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Der Orient · 1847-03-26 · Heft 13 (26.3.1847) · p. Seite 99

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 13 (26.3.1847)
Date
1847-03-26
Page
Seite 99 (sequence 5)
Language
German
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99 bcr jüdischen Gemeinde gewählte itub bcn demMaqistrat bestätigte jüdische Bürger. Dem Magistrat steht frei, das Ziel und die Einrichtung der Schule nach Bedürfniß für die jüdischen Knaben, jedoch mit steter Beibehaltung des Unterrichts in Religion und Hebräischen , zu verändern. Der Staat verpflichtet sich den bis zum Jahre 1829 geleisteten Zuschuß von 150 Thlr. künftig zu zahlen. Die Kommune dagegen ist gehalten, wie bei allen Schulen, so auch bei dieser, die nöthigen Zuschüsse, sobald die Beiträge und das Vermögen nicht auöreichen, aus eignen Mitteln zu gewähren. —• Der Magistrat und die Stadtverordneten-Versammlung sind dem Gutachten beigetreten und somit dürste in nächster Zeit die Wilhelmsschnle in die Reihe der städtischen cintretcn, da gegen diese Bedingungen sowohl die Regierung, als auch die jüdische Gemeinde nichts Erhebliches cinzttwenden haben möchten. Stettin, 13. März. Abermals ist ein unsauberer Geist der papiernen Welt entstiegen und hat die jüdische Journalistik oder besser die Käsehandler mit Makulatur bereichert. — Denken Sie sich Herr Redakteur, ein Volksvertreter ist in Berlin geboren, und zwar ein Volksvertreter des Judenthums! (Also aus hebräisch ein DipD3.) Kein Held redigirt diesen Volksvertreter, aber was mehr sagen will, ein Herr L. hat die Elle mit der Feder vertauscht, und ist als.Ritter Israels aufgetreten, jetzt freue dich Zion, dein Heil wird erblühen! Schade, daß das Blatt, das sich wahrscheinlich bis ins Berliner Voigtland Verbreitung verschaffen wird, da es con «unore schmähen und schimpfen kann, ohne Rümmer erscheint, es hatte doch mindestens die bekannte Nr. 22 an der Stirne tragen müssen , sollst täuscht sich am Ende dieser und Jener und gicbt sein schönes Geld hin für — Schimpfreden. —- Doch genug von dem neuen Heros, der sich zum Volksvertreter des Judenthums (5i6!) aufgeworfen, während kein Jude im Entfernsten daran denkt, ein Volk in Preußen bilden zu wollen, geschweige gar das Ju.denthum — also ein günstiges Element — sich als Volk geriren konnte. Der sogenannte Volksvertreter d. I. zieht über Alles her und tadelt Alles, natürlich auch die Knltusordnung der hiesigen jüd. Gemeinde; daß er auch über unfern würdigen Rabbiner herzieht, ist ganz klar, er muß ja eine Zielscheibe für seine giftigen Pfeile haben. — Der Volksvertreter wittert Spaltungen und Zerwürfnisse in unserer Gemeinde, da hat ihm denn doch sein Instinkt einen argen Streich gespielt, er hat die Fährte verloren, vielleicht ist der jüngste Schnee, der die Spuren verwischt hat, Schuld daran. — Wir halten es jedoch durchaus nicht angemessen, unfern Herrn Rabbiner oder unsere Zustände den: Volksvertreter gegenüber zu entschuldigen, das hieße dem Blatte unverdiente Ehre erzeugen, deshalb sapicnti sat! — Wahrlich dies Blatt wird Israel nichts weniger als nutzbringend sein, und nur die gewissen .Anzeichen, daß es. schon in der Geburt den Keim des Todes empfangen, kann den Unwillen, den jeder Gebildete in Israel empfinden muß, zügeln, und mit Recht können wir auörufen: Gott behüte uns vor unfern Freunden, vor unfern Femdm. wollen wir uns schon schützen. — —30. — Frankfurt a. M., 10. Marz. Die Fahnen-, .oder richtiger die Schleppenträger der Rabbinerversammlung haben wieder einmal etwas von sich vernehmen lassen, nämlich einen Aufrufen das v erehrte (!) Publikum", also eigentlich an die liebe Menschheit erlassen und dabei Rechenschaft abgelegt von dem im vorigen und vorvorigen Jahre verheißenen segensreichen Wirken der bisher abgehaltenen Rabbinerversammlungen. Doch nein, ich habe mich verschrieben; es wird blos einfach Rechnung abgelegt über die einfach eingegangenen Gelder und deren Verwendung, und das Facit ist — ein Defekt in dem Status der öffentlichen Theilnahme, gegenüber den verschwenderischen Prahlereien, Spiegelfechtereien , Behauptungen und Versicherungen, womit man das liebe geduldige.„verehrte Publikum" so lange und so oft überschwemmt hat« Die Ausgaben „Begeisterung", „allgemeine Lheilnahme," „ unzweideutige Liebe„ Volksähnlichkeit" rc. rc. haben die Einnahme an denselben Sorten so sehr überstiegen, daß, bei aller Pünktlichkeit in Verwaltung der kleinen Finanzen, doch gleichwohl der Ausdruck des Bankrotts unvermeidlich war, und man von jener stolzen Höhe, von deren Spitze herab man vor wenigen Monaten noch von einer dem „Institute" für immer „gesicherten Stellung" sprach, hinabzusteigen sich bequemen mußte in jene bescheidne Liefe des sehr prosaischen Geständnisses, „daß die Kasse beinahe erschöpft" und deren Fortbestand nur durch neue Opfer möglich ist, die das gutmüthige „verehrte Publikum" seiner Lasche und seinem Uebcrzeugung zumuthen und dabei wohl bedenken möge, daß,,wer seine Unterstützung und Mitwirkung ausschließlich dem zuwendet, was er für das beste hält, dadurch oft dem Bessern unauflösliche Schwierigkeiten bereitet," d. h., daß, wenn auch Gewissen und Oekonomie das Beisteuern zu der rabbinischen Versammlung widerrathen, der Satz doch unumstößlich feststeht, es sei jedenfalls besser, der Rabbi mache sich alljährlich einmal eine'Zerstreuung von einigen Wochen, damit man diesen Zeitraum in der Gemeinde benutze, um sich gegenseitig wieder zu verständigen, aufzuklären und auszusöhnen, als daß der geistliche Alp mit seinem unausstehlichen Drücke ununterbrochen auf der Gemeinde laste und Zwist, Streit, Zank und Hader stets ungestört fortwuchern und zuletzt aus dem Frieden ein romantisch-ideales Gut mache, dessen ungetrübter Genuß in das Utopien der Träume und der Dichtungen gehöre» O.gebt Geld her für die Rabbinerversammlung, je mehr je besser! Gebt, gebt, ihr Brüder, gebt Reisegeld und Zehrpfennig dem „notwendigen Uebel," bauet dem Bösen eine Brücke, und sei es eine goldene! Den Frieden und die Eintracht, wenn auch nur wenige Wochen, werdet ihr 13 *

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