Auge hatten, durch welche die Ver- , sammlung ihren Stützpunkt in der öffentlichen Meinung finden soll, so verkennen wir nicht, daß der vorherrschende allgemeine Nothstand von der einen, die mannigfachen B eur t Heilungen, wel ch e üb er ei n zelne Be schlü sse der Rabbiner-Versammlung im PublLkumb) gefällt worden, vonder andern Seite, neue Schwierigkeiten geschaffen haben. Wir leben indeß der Ueberzeugung, daß die Hülseleistungen, welche -er Augenblick erfordert, das Publikum nicht abhalten werden, ein Institut zu unterstützen, an dessen Fortdauer sich viele Hoffnungen der Freunde des Fortschritts knüpfen. Was die verschiedenartigen Urtheile betrifft, zu welchen die erwähnten Beschlüsse Veranlassung gaben, so ist'es nicht unsere Aufgabe, in die so heftig gewordene Diskussion einzugehen, deren Werth wir auf sich beruhen lassen.*) Wie verschieden aber auch bie Meinungen hierüber sein mögen, das scheint uns fest, zu stehen: daß die Bedeutung und der Nutzen der Rabbiner-Versammlungen nicht nach einem einzelnen Beschlüsse oder vielmehr einer einzelnen Becathüng oder gar deren mehr oder minder gelungenen Fassung, nur nach dem Geiste und der Tendenz der gesammten Verhandlungen beurtheilt werden muß. Jedem unbefangenen Beurteiler kann es nur wünschenswerth erscheinen, periodische Versammlungen aufrecht zu erhalten, in welchen dienothwendig gewordenen Verbesserungen mit Ruhe und Sachkenntniß berathen werden und welche den Keim weiterer Fortbildung in sich tragen. Es ist nicht zu leugnen, daß zeitgemäßen Reformen auf diesem Wege am leichtesten und gleichmäßigsten Eingang in die Gemeinden und Unterstützung von Seiten unserer deutschen Regierungen (sic 1) bereitet wird, und das Aufhören dieser, ihrer Natur nach durchaus nur be- 3) Das ist offenbar nicht wahr, oder die rabbinischen Korrespondenzen in Nr. 241 der D. A. Z» (aus Breslau) uäd in zwei jüdischen Blättern (von Frankfurt a. M. aus) wußten gelogen haben, was aber' natürlicherweise unwöglich ist. Denn alle jene Korrespondenzen versicherten einstimmig auf ihr Ehrenwort, jene „'.Beurtheilungen " rühbten eigentlich nur von einem einzigen Manne her, welcher mit seiner Opposition gegen die R.-V. ganz allein bastehez es ist sonach rein unmöglich, daß -,mannrgfache Beurtheilungen im Publikum gefällt worden", vielweniger baß solche gar dem hochwürdigsten Institute, „neue Schwierigkeiten geschaffen/s Eins. 4) D. h., wenn ihr nur einstweilen so gut sein wollt, Geld herzugeben, so, kann über Nützlichkeit oder Schädlichkeit der R. -V. und über das Judenlhum überhaupt ein andermal gesprochen werden, wenn gerade Muße vorhanden und keine Finanzfrage zu erledigen da ist. Eins. rathenden, Versammlungen für die Männer des Fortschritts nichts weniger als ersprießlich sein würdet Wer seine Unterstützung und Mitwirkung ausschließlich Dem zuwendet, was er für das'Beste hält, der bedenke wohl, daß dadurch wider seinen Willen dem Besseren oft unauflösliche Schwierigkeiten bereitet werden. Unsere wackeren Glaubensgenossen in Mannheim haben bereits, wie früher die Braunschweiger, die hiesige und-die Breslauer Gemeinde, ihre Lheilnahme an den Bestrebungen der Rabbiner-Versammlung durch die freudige Bereitwilligkeit ausgesprochen, mit welcher sie auf den Antrag eingingen, daß dieselbe in diesem Jahre in dortiger Stadt abgehaltm werde--Mögen recht viele Männer und Gemeinden, in unserer Mitte dieselbe Gesinnnung betätigen, und so der Fortbestand eines Institutes gesichert werden, das sich, wie wir zuversichtlich hoffen, im Sinne des Fortschritts bewähren und manche wünschenswerthe Verbesserung zur Folge haben wird. Indem wir uns erlauben, diese Betrachtungen den Freun-, den zeitgemäßer Verbesserungen an's Herz zu. legen, bitten wir zugleich , uns den Ertrag der neu zu eröffnenden Subscriptionen recht bald anzejgen zu wollen, da von denselben. der Fortbestand unserer Kasse in deren bisheriger Wirksamkeit abhangt. Frank furt, ^. Februar 1847. Das Comit^ für die Kasse der Rabbiner-Versammlungen Dr. Jako b Weil, Präses. Dr. Jakob Auerbach. .Leopold Beer, Secretair. Moses B. Goldschmidt, Kassir.' M. A. Grünebaum. Dr. I. M. Jost. E. Ullmann, Gegenschreiber. Und nun, o Israel, widerstehe, wenn Du es vermagst, solcher Beredtsarnkeit, von so trifftigen, so schlagenden Gründen und so sprechenden, augenfälligen Tharsachen unterstützt! Du hast es gehört, was es gilt! Das „Beste" ist freilich die R.-V. nicht; dafür aber ist sie das „Bessere", und was willst Du mehr? Zwar hast Du in diesen Zettender Theuerung und der.öffentlichen Noth noch so manchen andern gottgefälligen Werwendungsweg für deine Wohlthätigkeit; gleichwohl wird dieser Umstand,, werden die Thränen der Witwen und Waisen dich nicht abhalten, die R.-V. zu unter- 5) Besonders wenn der Arm der Regierungen, wie leider an so manchen Orten geschehen, zur Einführung der Reformen geborgt wird, da mögen die „Männer des Fortschritts" ein besonderes Vergnügen an dem Polizeirabbinismus und der Gensdarmerieaufklärung empfinden. Eins. 6) Die wackere Gemeindebehörde zu Mannheim hat nach mehrermonatlichem Zögern in ihrer Erwiederung an Hrn. Dr. Geiger bekanntlich die Backen keineswegs so voll genommen, als unser Komite; vielmehr hat sie es neben aller abgemessenen Höflichkeit an allseitigen Verwahrungen gar nicht fehlen lassen. Eins.

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