Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1847-03-26 · Heft 13 (26.3.1847) · p. Seite 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 13 (26.3.1847)
Date
1847-03-26
Page
Seite 100 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2360092-2360472-2360486--5851-3533048
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

gewiß nicht zu theuer erkaufen! Viele von euch werden in dieser stillen Sabbatszeir sich selbst und ihre vermeintlichen Widersacher ungehindert in's Auge fassen, sie kennen, schätzen und lieben lernen - und dieser Eindruck wird nicht völlig wieder verlöschen, wenn der „Priester" wieder da sein, sein unheilvolles Werk wieder betreiben, die unseligen Leidenschaften ausbeuten und zu verderbenslustiger, schadenfroher Zwietracht gegeneinander aufreizen und anstacheln wird! — . Sie denken wohl ich sei in meinem Urtheile zu hart, und und karrikire am Ende gar die Zustände unsrer Gemeinden und das Treiben^ unsrer Seelenhirten. Aber welche Chro* nique «realiüalciis« müßte ich Ihnen liefern, wollte ich Sie und ihre Leser'mit einer Auswahl von Beispielen behelligen! — Gestern wiederholte ssich in der hiesigen großen Synagoge vor geöffnetem c^prr jntf und im Beisein des Stadtgerichtsaktuariats und zweier Advokaten rc. der schon einmal aufgesührte Austritt zwischen Herrn Rabb. Stein und Herrn Isaak Trier. Diesmal sollte Hr. T. als Experte in Sachen 1) des hiesigen Bauamts als Eisenbahnkommission contra Wilhelm N. Kurfürsten von Hessen und 2) desselben städtischen Offieiums contra die gräflich Reichenbach -Lessonitz'sche Erbmasse in Pflicht genommen werden. Freunde des Hrn. Stein hatten Wetten darauf abgeschlossen, der Rabbiner werde diesmal dem Skandal durch Kommitirung eines Substituts zuvorkommen. Aber da hatten sie sich geirrt! Die Synagoge, die für Hrn. St. dasselbe Gewicht hat, wie für einen Livreebedienten das Vorzimmer seines Herrn, als der einzige Ort, wo ihm der Bedeutung des Orts und seiner Funktionen wegen ein gewisser Respekt zu Theil und sogar von manchem Besucher der Hof gemacht wird, die Synagoge, die Hr. St. sogar gerne niedergerissen und durch einen prunkenden Palast zu seiner Ehre und Verherrlichung ersetzt haben möchte, während bekanntlich er ganz allein die Ursache, weshalb nicht schon längst ein neues Gotteshaus hier erbaut ist — die Synagoge sollte auch diesmal wieder zum Schauplatze gemacht werden, wo Hr. St. seine Überlegenheit, seine Gewalt und seine Autorität an den Tag zu (egen versuchte, irfiNVD •’inbn.l rriNSn -ip’ hnv inirfrD Hr. Stein erschien abermals, um die einen Bestandtheil des mittelalterlichen „ Iudeneids " ausmachende ,, Eidesbelehrung " persönlich vorzunehmen , oder eigentlich, um sich wieder einen Korb zu holen.' Daß der Eid , wenn Hr» T. wirklich wcder sein innerstes Gefühl sich die „Belehrung" dazu hätte aufdringen lassen, eine höchst unmoralische Handlung, ein wahres Sakrilegium gewesen wäre, das kümmerte den heiligen Mann nicht im geringsten, vielmehr meinte er, er müsse auf Ausübung seines „Rechts" bestehen, welches ihm das Stadtgericht in einer jüngsten Verfügung zuerkannt habe — eine Verfügung, die übrigens, wie das anwesende Gerichtspersonal. auf sofortige Anfrage des Hrn. T. erklärte, gar nicht existirt. Vergebens'waren alle Ermahnungen, daß, wie ein deutsches Sprüchwort sagt, erzwungener Eid Gott leid thue; vergebens war die Vorstellung, daß das prätendirte Recht doch jedenfalls nur ein dingliches, keineswegs ein persönliches auf ' das Gewissen des Hrn. T. sein könne und^Lie Partei sich gern erbiete, Hrn. St. die betreffenden M'Ehrm zu ersetzen — vergebens4 Hr. Stein bestand auf sein „Recht", die Parteien behielten sich alle Rechtszuständigkeit vor und — der Vorhang siel. Die Synagoge war einma (mehr zum Theater misbraucht worden! O -gebt Geld, gebt Geld.für die R. - V.! Ist sie auch nicht das „ Beste," d. h. hat sie auch nicht eines Pfennigs I Werrh Gutes gestiftet, ist und bleibt sie doch immer noch das [ „ Bessered. h. es ist besser, daß sie abgchaltrn werde, als 1 daß sie n i ch t abgehalten werde, sintemalen es doch gewiß D gut ist, wenn die Rabbiner, das „verehrte Publikum" und 8 und die ,-z^p-Händel auf einige Wochen Ferien bekommen. W Und, wenn ihr auf meine Gründe nicht achtet und euer | Geld durchaus für bessere Sachen, etwa für den Aufbau eines | marmorenen Rabbinertempels aufsparen wollt, damit unsre f geistlichen Herren und Meister sich -ein Haus mit „einem 8 Thurm bauen mögen , dessen Spitze dis gen Himmelreicht, I auf daß sie sich einen Namen machen, damit sie nicht zer- 8 streut werden auf der Oberfläche der ganzen Erde (Genes. | i\, 4): wenn euch euer Herz nicht zu-rühren vermag und \< ihr durchaus darauf beharret, euer Geld zur Erbauung eines [’ jüdischen Kölner Doms zu verwenden und nicht der Rabbif nerversanimlungskasse zufließen zu lassen, . wenn ihr so hartl herzig und verstockt seid, auf denn, o Du „verehrtes Publip kum", so lies und gehe in Dich! lies den nachfolgenden herz-? erhebenden Aufruf, und wenn Du da noch widerstehst, dann / hast Du kein Herz im Leibe, und mußt, es Dir selbst beil messen, wenn Du auf dem nächsten Koncilium exkommunizirt wirst!" „An das verehrte Publikum!" Das Unterzeichnete Konnte; hat die Ehre, die ihm o bliegende Rechnungs a b l g g e hiermit pflichtgemäß den v e reh r ten, Unterzeichnern zu der Kasse für die Rabbiner-Veri.. sammlungen mitzutheilen und sieht, sich zugleich veranlaßt, seine Wirksamkeit in Erinn erung zu bringen l) I und den Freunden fortschreitender Entwickelung nahe zu legen. Aus der beigeschlossenen Üebersicht geht hervor, daß die | vorjährige Rabbiner - Versammlung, wie zu erwarten war, | sehr bedeutende Ausgaben nöthig machte, welche durch die bereitwillige.Unterstützung vieler wackeren Männer und Gemeinden gedeckt wurden. Indem wir denselben hiermit Herz- | lichen Dank abstatten, erheischt es jedoch unsere Pflicht, zu- | gleich aufmerksam zu machen, daß die Kasse beinahe erschöpft " | ist, und der Fortbestand derselben nur durch die weitere Theilnähme 2) und Unterstützung des Publikums erwirkt und ge- A sichert werden kann. f 1) Was gewiß nicht überflüssig ist! ' Eins. | 2) Die „Th e ilnah me" an der Kasse wird, wenn § etwa damit zu helfen ist, schwerlich lange auf sich warten ll lassen z mit der „Unterstützung " derselben möchte es schon eher Schwierigkeiten haben Eins.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.